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Flexi-Rente So rechnet sich der flexible Einstieg in den Ruhestand

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Beispielrechnung und Rendite von Nachzahlungen

Ob sich zusätzliche Einzahlungen lohnen, ist jedoch stark vom Einzelfall und den individuellen Ansprüchen abhängig. Außerdem ist für die Rendite der Einzahlungen entscheidend, wie lange jemand lebt und Rente bezieht. Dazu ein reales Beispiel:

Regula Bernhard* ist gut verdienende Akademikerin und weiß seit kurzem, dass ihre Dienste in drei Jahren – sie wird dann 60 Jahre alt sein – nicht mehr benötigt werden. Einen neuen Job wird sie kaum finden und deshalb bis zum frühestmöglichen Renteneintritt Arbeitslosengeld beziehen. Eigentlich käme sie erst mit 66 Jahren und zwei Monaten in den Genuss der Regelrente. Nun muss sie 2022 mit 63 Jahren in die Frührente.

Rentenprognosen für 2040

Um die hohen Abschläge von 11,4 Prozent – in ihrem Fall wegen des guten Einkommens mehr als 230 Euro, die im Vergleich zur monatlichen Regelaltersrente fehlen - zu kompensieren, hat sie von der Deutschen Rentenversicherung ausrechnen lassen, wie viel sie freiwillig in die Rentenkasse einzahlen müsste: rund 58.500 Euro. Damit käme sie dann auf gut 67 Entgeltpunkte, von denen jeder aktuell 30,45 Euro monatlicher Rente in den alten Bundesländern entspricht. Ziel ist also eine Monatsrente von 2041 Euro.

Ob sich der teure Rückkauf von Abschlägen lohnt, hängt zunächst von der Lebensdauer beziehungsweise der Rentenbezugszeit ab. Laut Sterbetafel bleiben Frau Bernhard nach Beginn der Frührente noch 23,5 Jahre. Die Rendite auf die hohe Nachzahlung hängt nun aber auch davon ab, wie die Renten künftig – relativ zur Lohnentwicklung - angepasst werden. Dabei würde Frau Bernhard sogar von Rentenerhöhungen während der Wartezeit bis zum Rentenbeginn und während des Rentenbezugs profitieren, insgesamt also über einen Zeitraum von fast 30 Jahren.

Mehr als zwei Prozent Rendite

Finanzmathematiker Siepe hat nachgerechnet: Gibt es künftig nur noch Nullrunden für die Rentner, läge die Rendite für Frau Bernhard bei knapp einem Prozent. Eine jährliche Rentensteigerung von einem Prozent unterstellt, ergibt sich bereits eine Rendite von dann 2,3 Prozent. Bei Rentenerhöhungen von jährlich zwei Prozent läge die Rendite sogar bei stolzen 3,7 Prozent. „Eine Rendite von 2,3 Prozent halte ich für realistisch, 3,7 Prozent sind hingegen optimistisch“, sagt Siepe. Eine Rendite von nur einem Prozent sei hingegen realitätsfern, weil es dann keine Rentenerhöhung während der kommenden 30 Jahre geben dürfte. Im Vergleich zu risikolosen festverzinslichen Geldanlagen sind aber mehr als zwei Prozent Rendite aus der gesetzlichen Rentenversicherung in den meisten Fällen ein sehr gutes Ergebnis.

„Wer Rentenabschläge ausgleichen will, muss dies allerdings nicht auf einmal und komplett tun, sondern kann auch Teile zahlen oder seinen Einzahlbetrag stückeln“, erklärt Martina Herbrich, Präsidentin des Bundesverbands der Rentenberater. „Gut ist, dass die Arbeitnehmer nun fünf Jahre mehr Zeit bekommen sollen, sich darum zu kümmern.“ Eine Verteilung der Ausgleichszahlung über mehrere Jahre kann sogar aus steuerlichen Gründen vorteilhaft sein, weil Steuerfreibeträge so mehrfach ausgeschöpft werden können.

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