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Früher in Ruhestand So schaffen Sie die Rente mit 60

Wer schon mit 60 Jahren in Rente gehen will, muss fleißig sparen. Quelle: Getty Images

Die große Koalition plant eine Reform, um das Rentenniveau zu sichern. Trotzdem wird es für den bequemen Ruhestand nicht reichen, schon gar nicht für Frührentner. Was Berufstätige tun müssen, um trotzdem schon mit 60 in Rente zu gehen.

Der neue Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) plant die Quadratur des Kreises: Beseelt von der Sorge um künftige Rentnergenerationen, insbesondere der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge, die ab 2025 nach und nach in den Ruhestand wechseln, will er die Rente stabiler und sogar besser machen. Das Rentenniveau von derzeit 48,1 Prozent - gemessen am Durchschnittseinkommen nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge - soll stabil bleiben, die Rentenversicherungsbeiträge aber auch nicht über 20 Prozent steigen. Und trotzdem soll das Geld für Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente und eine erweiterte Mütterrente reichen. Außerdem schwebt ihm eine Grundrente für langjährige Geringverdiener vor. Kurz: Die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung sollen kräftig zulegen, aber sonst soll sich wenig ändern.

Am 6. Juni soll deshalb zum ersten Mal eine neue Rentenkommission tagen, die mit Politikern der Koalitionsparteien, Gewerkschaftlern, Vertretern der Sozialverbände und Wissenschaftlern besetzt ist und erörtern soll, wie dieses Wunder zu vollbringen sei. Und aller Voraussicht nach wird es um die drei wesentlichen Stellschrauben bei der Rente gehen: höhere Rentenbeiträge, höhere Steuerzuschüsse und ein höheres Renteneintrittsalter. Jede dieser Maßnahmen würde die Beitragszahler belasten, um die Ruheständler besser zu versorgen.

Der Wissenschaftler Axel Börsch-Supan, der ebenfalls in die Kommission berufen wurde, spricht bereits von einer Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre bis 2030 und auf 71 Jahre bis 2045. Für die Mehrheit der Erwerbstätigen dürfte dies einer Rentenkürzung im Ruhestand gleich kommen. Denn faktisch will oder kann ein Großteil der Arbeitnehmer nicht solange arbeiten. Nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung gingen im Jahr 2015 in Deutschland 850.000 Menschen in den Ruhestand, im Durchschnitt waren sie dabei 64 Jahre alt. Damit waren sie zwar schon etwas älter als der Durchschnittsrentner in früheren Jahren, doch für eine reguläre Rente müssen Arbeitnehmer ab dem Geburtsjahrgang 1964 ohnehin bis zum 67. Geburtstag durchhalten. Wer früher in den Ruhestand wechselt, muss Abzüge hinnehmen.

Kaum ein Rentenversicherungspflichtiger arbeitet also bis zum regulären Rentenalter und die Mehrheit will das auch gar nicht. Umfragen haben gezeigt, dass die meisten einen Renteneintritt zwischen 55 und 64 Jahren bevorzugen würden – vor allem, wenn sie keine finanziellen Einbußen befürchten müssten.

Für die meisten Frührentner ist diese Vorstellung jedoch utopisch: Ohne Abstriche wird es nicht gehen, wenn nicht anderweitig Vermögen oder Ersparnisse vorhanden sind. Wer also vorzeitig in Rente gehen will, muss das frühzeitig planen und vorbereiten.

Wie groß sind also die Einbußen bei vorzeitigem Renteneintritt und wie lässt sich die Einkommenslücke beim Übergang in den Ruhestand schließen oder zumindest sinnvoll verringern? Zunächst stellt sich die Frage nach den Einkommenseinbußen und dem Rentenbedarf im Alter, also nach der sogenannten Rentenlücke. Dabei gilt es, den Anspruch auf eine gesetzliche Rente zu prüfen und soweit möglich die Rentenhöhe zu prognostizieren. Die Rente mit 67 soll bis 2030 schrittweise eingeführt werden. Bis dahin muss jeder neue Rentenjahrgang einen Monat länger arbeiten, um die Altersgrenze für die sogenannte Regelrente zu erreichen. 2017 etwa konnte der Geburtsjahrgang 1952 im Alter von 65 Jahren und sechs Monaten in Rente gehen. Wer erst 2030 in Rente geht, hat erst mit dem 67. Geburtstag Anspruch auf eine volle Rente. Einzige Ausnahme: Wer 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, kann schon mit 63 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen. Auch dieses Wahlgeschenk der vorangegangenen Legislaturperiode hat die Rentenkasse belastet.

Weniger Rente, dafür längere Bezugsdauer

Wegen der gestiegenen Lebenserwartung genießen die neuen Rentner ihren Ruhestand allerdings auch länger als je zuvor – zumindest statistisch. Wer also vorzeitig in Rente gehen will, braucht ein sattes Polster. Das Problem: Er hat weniger Zeit zum Sparen, muss nach Beginn des vorzeitigen Ruhestands aber sehr viel länger mit den Ersparnissen auskommen, sofern er über keine anderen Einkommensquellen verfügt. Spielen wir es für ein Rente mit 60 Jahren einmal durch.

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