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Engelmanns Eigenhandel

Kurseinbruch am Wörthersee

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Berechtigte Skepsis

Am 13. Juli schrieb ich an dieser Stelle: "Doch Aktienbestände inmitten der größten Staatsschuldenkrise der vergangenen Jahrzehnte abzubauen - zumal auf vergleichsweise hohem Niveau - scheint mir mittlerweile eine durchaus vernünftige Überlegung." "Damals" - vor noch nicht einmal 6 Wochen - notierte der Deutsche Aktienindex (DAX) bei 7.267 Punkten. Dass so wenig Zeit bleiben würde, die Eingebung der Vernunft in die Tat umzusetzen, hat mich zutiefst erschreckt. Der Absturz, den die Weltbörsen im August erlebt haben, ist Beleg für die Skepsis der Anleger über den Fortgang der Konjunktur und die Fähigkeit der Politik, die Staatsfinanzen dies- und jenseits des Atlantiks zu sanieren. Zwar konnte die Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten durch eine Anhebung der Schuldenobergrenze in letzter Sekunde abgewendet werden, auch konnte der Wertverfall italienischer und spanischer Staatsanleihen durch beherztes Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) eingedämmt werden, doch die Flucht der Anleger in die Sicherheit von Bundesanleihen und Gold hält unvermindert an.   

Säckeweise Gold

Deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit sind so gefragt, dass mit ihnen mittlerweile nur noch Renditen um 2 Prozent erzielt werden können. Dies ist zum einen dem nach wie vor hohen Vertrauen der Investoren in die Zahlungsfähigkeit der Bundesrepublik geschuldet, zum anderen dem Umstand, dass der Markt für Bundesanleihen nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Rating-Agentur Standard & Poors der weltweit größte, verbliebene Markt ist, der noch von allen drei führenden Bonitätswächtern mit der Spitzennote "AAA" bewertet wird. Auch Gold wird weiterhin gekauft, als stünde der Weltuntergang unmittelbar bevor. In den Geschäftsräumen führender Edelmetallhändler fühlt man sich mittlerweile wie in den Wartezimmern von Kassenärzten - einzig das "Goldene Blatt" und "Gala" fehlen. Taschenweise schleppen Privatanleger Goldbarren und Silbermünzen nach Hause - eine eindeutigere "Abstimmung" über das Vertrauen in die Zukunft lässt sich kaum vorstellen.      

Irrweg Euro-Bonds

Zunehmend wird die Debatte um eine Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise auch zu einem Politikum. Die Diskussion um die Einführung sogenannter "Euro-Bonds", also gemeinschaftlich von allen Staaten der Euro-Zone begebener Staatsanleihen, hat gewaltig an Fahrt aufgenommen. Die Befürworter solcher Anleihen sehen diese als "ultima ratio" im Kampf gegen die stetig steigenden Zinsen, die einzelne Länder wie Italien und Spanien dieser Tage bieten müssen, um Anlegern ihre Anleihen schmackhaft zu machen. Auch hierzulande ist die Diskussion um die Euro-Bonds voll entbrannt. Dabei hat sich die Opposition, SPD wie Grüne und Linke, für die Einführung solcher Gemeinschaftsanleihen ausgesprochen. Ob sie damit gut beraten ist? Ich wage zu behaupten, dass eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung "Euro-Bonds" ablehnt. Und das aus gutem Grund. Es geht dabei weniger um die Frage, ob hilfsbedürftigen Staaten der Euro-Zone geholfen werden sollte oder nicht. Das steht ausser Frage! Und dazu sind bereits umfangreiche Massnahmen beschlossen und auf den Weg gebracht worden. Man denke hier nur an die "European Financial Stability Facility" (EFSF), die Kredite an Euro-Land Staaten in finanzieller Notlage vergeben kann, sowie an die Käufe von Staatsanleihen durch die EZB.    

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