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Flexi-Rente Warum die Flexi-Rente ein Schuss ins Blaue ist

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Weg vom Minijob für Rentner

Für Teilrentner mit vollen Rentenbezügen sind damit faktisch nur Minijobs möglich. Da der vorzeitige Rentenbeginn ohnehin mit Rentenabzügen verbunden ist – nämlich 0,3 Prozent pro Monat vorzeitigen Rentenbeginns, also 7,2 Prozent für einen um zwei Jahre vorgezogenen Rentenbeginn –, ist diese Hinzuverdienstgrenze für viele potenzielle Teilrentner witzlos. Deswegen haben im vergangenen Jahr von 800.000 Neurentnern auch nur 2000 das Modell einer Teilrente gewählt.

Abschaffung der Stufen beim Hinzuverdienst

Da bei vielen Arbeitnehmern im Rentenalter aber der Arbeitswille durchaus vorhanden ist und die Unternehmen einen Fachkräftemangel beklagen, hat die Regierung nun beschlossen, die starren Hinzuverdienst-Stufen abzuschaffen und das System flexibler zu gestalten, um die Teilrente für Arbeitnehmer attraktiver zu machen.

Die 10 schlimmsten Fehler bei der Vorsorge
Schlecht informiertDie Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden. Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB Quelle: Fotolia
Lückenhafte VorsorgeOft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören: 1) individuelle Vorsorgevollmacht 2) Patientenverfügung 3) Klärung der Finanzen im Pflegefall 4) Testament Quelle: Fotolia
Die falschen Berater„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren. Quelle: Fotolia
Vorsorge ist nicht gleich VorsorgeJeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler. Quelle: Fotolia
Schwarze Schafe Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.
Informiert ins GesprächWer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen. Quelle: Fotolia
Vorsorge-FlickenteppichBeraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist. Quelle: Fotolia

Der Plan für die Flexi-Rente sieht vor, bei einem vollen Teilrentner alle Gehälter oberhalb der 450-Euro-Minijob-Grenze nur noch zu 40 Prozent auf die Rente anzurechnen und um diesen Betrag die Rentenbezüge zu kürzen. Zudem ist der rentenneutrale Hinzuverdienst nach oben gedeckelt. Wer mehr als sein früheres Bruttoeinkommen neben der Rente verdient, muss dies voll auf die Rente anrechnen lassen.

Anders gesagt: ab dem 451. Euro pro Monat bleiben von jedem Euro Extraverdienst 60 Cent beim Teilrentner – der darauf allerdings auch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlt. Wer etwa 2000 Euro im Jahr hinzu verdient, hat nach einem Jahr seine Rente um rund 20 Euro im Monat erhöht. Wann die Rentenerhöhung dann tatsächlich erfolgt, – schon während der Teilrente oder erst zum vollständigen Renteneintritt - ist allerdings noch unklar.

Altersvorsorge: So viel Rente darf der Standardrentner erwarten

Anke Voss, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater, dessen Mitglieder wie freiberufliche Steuerberater unabhängig von Versicherungsträgern und Behörden in Rentenfragen helfen, sieht im Flexi-Renten-Entwurf dennoch einen Schritt in die richtige Richtung. „Eine Neuregelung der Hinzuverdienstgrenzen war dringend notwendig. Das ist der richtige Weg, allerdings ist die reformierte Teilrente so noch immer zu starr“, sagt Voss.

So hat sich der Gewerkschaftsvorschlag, die Rente bereits ab 60 zu ermöglichen, nicht durchgesetzt. Zudem ist die getroffene Regelung recht bürokratisch. „Die Anrechnung von 40 Prozent der Zusatzeinkommen auf die gesetzliche Rente ist für die Rentenversicherungsträger sehr aufwändig.“

Ob die Neuregelung also dazu führt, dass es mehr Teilrentner gibt, die ihre langjährige Erfahrung in Unternehmen durch eine Teilzeittätigkeit weiter einbringen, steht in den Sternen. Sicher ist lediglich, dass es ohne deutlich mehr Bürokratie nicht gehen wird.

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