EU-Parlament Mehr Schutz für Versicherungskunden gefordert

Kunden bekommen oft unpassende Versicherungen angedreht - so lautet die Kritik von Verbraucherschützern. Die EU will das ändern. Zum Schutz der Verbraucher stellt sich das Europaparlament hinter eine Reform der Beratung.

Die zehn größten Versicherungsirrtümer
Irrtum 10: Auch ein beschädigtes Fahrrad wird von der Hausratversicherung übernommenEs lohnt sich, bei einem teuren Fahrrad eine zusätzliche Versicherung abzuschließen, denn nur von wenigen Versicherungen werden die Drahtesel überhaupt mit in die Police aufgenommen. Grundsätzlich kostet es einen Prämienaufschlag. Es gibt aber nichts, wenn das Fahrrad beschädigt ist, und auch nichts, wenn Sattel oder Luftpumpe gestohlen wurden. Eine Haftpflichtversicherung hingegen deckt zumindest die Kosten, die anderen entstehen. Ein Fahrrad ist nur dann aus "Hausrat" versichert, wenn es durch einen Brand zerstört wird oder bei einen Wohnungseinbruch entwendet wird. Es ist aber ein Irrglaube, dass es auch in einem umzäunten Garten mitversichert wäre. Quelle: dpa
Irrtum 9: Eine Haftpflichtversicherung übernimmt alle SchädenFalsch. Eine Haftpflicht übernimmt nur dann einen Schaden, wenn man selbst für diesen Schaden hätte eintreten müssen. Das gilt nicht für Umzugshelfer: Theoretisch müsste er dafür haften, wenn er einen Gegenstand kaputt macht, allerdings hat der Gesetzgeber insbesondere Umzugshelfer geschützt, so dass der Geschädigte keinen Anspruch auf Schadensersatz hat. Dieser Anspruch entsteht erst, wenn eine grobe Fahrlässigkeit vorliegt, dann haftet der Umzugshelfer, allerdingt springt dann seine private Haftpflichtversicherung ein. Quelle: dpa
Irrtum 8: Kfz-Versicherungen können nur zum Jahresanfang gewechselt werdenDen Einheitstermin zum 1.1. gibt es. Mittlerweile bieten aber immer mehr Versicherer an, einen beliebigen Monatsanfang zu wählen. Dieser Einheitstermin war vor allem für die Autoversicherer eine Vereinfachung, schreibt die Gothaer Versicherung. "Denn ebenfalls zum 1. Januar legen sie gemeinschaftlich neue Typ- und Regionalklassen für Autos und Zulassungsbezirke fest." Vorteile des flexiblen Termins gibt es vor allem dann, wenn die Jahresprämie auf einmal ausgezahlt werden soll. Außerdem kann es zu einer finanziellen Entspannung kommen, wenn sich die "Hauptfälligkeiten" bei Belastungen besser verteilen lassen. Ein Nachteil ist es beispielsweise, dass die alte Übersichtlichkeit verloren geht - Fristen muss der Autohalter selbst im Auge behalten. Quelle: AP
Irrtum 7: Berufsunfähigkeitsversicherungen sind unbezahlbarDas ist definitiv falsch. Sie wird aber - mit ansteigendem Alter - immer teurer. Das gilt auch, wenn Vorerkrankungen bekannt sind. Dann gibt es einen Risikozuschlag von bis zu 100 Prozent und kann Prämien verdoppeln. Teurer kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung auch werden, wenn der Arbeitnehmer einen besonders gefährlichen Beruf ausübt. Deshalb gilt: Je eher damit begonnen wird in eine Berufsunfähigkeitsversicherung einzuzahlen, umso geringer sind die monatlichen Prämien. Quelle: dpa
Irrtum 6: Für Wasserschäden haftet immer die HausratversicherungEine Hausratversicherung springt nur dann ein, wenn die Schäden durch Leitungswasser entstehen. Werden die Schäden etwa durch Starkregen oder Schnee verursacht, muss die Hausrat nicht zahlen. Es handelt sich dabei durch sogenannte Elementarschäden. Quelle: dpa
Irrtum 5: Kinder sind nur bis zum Schulende mitversichertNicht ganz. Das Schulende bedeutet nicht automatisch das Ende der Mitversicherung bei den Eltern. Es ist für eine Haftpflichtversicherung egal, ob das Kind - während Lehre oder Studium - bei den Eltern wohnt oder eine eigene Wohnung besitzt. Es ist allerdings wichtig, dass es sich um eine Erstausbildung handelt und zwischen den Ausbildungsabschnitten keine großen Unterbrechungen liegen. Ein Jahr wäre in Ordnung, erst wenn nach der Beendigung ein Beruf ausgeübt wird, entfällt die Mitversicherung. Ähnliches gilt für die Rechtsschutz-Versicherung bis zum 25. Lebensjahr. Quelle: dpa
Irrtum 4: Nach einem Unfall wird eine feste und vorher vereinbarte Summe ausgezahltNur, wenn der Unfall zu körperlichen Einschränkungen geführt hat, greift die Unfallversicherung. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass darüber vor Gericht häufig gestritten wird - denn es muss nicht alles, was wie ein Unfall aussieht, auch einer sein, zumindest nicht im Sinne der Versicherungsbedingungen. Quelle: dpa

Beim Kauf einer Versicherung sollen Kunden künftig EU-weit ein Standard-Informationsblatt über Risiken und Konditionen erhalten. Das Info-Blatt soll es Kunden leichter machen, Angebote zu vergleichen - ohne dass sie das Kleingedruckte lesen müssen. Für diesen besseren Verbraucherschutz hat sich das Europaparlament am Mittwoch in Straßburg ausgesprochen. Irreführende Werbeaussagen soll es nicht mehr geben. Versicherungen, die in Paketen verkauft werden, müssen gesondert erklärt werden und auch einzeln erhältlich sein.

Über diese Versicherungen informieren sich die Deutschen im Netz

Bis die Pläne Gesetz werden, dürfte es allerdings noch Monate dauern. Das EU-Parlament muss sich nun mit den EU-Staaten auf die Reform einigen, die Verhandlungen sollen im Herbst beginnen. Das Info-Blatt soll den Käufer in einfacher, klarer Sprache über Art und Umfang der Versicherungsleistung und die Laufzeiten informieren. Der Vermittler muss sich registrieren lassen und sollte mögliche Interessenkonflikte sowie Identität und Prämie offenlegen. Ein vollständiges Provisionsverbot fand aber keine Mehrheit. Die neuen Regeln vereinheitlichen die bestehenden Vorschriften in Europa. Sie seien „verbraucherfreundlich und sachgerecht“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Werner Langen.

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Hintergrund für die Gesetzesänderung ist die Finanzkrise, in der viele Verbraucher mit undurchsichtigen Finanzprodukten Geld verloren. Verbraucherschützer kritisieren immer wieder, dass Berater vielen Bank- und Versicherungskunden nicht die bestmöglichen Geldanlagen empfehlen, sondern Produkte verkaufen, die zu teuer und zu riskant sind oder zu wenig Rendite versprechen.

Die Gesetzesreform soll auch die Sanktionen, die nationale Aufseher verhängen können, EU-weit angleichen. Vermittler sollen es zudem leichter haben, in anderen EU-Ländern aktiv zu werden.

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