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Einfach mehr Rente Die Zehn-Cent-Vorsorge

Altersvorsorge: Auch aus kleinen Beträgen kann über die Jahre eine ordentliche Rente erwachsen

Jeder zweite Deutsche legt gar nichts oder zu wenig fürs Alter zurück. Dabei kann Vorsorge einfach sein. So viel bringt es, von jedem Euro zehn Cent zurückzulegen – und das in Zeiten der Niedrigzinsen.

Mehr als die Hälfte der Deutschen fürchtet sich vor Altersarmut. Gleichzeitig gibt ebenfalls etwa jeder Zweite an, zu wenig fürs Alter zurückzulegen. Jeder Vierte sorgt gar überhaupt nicht vor. Das Ergebnis der mangelnden Vorsorge ist bei Millionen Deutschen eine große Rentenlücke: Sie werden im Alter deutlich weniger Geld haben, als sie brauchen würden, um ihren Lebensstandard zu halten.

Dabei ist es gar nicht so schwer, die Rentenlücke zu schließen. Je früher Sie anfangen vorzusorgen und je mehr Geld Sie zurücklegen können, desto komfortabler wird es Ihnen im Alter ergehen. Doch auch vergleichsweise geringe Rücklagen können den Ruhestand schon deutlich erleichtern. Eine Faustformel kann hier die Zehn-Cent-Vorsorge sein. Dabei legen Sie von jedem verdienten Euro zehn Cent zurück. Um die Kaufkraft nicht zu sehr zu schmälern, nehmen wir das Nettogehalt als Grundlage, also den Betrag, der tatsächlich bei Ihnen ankommt. Der Effekt lässt sich sehen – und das selbst in Zeiten der Niedrigzinsen.

Um die Effekte für verschiedene Einkommen zu zeigen, betrachten wir drei verschiedene Gehaltsklassen: einen Geringverdiener, einen Durchschnittsverdiener und einen Spitzenverdiener. Der erste bezieht den Mindestlohn, die letzten beiden orientieren sich an der Definition der deutschen Rentenversicherung, genauer: dem Durchschnittseinkommen und der Beitragsbemessungsgrenze.

Definieren wir nun die Rahmenbedingungen. Aktuell bekommt man bei den besten Anbietern etwa 1,5 Prozent Zinsen für Sparpläne. Da absehbar ist, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins innerhalb der nächsten Jahre anheben und die Banken nachziehen werden, dürfte dieser Zinsmittelfristig wieder seinen langjährigen Durchschnittswert von drei Prozent erreichen. Gehen wir sicherheitshalber davon aus, dass das erst in zehn Jahren soweit sein wird.

Um die Rechnung möglichst realistisch zu halten, rechnen wir des Weiteren mit einer durchschnittlichen jährlichen Inflation von zwei Prozent. Das macht die Werte zwar deutlich weniger imposant, aber schützt vor bösen Überraschungen. Die Netto-Rendite der Geldanlage ist so in den ersten zehn Jahren negativ (1,5 Prozent Zinsen minus zwei Prozent Inflation) und liegt danach bei einem Prozent. In den Rechenbeispielen fließt die Nettorendite ein, Zinsen und Inflation sind also bereits verrechnet.

Was bedeuten diese Annahmen für die drei Beispielpersonen?

Der Gutverdiener: Bis zu 79 Prozent seines vorigen Einkommens

Die deutsche Rentenversicherung hat eine klare Vorstellung davon, wer in Deutschland als Top-Verdiener gilt. Nur bis zu einer gewissen Schwelle wird das verdiente Gehalt tatsächlich nach einem festgelegten Schlüssel, den Rentenpunkten, in gesetzliche Rentenansprüche umgerechnet. Wer mehr verdient als diese sogenannte Beitragsbemessungsgrenze, ist nach Auffassung der Rentenversicherung so wohlhabend, dass er für ein Mehr an Gehalt kein Mehr an gesetzlicher Rente bekommt. Aktuell liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei einem Gehalt von 6500 Euro im Monat. Netto ergibt das 3657 Euro.

Wer 45 Jahre lang stets an der Beitragsbemessungsgrenze verdient, erwirbt dadurch nach aktuellem Schlüssel einen Rentenanspruch von 2966 Euro im Monat. Gehen wir hier davon aus, dass sich Inflation und Rentenerhöhungen ausgleichen sollen, können wir auch hier in aktuellen Preisen rechnen. Bei voller Besteuerung bleiben davon netto 2125 Euro.

Angenommen, der Gutverdiener beginnt mit 22 Jahren zu sparen und geht mit 67 Jahren in Rente, so dauert seine Sparphase insgesamt 45 Jahre, davon zehn Jahre mit negativer Nettorendite. Legt er jeden Monat zehn Prozent seines Nettogehalts zurück, also 366 Euro, kommt er so auf eine Gesamtersparnis von 238.606 Euro. Möchte er sich aus diesem Kapitalstock 30 Jahre lang eine Rente auszahlen, sind das – bei einer Nettorendite von einem Prozent und abzüglich Steuern – 753 Euro im Monat. Zusammen mit der gesetzlichen Rente kommt er so auf 2878 Euro im Monat. Das sind 79 Prozent seines vorherigen Nettoeinkommens.

Zur Einordnung: Rentenexperten gehen davon aus, dass wegen wegfallender Versicherungen und Vorsorgeaufwendungen im Alter nur etwa 70 bis 80 Prozent des vorigen Einkommens nötig sind, um den Lebensstandard zu halten. Der Gutverdiener könnte seine Rentenlücke also weitestgehend schließen, wenn er früh beginnt, zehn Prozent seines Gehalts zurückzulegen – selbst mit den aktuellen schwachen Zinsen.

Etwas schwieriger wird es, wenn ein Gutverdiener bereits 37 Jahre alt ist, wenn er mit dem Sparen beginnt. Unter denselben Bedingungen kommt er nur auf einen Kapitalstock von 148.350 Euro. Daraus kann er sich immerhin noch 472 Euro im Monat auszahlen, er kommt also auf eine monatliche Gesamtrente von 2597 Euro nach Steuern. Das sind knapp 71 Prozent seines früheren Nettoeinkommens, also immer noch der untere Rand dessen, was Experten als gleichbleibenden Lebensstandard bezeichnen.

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