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Finanzmarkt So sichern Anleger ihr Depot gegen Kurseinbrüche

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Optionsscheine kombinieren

Absicherung eines Depots

Verkaufsoptionen (Put-Optionsscheine) gehen dagegen nicht k.o., sie können sich sogar nach starken Kursausschlägen problemlos erholen. Auch mit ihnen setzt der Anleger auf fallende Kurse, um sein Depot abzusichern. Fährt er drei Wochen in Urlaub, kann er sich jedoch sicher sein, dass er weiterhin abgesichert ist – anders beim Zertifikat, das seine Schwelle berührt.

Allerdings sind auch Puts mit Vorsicht zu handhaben. Selbst gestandenen Fondsmanagern fehlt manchmal das Spezialwissen. Die DWS hat deshalb ein eigenes Team von Derivate-Experten aufgebaut. „So können sich Fondsmanager auf die Aktienauswahl konzentrieren, während das Expertenteam beispielsweise das Marktrisiko absichert“, sagt Martin Schneider vom Derivateteam der DWS.

Anleger, die auf eigene Faust Optionsscheine zur Sicherung einsetzen, sollten „eine klare Vorstellung haben, in welche Richtung sich der Markt entwickelt“, sagt Jens Spaniol, Leiter des Optionsgeschäfts Privatkunden der Commerzbank. Und sie sollten die wichtigste Kennzahl von Optionen, das Delta, beachten. Es gibt an, wie sehr sich der Wert des Optionsscheins ändert, wenn sich der zugrunde liegende Basiswert, zum Beispiel der Dax, bewegt. Die Skala reicht dabei von null bis eins. Hat ein Put ein Delta von 0,5, so steigt er halb so stark wie der Basiswert.

Absicherung: In vielen Fällen reichen Puts

Das Absicherungsinstrument sollte dem eigenen Depot möglichst nahe kommen. Im Fachjargon ist vom Beta-Hedge die Rede. Um einem typischen Portfolio annähernd gerecht zu werden, reichen in vielen Fällen Puts auf einen oder mehrere Indizes. „Eine Absicherung mit Optionen lohnt sich erst ab einem Depotwert von 20.000 bis 25.000 Euro“, empfiehlt Spaniol. Denn die Optionsscheine sind teuer. Je mehr die Kurse schwanken, umso teurer. Die Schwankungsbreite des Dax lässt sich am V-Dax ablesen. Sie war Anfang Mai nach dem Blitzcrash besonders hoch und die Puts teuer (siehe Tabelle).

Anleger sollten deshalb nicht das Depot zu 100 Prozent absichern, sondern sich die Frage stellen, wie viel Verlust sie bereit sind, in Kauf zu nehmen. Wer zum Beispiel 100 Adidas-Aktien bis nächstes Jahr sichern will, die derzeit bei knapp 42 Euro notieren, zahlt für einen Put mit dem Sicherheitslevel (Basispreis) von 35 Euro stolze 139 Euro – 3,3 Prozent der Anlagesumme. Wer, noch vorsichtiger, die Aktien bei 40 Euro absichern will, zahlt 244 Euro, gleich 5,8 Prozent.

Es macht sich also stark bemerkbar welches Level der Anleger wählt. Spaniol empfiehlt Puts „im Geld“, deren zugrunde liegender Wert also nahe des Basispreises liegt. Damit der Handel auch liquide ist, rät er dazu, nur Puts zu kaufen, deren Restlaufzeit nicht mehr als sechs Monate beträgt. „Klassische Puts lohnen sich im Regelfall nur über kürzere Zeiträume“, bestätigt Stratege Ziegler. Zusätzlich zu etwa drei Monaten, die sie gehalten werden, sollten Anleger drei Monate Puffer einbauen. Denn je näher ein Put seinem Verfallsdatum kommt, desto mehr verliert er an Wert. Mit dem Puffer ist diesem Zeitwertverlust ein kleines Schnippchen zu schlagen.

Für allzu große Pessimisten sind Puts, Zertifikate oder Stop-Loss-Limits jedoch nichts. „Wer mit langfristig fallenden Kursen rechnet, sollte lieber die Aktienquote reduzieren und auf defensive Werte setzen, als Optionen oder Zertifikate zur Absicherung zu kaufen“, rät Ziegler. 

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