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Der große Policen-Check Soll ich meine Lebensversicherung jetzt kündigen?

Schon bald soll es von den Lebensversicherungen bei Vertragsende oder Kündigung noch weniger Geld geben als heute. Zeit für einen Vertrags-Check: Abschließen? Halten? Kündigen? Wir zeigen, was am meisten bringt.

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Ist es besser, einen Lebensversicherung abzuschließen, zu halten oder vorzeitig zu kündigen? Unser Vertrags-Check gibt Antwort. Quelle: imago / eyevisto

Der Mann ist Sauerländer, und die sind nicht gerade für südländische Wutausbrüche berüchtigt. Doch die Allianz, die habe ihn „bis aufs Blut gereizt“, sagt Hans Berges. Auslöser war die Schlussabrechnung seiner Lebensversicherung, in die er 21 Jahre eingezahlt hatte – völlig undurchsichtig fand er diese, und mehr Geld als die angekündigten 28.025 Euro hatte er ohnehin erwartet.

Andere hätten das alles womöglich schulterzuckend hingenommen. Berges nicht. Er vertiefte sich ins Kleingedruckte des Vertrags, ackerte sich durch Geschäftsberichte und alte Bescheide der Allianz, versuchte, die vielen Einzelposten seiner Abrechnung zu entschlüsseln. Unter dem Strich stand am Ende, dass er 656 Euro zu wenig bekommen hätte – 2,3 Prozent der Auszahlungssumme, nicht viel. Doch ihm gehe es weniger um das Geld als ums Prinzip, sagt Berges, der früher bereits von der HDI Lebensversicherung rund 1140 Euro Nachzahlung ertrotzt hatte. Mit Unterstützung der Verbraucherzentrale Hamburg und des Bunds der Versicherten verklagte er die Allianz auf Nachzahlung. Sie habe nicht gesetzeskonform gerechnet, sagt er.

Dafür verprassen Deutsche ihre Lebensversicherung
Platz 10: Hobbys (1,7 Prozent)Rund 40 Milliarden Euro zahlen deutsche Versicherer jährlich für auslaufende Lebensversicherungen aus. Das stecken nur 1,7 Prozent der Empfänger in ihre eigenen Hobbys. Die Zahlen stammen von der Gothaer Versicherung. Diese hat die Gesellschaft für Konsumforschung GfK beauftragt, über 1.000 Deutsche zu ihren "Zahltag-Wünschen" zu befragen, wenn die Lebensversicherung fällig ist. Quelle: dpa
Platz 9: Zweit-Wohnsitz im Ausland (2,7 Prozent)Ein Domizil an der Sonne gilt als klassische Ausgabe für Senioren. Dabei wollen nur 2,7 Prozent der Befragten ihre Lebensversicherung für eine Immobilie auf Mallorca und Co. verprassen. Quelle: dpa
Platz 8: Erfüllung von Kauf-Wünschen (3 Prozent)Deutschlands Senioren geben sich bescheiden. Auch dem Klischee des Rentners, der sich endlich ein Cabrio leisten kann, wollen sie nicht folgen. Nur drei Prozent wollen sich solche teuren Wünsche erfüllen, wenn die Lebensversicherung fällig ist. Quelle: dpa
Platz 7: Wohnung oder Haus kaufen (7,7 Prozent)Deutlich mehr Befragte wollen im Alter eine Immobilie kaufen: 7,7 Prozent planen ihre Lebensversicherung dafür einzusetzen. Die Rekord-Preise zahlreicher Immobilien in München, Düsseldorf oder Frankfurt können sich ohnehin nur noch junge Glücksritter oder eben "Best-Ager" leisten. Der Deutschen Bank zufolge stiegen die Immobilienpreise in Großstädten seit 2008 jährlich um sieben Prozent. Quelle: dpa
Platz 6: Anlage für Kinder oder Enkelkinder (9,3 Prozent)Viele Deutsche geben sich bei der Lebensversicherung uneigennützig: 9,3 Prozent nutzen die Auszahlung, um sie wieder für ihre Kinder oder Enkelkinder anzulegen. Quelle: obs
Platz 5: Renovierungen (10,7 Prozent)Im Alter haben sich viele Deutsche oft schon Haus und Grund zugelegt - und bringen mit ihrer Lebensversicherung Haus und Wohnung wieder in Schuss. 10,7 Prozent der Befragten haben Renovierungen als "Zahltag-Wunsch" angegeben. Quelle: dpa
Platz 4: Weitersparen (11,8 Prozent)Kaum ist das ersparte Geld da, soll es wieder reinvestiert werden: 11,8 Prozent wollen nach der Auszahlung ihrer Lebensversicherung weiter sparen. Quelle: dpa

Versicherer legen das Geld ihrer Kunden an den Finanzmärkten an. Gewinne und Zinsen gehören zum Großteil den Kunden. Über deren Verteilung aber gibt es immer wieder Streit. Im Lauf des Verfahrens zwischen Berges und seinem Versicherer kam heraus, dass die Allianz Kunden zwar – wie vorgeschrieben – an entstandenen, aber noch nicht realisierten Kursgewinnen beteiligt, dafür aber andere, erst zum Vertragsende auszuzahlende Überschüsse kürzt. Das hatten sich Kunden wie Berges anders vorgestellt. Diese Praxis sei „rechtlich möglich“, sagt Felix Hufeld, Versicherungs-Chefaufseher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Undurchsichtige Berechnung

Bei Prozessen wie dem zwischen Berges und der Allianz müssen Versicherer Zahlen auf den Tisch legen. In der Regel aber behalten sie für sich, in welchen Töpfen das Geld der Kunden landet, was jeder Topf zur Auszahlung beiträgt und welche Spielräume sie bei Reserven und Überschüssen nutzen. Undurchsichtigkeit scheint Methode bei dem Vorsorgeprodukt, das rein statistisch jeder Deutsche, vom Kleinkind bis zum Greis, abgeschlossen hat – 87 Millionen Policen gibt es hierzulande.

Immer weniger vertrauen der Lebensversicherung. Ein Grund: Nach 20 Jahren bekommen Versicherte zum Vertragsende rund 30 Prozent weniger ausgezahlt als noch vor zehn Jahren. Ein Ende der Abwärtsspirale ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Versicherer rüsten sich bereits für weitere Einschnitte. Aktuell bekommen Neukunden nur noch 1,75 Prozent Zins garantiert – aber nicht auf alles, was sie eingezahlt haben, sondern nur auf den sogenannten Sparanteil, der nach Abzug der Kosten des Versicherers übrig bleibt. Je nach Vertrag und Anbieter liegt der zwischen 60 und 80 Prozent der eingezahlten Beiträge. Im kommenden Jahr soll der Garantiezins auf 1,25 Prozent fallen, so steht es im geplanten Lebensversicherungsreformgesetz, das noch vor der Sommerpause verabschiedet werden soll.

Der Streit um die Reserven

Die Leistungsfähigkeit der Lebensversicherer
Die Lebensversicherung ist für Millionen Deutsche der wichtigste Baustein der privaten Altersvorsorge. Die niedrigen Zinsen nagen aber seit Jahren an den Erträgen. Schon ab Juli könnten die Auszahlungen an Kunden per Gesetz weiter schmelzen. Dennoch wird es auch künftig deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Versicherern geben. Für die Entscheidung, ob sich der Abschluss, das Halten bis zum Laufzeitende oder eine vorzeitige Kündigung der Lebensversicherung lohnt, kommt es darauf an, wie gut die Lebensversicherung für einen lange Niedrigzinsphase gerüstet sind. Nachfolgend wichtige Kennziffern der zwölf größten Lebensversicherer, die insgesamt 60 Prozent des Marktes repräsentieren. Quelle: Geschäftsberichte der Versicherer, Prof. Hermann Weinmann (Hochschule Ludwigshafen) Quelle: dpa
Ein Schild mit dem Logo der Nürnberger Versicherungsgruppe Quelle: dpa/dpaweb
Bayern-VersicherungLaufende Verzinsung der Kapitalanlagen ohne Einmaleffekte 1: 2013: 4,0 % Laufende Verzinsung der Kapitalanlagen mit Einmaleffekten 1: 2013: 4,4 % Bewertungsreserven: 2013: 9,7 % der Kapitalanlagen Anteil Zinspapiere an Bewertungsreserven 2: 2013 (2012): ► Was der Versicherer verteilen kann ( Überschuss) 3: 2012: 14,5 % der Beiträge 2013: 12,8 % der Beiträge Wie lange die freien Mittel reichen ( Bilanzpuffer) 4: 2012: 3,1 Jahre 2013: 3,4 Jahre Stärken: hohe Reserven, gute KapitalanlageSchwächen, die sich in Niedrigzinsphasen besonders stark auswirken: keine Niedrigzins-Risiko für Anleger: niedrig 1Einmaleffekte: Gewinne und Verluste aus Anlageverkäufen sowie Zu- und Abschreibungen; 2im Vergleich zum Branchendurchschnitt; 3Kapitalerträge oberhalb der Garantieverzinsung + interne Überschüsse durch zu hoch angesetzte Kosten für Verwaltung und Vertrieb sowie Risiken (Berufsunfähigkeit, Tod); das Verhältnis von Überschuss zu Beiträgen zeigt, wie gut der Versicherer wirtschaftet; 4ein Wert von beispielsweise 2,0 besagt, dass der Versicherer seine laufende Überschussbeteiligung zwei Jahre lang aus den freien Mitteln finanzieren kann; je höher der Faktor, desto finanzstärker ist der Versicherer. Quelle: PR
Der Schriftzug "W&W württembergische" Quelle: dpa
Fahnen mit dem Logo der Allianz Quelle: dpa
R+V AG Quelle: Presse
CosmosDirekt Quelle: Presse

Klar, noch erhalten die meisten Kunden mehr als nur den garantierten Zins. Dieses Jahr werden den Versicherten im Schnitt 3,4 Prozent auf ihren Sparanteil gutgeschrieben, bei 15 Prozent Kosten wären dies immerhin noch 2,9 Prozent Rendite - mehr, als die meisten anderen sicheren Anlagen bringen.

Doch es wird weniger werden. Regierung und Finanzaufsicht wollen die Ansprüche, die Versicherte bei Kündigung oder Vertragsende haben, drastisch senken. Das Reformgesetz sieht vor, dass Versicherte, deren Verträge auslaufen, mit Inkrafttreten des Gesetzes – also voraussichtlich schon ab Juli - nicht mehr in jedem Fall an Bewertungsreserven beteiligt werden. Diese Reserven sind Kursgewinne, die bislang nur in den Büchern stehen, weil die dazugehörigen Papiere nicht verkauft wurden. Von den aus Anleihen stammenden Reserven sollen Versicherte nur noch etwas bekommen, wenn der Versicherer seine langfristigen Kundenzusagen ausreichend finanziert hat. Hat er das nicht, sollen die Reserven dazu genutzt werden, die absehbaren Löcher zu stopfen. So soll weniger Geld von Versicherern abfließen und das System Lebensversicherung stabiler werden.

Kunden prüfen jetzt ihre Policen

Die Diskussion über eine bevorstehende Abschaffung der Kundenbeteiligung habe für viele Versicherte aber einen "Hallo-wach-Effekt", sagt Stefanie Kühn, Honorarfinanzberaterin aus Grafing. Die würden nun ihre Verträge hervorkramen und kritisch durchleuchten. Aus gutem Grund: Bei rascher Kündigung könnten sie von den Vorteilen der alten Regelung profitieren. Mittlerweile ist die Zeit aber extrem knapp. Greift die Regelung tatsächlich schon im Juli, käme eine Kündigung wohl schon zu spät, um noch von der bisherigen Kundenbeteiligung zu profitieren. Andererseits können Versicherte darauf hoffen, dass das Gesetz sich zumindest verzögert. Ein Risiko tragen sie nicht: Im Zweifel können sie ihre Kündigung wieder zurückziehen.

Versicherungs-Chinesisch: Wie Sie Ihren Bescheid richtig lesen

Solange die Zinsen unten bleiben, dürften Lebensversicherungen immer weniger abwerfen - allein schon deshalb, weil viele hochverzinste Papiere, in die die Versicherer Kundengelder gesteckt haben, demnächst auslaufen. Das spricht meist dagegen, eine neue Police abzuschließen und oft für eine schnelle Kündigung. Hohe Garantiezinsen und Steuervorteile aus Altverträgen dagegen sind Argumente dafür, bis zum Schluss durchzuhalten.

Die WirtschaftsWoche skizziert deshalb Probleme und Chancen der Lebensversicherung und zeigt Vorsorgesparern, wie sie handeln sollen. Je nach Vertrag liefern wir die Antwort auf die zentrale Frage: Abschließen? Halten? Oder Kündigen?

Knapsen bei den Bewertungsreserven

Seit 2008 müssen Kunden, die ausgezahlt werden, zur Hälfte an den zuvor aufgelaufenen Bewertungsreserven beteiligt werden. Das Bundesverfassungsgericht hatte gefordert, dass Versicherer bei Auszahlungen auch aufgelaufene, aber nicht realisierte Gewinne einbeziehen müssten (1 BvR 80/95): Es sollten alle „Vermögenswerte angemessen berücksichtigt werden“, die „mit den gezahlten Versicherungsprämien gebildet worden sind“.

Das soll nun nicht mehr gelten. Die geplante „Korrektur der Auszahlung von Bewertungsreserven ist zwingend erforderlich“, sagt Versicherungsaufseher Hufeld, die aktuelle Praxis, sei eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“ gegenüber allen, deren Verträge noch weiter laufen, die also heute noch nicht von den Kursgewinnen profitieren.

Geringere Auszahlung droht

Was Lebensversicherungen wirklich bringen
Interrisk: Österreicher bieten beste BeitragsrenditeDie Ratingagentur Assekurata errechnete für Interrisk eine garantierte Beitragsrendite von 1,69 Prozent - für einen Vertrag, der 25 Jahre läuft und formal einen Garantiezins von 1,75 Prozent hat. So nah ist kein anderer Versicherer am Garantiezins dran. Auch im Vorjahr war dies so. Die prognostizierte - und damit unverbindliche - Beitragsrendite beträgt 4,2 Prozent. Damit liegt Interrisk als einer von vier Anbietern noch über der Marke von vier Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Satz jedoch deutlich gesunken, und zwar von 4,57 Prozent. Die InterRisk Versicherungs-AG ist das deutsche Tochterunternehmen der östereichischen Vienna Insurance Group. Quelle: Presse
Europa: Direktversicherer hält sich im SpitzenfeldDie Europa Lebensversicherung liefert seit Jahren gute Zahlen ab. Doch auch diese sinken. Die garantierte Beitragsrendite ist mit 1,57 Prozent sogar noch ein wenig höher als im Vorjahr mit 1,53 Prozent, weil Kostenvorteile zu Buche schlagen. Bei der prognostizierten Beitragsrendite liegt Europa mit 4,53 Prozent an der Spitze des Feldes. Der Wert liegt jedoch deutlich unter den 4,95 Prozent des Vorjahres. Bei der Überschussbeteiligung hält Europa noch die Marke von vier Prozent. Das geht hervor aus einer Mitteilung des Versicherers an die Ratingagentur Assekurata. Für 2012 betrug die Überschussbeteiligung noch 4,35 und für das Jahr 2011 waren es noch 4,5 Prozent. Quelle: Screenshot
Cosmos Direkt: Niedrige Kosten - hohe RenditeDie Lebensversicherungsangebote der Cosmos Direkt profitieren vom Vertriebsweg. Es ist für Kunden günstiger, wenn sie im Internet oder am Telefon einkaufen. Die Tochter der Generali gibt diese Vorteile in den Konditionen weiter. Am besten ist dies bei der garantierten Beitragsrendite zu erkennen. Platz 3 im Ranking von Assekurata mit 1,46 Prozent. Auch hier errechnete die Ratingagentur einen leicht besseren Wert als im Vorjahr. 4,17 Prozent für die prognostizierte Beitragsrendite ist ebenfalls ein Spitzenwert in der Branche. Im Vorjahr waren es aber noch 4,57 Prozent.
Hannoversche Leben: Schon unter vier ProzentMit der garantierten Beitragsrendite von 1,35 Prozent liegt der Direktversicherer aus Hannover auf Platz 4 - und damit sehr gut. Mit der prognostizierten Beitragsrendite erreicht er Platz 5. Dieser Wert liegt jedoch unter vier Prozent (3,92 Prozent), nachdem es im Vorjahr noch 4,17 Prozent waren. Nur vier Lebensversicherer liegen bei dieser Hochrechnung noch über vier Prozent. Dies zeigt den Trend in der Branche und auch bei der Hannoverschen Leben, für die die Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke wirbt.
WGV: Guter Garantierendite, schlechtere PrognoseDie Württembergische Gemeinde-Versicherung (WGV) bietet eine sehr gute Beitragsrendite. Mit 1,31 Prozent liegt der Versicherer auf Platz 5 in der Branche, wie Assekurata berechnete. Schlechter ist die prognostizierte Beitragsrendite mit 3,63 Prozent. Mehr als ein Dutzend Konkurrenten liegen hier besser. Wie andere Untersuchungen zeigen, liegt die WGV in der Leistungsfähigkeit für den Kunden häufig in den Top10. Quelle: Presse
Ergo Direkt: Besser als die große MutterErgo Direkt will nicht nur mit dem Thema Verständlichkeit punkten, sondern auch mit seinen Lebensversicherungsrenditen. Bei der garantierten Beitragsrendite liegt der Direktversicherer mit 1,31 zusammen mit der WGV auf Platz fünf. Auffällig ist die starke Verbesserung zum Vorjahr. Da lag dieser Wert nur bei 1,23 Prozent. Mit einer prognostizierten Rendite von 3,57 Prozent liegt Ergo Direkt allerdings nur im oberen Mittelfeld der Branche. In jedem Fall ist der Direktversicherer mit beiden Werten deutlich besser als das Vertreter-Unternehmen Ergo, die große Mutter aus Düsseldorf. Quelle: Screenshot
Asstel: Gothaer-Tochter springt in die Top10Die Asstel aus Köln-Mülheim profitiert ebenfalls davon, dass der Vertrieb eines Direktversicherers günstiger ist als bei Unternehmen, die auf Vertreter setzen. Die garantierte Beitragsrendite liegt mit 1,3 Prozent daher vergleichsweise hoch - Platz 8 bei Assekurata von 61 Versicherern. Die prognostizierte Beitragsrendite ist mit 3,8 Prozent ebenfalls vergleichsweise gut - ein Top10-Wert für die Tochter der Gothaer Versicherungen. Quelle: Presse

Es geht nicht um Peanuts, sondern um rund 70 Milliarden Euro, die in den Büchern der Versicherer stehen–etwa 80 Prozent davon entfallen auf festverzinsliche Wertpapiere, wären also von der neuen Ausschüttungsbegrenzung bei finanzschwachen Anbietern prinzipiell betroffen. Dass die Bewertungsreserven so anschwollen, ist auch eine Folge der Finanzkrise: Seit Anfang 2008 sind die Zinsen und damit die Renditen festverzinslicher Wertpapiere massiv gesunken; die Jahresrendite einer zehnjährigen Bundesanleihe hat sich gedrittelt. Damit sind früher gekaufte Anleihen, die Versicherer im Bestand haben, wertvoller geworden. Eine 2008 emittierte Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit notiert aktuell bei etwa 116 Prozent. Lebensversicherer haben 90 Prozent ihrer Kapitalanlagen in festverzinsliche Papiere gesteckt, insgesamt 715 Milliarden Euro.

Kündigen kostet

Versicherer und Finanzaufsicht halten es für falsch, ausscheidende Kunden an diesen Kursgewinnen zu beteiligen. Ihr Argument: Versicherer würden Anleihen bis Laufzeitende halten. Anleihen werden dann zu 100 Prozent zurückgezahlt, die Kursgewinne gehen also wieder auf null. Die Beteiligung der Kunden an den temporären Kursgewinnen würde daher zulasten verbleibender Kunden, „der Solidargemeinschaft“, wie Hufeld sagt, gehen. Denn das jetzt ausgeschüttete Geld verbleibe nicht für spätere Auszahlungen im Topf.

Das ist im Prinzip richtig. Nur entspricht die Regel den Vorgaben des Verfassungsgerichts: Die Bewertungsreserven sind keine Fata Morgana, die gehaltenen Anleihen sind wertvoller geworden. Manche Versicherer verkaufen solche Anleihen zudem durchaus, um Kursgewinne zu realisieren und das Kundengeld in andere, noch aussichtsreichere Anlagen zu stecken.

Wie die Rendite für Versicherer steigt und für die Kunden sinkt (Zum Vergrößern bitte Anklicken)

Wenn ihre Anlagemanager nicht verkaufen, ist das Teil der Anlagepolitik. Die Reserven gibt es trotzdem. Die eigentliche Frage ist daher, ob ausscheidende Kunden auf ihnen zustehendes Geld verzichten, um damit die Rendite nachfolgender Versicherter aufzubessern. Heinrich Schradin, Professor am Institut für Versicherungswissenschaft der Uni Köln, hat dafür etwas übrig: „Eine Lebensversicherung funktioniert generationenübergreifend. Ihre Stärke ist nicht die Rendite, sondern die Glättung von Ertragsschwankungen.“

Noch ist die Reform nicht beschlossen, doch die Regierung hat die klare Absicht, ihren Ende Mai vorgelegten Gesetzesentwurf schnell durchzubringen. Die BaFin, vor allem interessiert an stabilen Versicherern, unterstützt die Branche. Schon 2005 hatten sie und die Regierung sich gegen die Kundenbeteiligung an den Reserven ausgesprochen. Diese würde „die finanzielle Stabilität der Versicherungsunternehmen und somit auch die Belange der Versicherten stark gefährden“. Die Aufsicht sei von der alten Maxime „Schutz der Kunden durch Schutz der Anbieter“ geprägt, sagt Professor Schradin, der die BaFin berät. Problematisch ist dieses Rollenverständnis, weil Kunden zwar sicher stabile Versicherer wollen – aber eben auch hohe Leistungen.

Aus der Substanz gezahlt

In diese Lebensversicherungen fließt das meiste Geld
Platz 20: Gothaer LebenDie Lebensversicherung ist noch nicht tot. Das Neugeschäft bei den Versicherern läuft immer noch wie geschmiert – trotz aller Unkenrufe. Die Kunden scheinen keine Alternative zur Lebensversicherung zu finden, denn die große Flucht blieb bisher aus. Die Gothaer Lebensversicherung AG bietet für 2014 eine Gesamtverzinsung, einschließlich Schlussüberschussbeteiligung und Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven, in Höhe von 4,20 Prozent für das Neugeschäft. Die laufende Gesamtverzinsung (ohne Schlussüberschussbeteiligung und Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven) sinkt um 0,2 Prozentpunkt auf 3,30 Prozent. Bruttobeiträge 2013: 1,3 MilliardenBruttobeiträge 2012: 1,25 MilliardenVeränderung: + 4,2 ProzentRang (Vorjahr): 20Datenquelle für die Prämieneinnahmen : Zeitschrift für Versicherungswesen, 1. April 2014 Quelle: dpa
Platz 19: Swiss LifeDer Versicherer Swiss Life, der den Finanzvertrieb AWD kaufte und umbenannte, muss noch deutlicher runter, wie das Versicherungsjournal notiert. Für 2013 falle die Überschussbeteiligung auf 3,0 Prozent. Im Vorjahr waren es 3,3 Prozent, davor noch 3,5 Prozent. Und für 2011 schrieb der Schweizer Versicherer seinen deutschen Kunden sogar noch 3,8 Prozent gut. Bruttobeiträge 2013: 1,328 MilliardenBruttobeiträge 2012: 1,33 MilliardenVeränderung: - 0,4 ProzentRang (Vorjahr): 17 Quelle: dpa
Platz 18: Volkswohl Bund LebenDie Volkswohl Bund Lebensversicherung hält ihre Überschussbeteiligung 2014 stabil. Die laufende Verzinsung bleibe bei 3,65 Prozent und die Gesamtverzinsung bei rund 4,3 Prozent, teilte die Gesellschaft mit. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit zahlt das Unternehmen einen vergleichsweise hohen Teil seiner Erträge an die Versicherten aus. Für 2012 lag die Überschussbeteiligung noch bei 4,05 Prozent. Bruttobeiträge 2013: 1,33 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,29 Milliarden EuroVeränderung: + 2,8 ProzentRang (Vorjahr): 19 Quelle: PR
Platz 17: Provinzial Nordwest LebenDer Sparkassenversicherer aus Düsseldorf hat die Überschussbeteiligung erneut recht deutlich gesenkt. Sie liegt nun bei 3,1 Prozent. Das sind 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr, als die Zinsgutschrift von 3,75 auf 3,4 Prozent zurückgenommen worden war. Die Gesamtverzinsung betrage nun 3,8 Prozent, davon entfallen auf den Schlussüberschuss 0,2 Prozent und die Beteiligung an den Bewertungsreserven 0,5 Prozent. Im Vorjahr war die Gesamtverzinsung der Provinzial Rheinland um 0,15 Prozentpunkt auf insgesamt 4,1 Prozent gefallen. Bruttobeiträge 2013: 1,46 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,31 Milliarden EuroVeränderung: + 11,4 ProzentRang (Vorjahr): 18
Platz 16: Gothaer LebenDer Lebensversicherer der Signal-Iduna-Gruppe aus Dortmund senkt die Überschussbeteiligung um 0,35 Prozent auf 3,25 Prozent. Einschließlich Schlussüberschuss und Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven ergebe sich für die klassische Rentenversicherung eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 3,6 Prozent, erklärte ein Sprecher des Stadionsponsors von Borussia Dortmund. Bruttobeiträge 2013: 1,49 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,40 Milliarden EuroVeränderung: + 6,3 ProzentRang (Vorjahr): 16 Quelle: dapd
Platz 15: Sparkassenversicherung (SV) LebenDie SV hält die laufende Überschussbeteiligung ihrer Lebens- und Rentenversicherungen für das nächste Jahr konstant - auf niedrigen 3,05 Prozent. Bruttobeiträge 2013: 1,88 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,64 Milliarden EuroVeränderung: + 14,5 ProzentRang (Vorjahr): 15 Quelle: dpa
Platz 14: Alte Leipziger LebenDer mittelgroße, aber sehr kapitalstarke Lebensversicherer sendet ein Zeichen der Stabilität. Die Überschussbeteiligung, die im Vorjahr deutlich von 3,85 Prozent auf 3,35 Prozent gesenkt worden war, bleibt für 2014 stabil. Dieser Versicherer veröffentlichte seine Zahlen erneut als einer der ersten in der Branche. Das Signal an die Konkurrenz: Wir waren im Vorjahr vorsichtig, nun profitieren wir davon. Noch ist die Marke von drei Prozent kein Thema. Bruttobeiträge 2013: 1,91 Milliarden EuroBruttobeiträge 2012: 1,81 Milliarden EuroVeränderung: + 5,5 ProzentRang (Vorjahr): 14

Hermann Weinmann, Professor für Finanzdienstleistungen und Corporate Finance an der Hochschule Ludwigshafen, glaubt nicht, dass alle Versicherer geschützt werden müssen: „Finanzstarke Lebensversicherer, beispielsweise die Allianz, können auch weiterhin ihre Versicherten an den Bewertungsreserven beteiligen.“ Besser als eine -zwischenzeitlich diskutierte- pauschale Branchenlösung sei die nun geplante Fallentscheidung, bei der finanzschwache Versicherer die Ausschüttung verringern oder aussetzen. Die Allianz etwa hat eine Gesetzesänderung nicht nötig. Ihre Kapitalanlagen warfen 5,5 Prozent ab. Auch ohne Einmaleffekte aus Verkäufen von Papieren waren es noch 5,0 Prozent. Das lag vor allem daran, dass der Dax gut lief und die Allianz ihre Aktienquote 2013 von 7,9 auf 10,2 Prozent der Kapitalanlagen hochgefahren hat.

Teure alte Zinsversprechen

Wegen der niedrigen Zinsen fällt es vielen anderen Versicherern schwer, die garantierten Renditen noch zu erwirtschaften. Kunden, die etwa 1999 unterschrieben haben, müssen sie garantiert vier Prozent auf den Sparanteil überweisen. Weil einige Versicherer allein mit Dividenden und Zinsen die vier Prozent nicht erreichen, müssen sie Vermögenswerte verkaufen. Das geht eine Weile lang gut. Doch wenn renditestarke Anlagealternativen fehlen, geht den Lebensversicherern irgendwann die Puste aus.

Reichen die Kapitalerträge eines Versicherers nicht, um seine Auszahlungen zu decken, ist das kurzfristig kein Drama. Versicherer bauen in fetten Jahren einen Puffer auf. Im Extremfall, wenn Versicherer keine Erträge mehr erzielen, könnten sie ihre Versicherten nur noch aus diesem Puffer bedienen. Wie gut ein Versicherer vorgesorgt hat, zeigt sich daran, wie lange der Puffer dann halten würde. 2009 bis 2011 konnten die zwölf größten Lebensversicherer diesen Wert noch steigern. 2012 sank er: Nun würde der Puffer im Schnitt nur noch 1,87 Jahre reichen (siehe hier). Unterstellt wird dabei, dass aus dem Puffer die jährliche Gutschrift, das heißt der Garantiezins plus zusätzlich geleistete Überschüsse, gezahlt wird.

Schwach ist etwa die Generali. Ihr Puffer würde nur für 0,8 Jahre reichen. Schlimmer noch: Die laufenden Kapitalerträge der Tochter des italienischen Konzerns brachten 2013 nur 3,0 Prozent Rendite, wenn Einmaleffekte wie die aus dem Verkauf von Kapitalanlagen mit Gewinn herausgerechnet werden. Erst solche Gewinne verhalfen Generali zu einer Nettoverzinsung von 4,1 Prozent, also noch knapp oberhalb des höchsten Garantiezinses von 4,0 Prozent.

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Viele KündigungenLebensversicherungen waren eines der Lieblingsprodukte des deutschen Sparers. Mittlerweile hat sich das allerdings aufgrund der niedrigen Zinsen geändert. Allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland Lebensversicherungen im Wert von 14,4 Milliarden Euro gekündigt. Lohnt sich das? Quelle: dpa
Oft ein VerlustgeschäftLeider zahlt der Sparer bei einer Kündigung oft drauf. In der Regel bekommen Versicherte deutlich weniger, als sie an Beiträgen eingezahlt haben. Vor allem die hohen Kosten der Versicherungen für Vertrieb und Verwaltung schlucken einen Großteil der Beiträge. Hinzu kommen die Stornogebühren, die bei einer Kündigung fällig werden. Können die hohen Verluste vermieden werden? Quelle: dpa
Verkauf am ZweitmarktAuch für gebrauchte Lebensversicherungen gibt es einen Markt, den sogenannten Zweitmarkt für die Policen. Bei diesen speziellen Aufkäufern liegt der angebotene Kaufpreis in der Regel über dem Betrag, den Versicherer zahlen würden. Im Einzelfall können Verkäufer mit bis zu 15 Prozent mehr rechnen. Quelle: dpa
Kann jeder am Zweitmarkt verkaufen?Nein, nicht jede Police kommt für den Verkauf infrage, denn die Aufkäufer stellen Bedingungen. Ausgeschlossen sind in der Regel Riester- oder Rürup-Verträge, auch betriebliche Lebensversicherungen wird man am Zweitmarkt nicht los. Gute Chancen hat dagegen jemand, der seine Police schon eine Weile besitzt, so dass die Provisionen bereits finanziert sind. Quelle: dpa
Wer sind die Aufkäufer?Marktführer ist nach eigenen Angaben das Frankfurter Unternehmen Policen-Direkt. 2012 hat Policen-Direkt insgesamt Policen im Wert von rund 123 Millionen Euro aufgekauft. Auch die Zweitmarktsparte der zerschlagenen WestLB gehört mittlerweile zu den Frankfurtern. Pionier am Markt war ursprünglich Cash.Life, ein Anbieter aus Pullach. Mittlerweile hat das Unternehmen den regulierten Markt allerdings verlassen und ist in den weitgehend unregulierten Freiverkehr der Börse Hannover gegangen.  Quelle: dpa
Wovon hängt der Preis ab?Neben dem Rückkaufswert, den Versicherer bei einer Kündigung zahlen, hängt der Preis am Zweitmarkt von verschiedenen Kriterien ab. Etwa von der Assekuranz, bei der die Police abgeschlossen wurde. Für Policen von leistungsstarken Versicherern gibt es daher mehr Geld als für solche von leistungsschwachen Assekuranzen. Auch Zusätze, wie beispielsweise eine unkündbare Berufsunfähigkeitspolice, mindern den Preis. Außerdem gilt: Je höher der Beitrag ist, der in die Risikovorsorge fließt, desto weniger Geld bekommt der Verkäufer am Ende. Quelle: dpa
Wird auf dem Zweitmarkt viel verkauft?Im Moment kaufen die Ankäufer vergleichsweise wenig. Auch die genannten Einschränkungen führen dazu, dass relativ wenig Policen verkauft werden. Auch der Niedrigzins sorgt dafür, dass zumindest langjährige Lebensversicherungssparer ihre Police nicht verkaufen wollen. Quelle: dpa

In Zukunft wird es für Generali schwerer, die Rendite über Verkäufe aufzustocken. Der Grund ist simpel: Sie hat weniger Kapitalanlagen, deren Kurse über den Bilanzwerten stehen. Die Bewertungsreserven sind von 3,1 Milliarden Euro 2012 auf 1,7 Milliarden Euro Ende 2013 geschmolzen.

Auch bei HDI Leben sieht es düster aus. Bei 2,2 Milliarden Euro Kundenbeiträgen im Jahr erzielte der Versicherer nur sechs Millionen Euro Gewinn. 97,5 Prozent des Überschusses musste HDI zuvor an die Kunden ausschütten, um die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen. Dass so wenig hängen bleibt, liegt auch an den hohen Verwaltungs- und Vertriebskosten der HDI Leben.

Beschränkte Anlagemöglichkeiten

Die Schere zwischen guten und schlechten Anbietern wird sich weiter öffnen. Dazu trägt auch die Regulierung infolge der Finanzkrise bei. Versicherer müssen heute, wenn sie in riskantere und damit ertragreichere Anlagen gehen, mehr Kapital zurücklegen. Schwache Versicherer können sich das nicht leisten und werden in sichere Anlagen getrieben, die wenig Ertrag bringen. Damit können sie aber keine Puffer aufbauen – ein Teufelskreis.

Schon jetzt warnt die BaFin, ihre Prognosen zu der Wirkung anhaltender Niedrigzinsen zeigten, „dass sich die wirtschaftliche Lage der Unternehmen im Jahr 2017 noch einmal verschärfen würde“. Eine weitere Absenkung der Überschussbeteiligung und damit des Geldes, das Anleger über den Garantiezins hinaus bekommen, könnte daher „erforderlich oder sogar unvermeidbar“ sein.

Wichtige Kennzahlen zur Beurteilung von Versicherern

Ergo, Allianz oder Axa wollen das Problem mit Policen lösen, die Kunden zum Laufzeitende nur noch den Erhalt der Beiträge, aber keine Mindestverzinsung garantieren. Das Risiko, dass die Kapitalanlagen der Versicherer floppen, wird weitgehend auf den Kunden überwälzt. Dafür soll es im Idealfall mehr Rendite geben.

Finanzberaterin Kühn aus Grafing, kennt sie, die dicken Versicherungsordner. Einige Kunden haben acht Lebensversicherungen – für Kühn ist das Alltag. Da ist das Nürnberger Ärztepaar mit vier Kindern, das immerhin auf ein Vollzeit- und ein Teilzeit-Einkommen kommt, die laufenden Versicherungsbeiträge aber trotzdem kaum stemmen kann. „Das Paar hat über Jahre 1300 Euro in mehrere Policen eingezahlt, jeden Monat“, sagt Kühn. „Kein Wunder, dass das Familienbudget so eng wurde, dass der Kauf eines Hauses unmöglich erscheint.“ Solchen Kunden, denen Vertreter zu viele Policen aufgeschwatzt haben, rät sie oft zur Kündigung.

Der Trick mit der Kündigung

Was tun mit der Lebensversicherung? Ein Leitfaden zur Bewertung ihrer Lebensversicherung. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Zeitpunkt für eine Überprüfung der eigenen Verträge ist günstig. Die mögliche Abschaffung der Kundenbeteiligung an den Bewertungsreserven kann für eine schnelle Kündigung sprechen. Unser Grafik (siehe Grafik oben) zeigt, wie zweifelnde Kunden vorgehen sollten.

Entscheidend sind relevante Informationen zum Vertrag. Kunden sollten unverbindlich fragen, wie viel sie denn bei Kündigung jetzt bekämen. Versicherer lieben derartige Anfragen naturgemäß nicht. Ein WirtschaftsWoche-Leser, der vier Wochen vergeblich auf Antwort gewartet hatte, bekam die Zahlen erst nach einem Brief an den Vorstand.

Testweise kündigen

Mauert der Versicherer, sollte der Kunde erst einmal kündigen. Er kann die Kündigung im Zweifel später zurückziehen – bis wann, teilt ihm der Versicherer mit. Wer monatlich Beiträge zahlt, kann zum Monatsende mit vierwöchiger Frist kündigen. Aus diesem Grund dürfte eine Kündigung mittlerweile in den meisten Fällen schon zu spät kommen, um noch von den alten Regeln zur Beteiligung an den Bewertungsreserven zu profitieren. Denn eine im Juni ausgesprochene Kündigung, würde oft erst zu Ende Juli greifen. Stellt sich nach der Kündigung heraus, dass diese tatsächlich zu spät kam, haben Versicherte aber keinen Nachteil: Sie können die Kündigung dann einfach wieder zurückziehen. Nach der Kündigung muss der Versicherer die Police abrechnen. Nicht immer aber liefern die Daten, die der Versicherer mit der Kündigungsbestätigung schickt, ein vollständiges Bild. Die Allianz etwa wies bei einem zum 1. April gekündigten Vertrag Anfang März eine Auszahlung von nur rund 104.000 Euro aus. In der Abschlussrechnung zehn Tage vor der Auszahlung waren es auf einmal 114.000 Euro.

Geldanlage in Eigenregie für Kundige

Dabei bleiben sollten Kunden, wenn der Versicherer kontinuierlich überdurchschnittliche Rendite liefert. Allenfalls bei solchen Anbietern sollten Vorsorgesparer, die sich das langfristige Sparen in Eigenregie partout nicht zutrauen, heute noch einen Vertrag abschließen. Unsere Daten zu den zwölf größten Versicherern und das jährliche Finsinger-Rating zur Lebensversicherung bieten Orientierung.

Policen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind nach zwölf Jahren steuerfrei, ihre Erträge nach Steuern sind mit vergleichbar sicheren Anlagen nicht zu schlagen. Wichtig: Sichert eine Police Risiken ab, kann auch das gegen eine Kündigung sprechen. Versicherte können ihren Vertrag oft aber auch beitragsfrei stellen, also nichts mehr einzahlen. Auf den Risikoschutz müssen sie nicht verzichten, wenn sie entweder Abschläge in Kauf nehmen oder extra nur noch für den Todesfall- oder Berufsunfähigkeitsschutz zahlen.

Das frei gewordene Monatsbudget können Aussteiger auf eigene Faust anlegen. Bewährt hat sich das regelmäßige Sparen in verschiedenen Anlageklassen. Vorsorgesparer können monatlich je 30 Prozent ihrer Anlagesumme in Aktien und Anleihen, 25 Prozent in Gold und 15 Prozent auf ein Tagesgeldkonto einzahlen. Die Depotanteile werden jährlich wieder angepasst. Mit passenden Indexfonds sind solche Ratensparpläne kostengünstig.

Wem das zu aufwendig ist, der kann auf Mischfonds ausweichen. Gute Fonds überholen Lebensversicherungen auf längere Sicht locker. Der Kapital Plus aus der Allianz-Fondsschmiede Allianz Global Investors hat bei monatlich 100 Euro Einzahlung über 20 Jahre 46.081 Euro Endstand erreicht. Nach Abzug aller Kosten, aber vor Steuern sind das 6,1 Prozent pro Jahr.

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Klar, eine Garantieverzinsung wie die Lebensversicherung bieten solche Strategien nicht. Doch deren Bedeutung für die langfristige Geldanlage wird ohnehin überschätzt. So schwanken Aktienkurse kurz- und mittelfristig stark, der Langfristtrend am Aktienmarkt geht aber schon deutlich stabiler nach oben. Die garantierte Minirendite bei Neuabschluss einer Lebensversicherung bringt Vorsorgesparern wenig.

So wenig, dass sie im Zweifel darauf verzichten können.

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