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Gbureks Geld-Geklimper

Das verlorene Riester-Jahrzehnt

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Das neue Anlegerschutzgesetz soll die Altersvorsorge transparent und gerecht machen. Das Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt.

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Zahlenspiele Quelle: dpa/dpaweb

Die Riester-Rente war noch kein Jahrzehnt alt, da behauptete Ende 2009 Gerd Billen, Deutschlands Verbraucherschützer Nummer eins, die Suche nach dem richtigen Riester-Vertrag gleiche einer Lotterie. Leider hat der Mann recht. Denn im Hinblick auf ihr Ziel, die Altersvorsorge, hat die nach dem ehemaligen Arbeitsminister benannte, viel zu komplizierte Fehlkonstruktion dank staatlicher Subvention vor allem die Kassen ihrer Anbieter und Verkäufer gefüllt und diesen als Türöffner für Verkaufsgespräche über Versicherungspolicen, Fonds, Banksparverträge und weitere Finanzprodukte gedient.

Damit soll im nächsten Jahr Schluss sein. Jedenfalls, wenn es nach dem Entwurf zum neuen Anlegerschutzgesetz geht. Einer der Kernpunkte darin: mehr Transparenz. Das heißt doch wohl, dass der Staat bisher mit Steuergeschenken das Gegenteil von Transparenz gefördert hat: Undurchsichtige Konstrukte, mit deren Hilfe sich zunächst die Anbieter bereichert haben. Was für die späteren Rentner übrig bleibt, steht in den Sternen. Das umso mehr, weil vor allem im Krisenjahr 2009 so mancher Anbieter die Unzufriedenheit vieler Kunden mit Riester-Verträgen von Konkurrenten genutzt hat, um diesen Kunden im Tausch die Altersvorsorge-Produkte des eigenen Hauses anzudrehen.

Gutmenschen ohne Chance gegen Finanzlobby

Mehr Transparenz soll nun auf der Grundlage eines Gutachtens des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) geschaffen werden. Ein löbliches Vorhaben – wenn, ja wenn sich alles so durchsetzen ließe, wie es vernünftig erscheint oder wie es die Riester-Rente wenigstens endlich zu einer Altersvorsorge werden lässt, die diesen Namen wirklich verdient. An der Durchsetzbarkeit ist indes zu zweifeln, weil weder Verbraucherschützer Billen noch seine Mitstreiter aus den Verbraucherzentralen oder andere Gutmenschen in der Lage sein dürften, der Lobby der Finanzalchemisten etwas entgegenzusetzen, was das kommende Anlegerschutzgesetz zum großen Wurf machen könnte.

So ist zum Beispiel eine zusammenfassende Kennzahl vorgesehen, aus der die Renditeminderung in der Ansparphase hervorgehen soll. Da werden sogar gewieften Finanzmathematikern die Köpfe rauchen, sobald sie darangehen sollen, diese Vorgabe zu konkretisieren: Welche Rendite? Minderung wovon? Lässt sich die Ansparphase eines Versicherungsprodukts mit der eines Fonds oder gar mit der eines Banksparplans überhaupt vergleichen? Und was alles soll in der Kennzahl zusammengefasst werden? Was zunächst vernünftig weil einfach – erscheint, weil es nur durch eine einzige Kennzahl zum Ausdruck kommen soll, ist nicht realisierbar. Die Lobby der Finanzbranche wird sich nicht entgehen lassen, das alles bis ins letzte Detail zu zerpflücken.

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