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Gbureks Geld-Geklimper

Dreierpack für die private Altersvorsorge

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Bundesbank rüffelt die Finanzbranche – eine Anregung, weit jenseits von deren Angeboten fürs Alter vorzusorgen.

3:0 für das Dreierpack aus Quelle: dapd

In ihrem Januar-Monatsbericht widmet die Bundesbank über 13 Seiten dem Thema „Anlegerverhalten in Theorie und Praxis“. Sie beklagt „eine kaum zu überschauende Zahl innovativer, aber oft sehr komplexer Finanzprodukte“, kritisiert, die oft entscheidende Rolle von Kostenstrukturen finde zu wenig Beachtung, sie versucht das Herdenverhalten von Anlegern durch Informationskaskaden und Reputationsverhalten zu erklären, findet „die exzessive Handelstätigkeit vieler Anleger“ gar nicht gut und lobt eine EU-Studie, wonach „Anleger von vereinfachten und standardisierten Produktinformationen profitieren“.

Kurzum, die Bundesbanker schießen eine Breitseite ab gegen Zertifikate und gemanagte Fonds, gegen die von der Finanzbranche gern praktizierte Verführung von Anlegern zum Mitlaufen in der Herde, gegen das Trading, das allzu oft in den finanziellen Ruin führt, und gegen die Verhinderung von mehr Transparenz, was eine Unart der Finanzlobby ist, die den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum kommenden Anlegerschutzgesetz am liebsten wieder in der Versenkung verschwinden ließe.

Eine Lebensaufgabe

Die Breitseite trifft – von den Bundesbankern nicht extra erwähnt – ohne Zweifel auch Finanzprodukte, die speziell für die Altersvorsorge geschaffen wurden, wie die verschiedenen Ansparprogramme zur Riester-Rente, oder die von der Verkaufsmaschinerie der Banken, Sparkassen, Versicherer und Finanzvertriebe für ein vermeintlich sorgloses Leben im Alter konstruiert wurden, wie Kapital- und Fondspolicen. Denn was mangelnde Transparenz betrifft, übertreffen solche Produkte noch die komplexen Zertifikate und die gemanagten Fonds.

Die finanzielle Vorsorge fürs Alter ist viel zu wichtig, als dass man sie dem überforderten Gesetzgeber und der primär auf den eigenen Vorteil bedachten Finanzbranche überlassen sollte. Sie ist eine Lebensaufgabe, mit der man so früh wie möglich beginnen muss, um nicht nur das Geld, sondern auch die Zeit für sich arbeiten zu lassen. Was ein Schlaglicht auf Anlagen wirft, die sich bisher als langfristig rentabel oder – was auf dasselbe hinausläuft – als Kaufkraft erhaltend bzw. inflationsgeschützt erwiesen haben: ein Depot aus ertrags- und substanzstarken Aktien, eine selbst genutzte Immobilie in attraktiver Lage und als ultimative Sicherheit Goldbarren und -münzen, das Ganze so geschickt wie möglich getimt und gemischt, denn diese drei Anlagegruppen unterliegen marktbedingten Schwankungen.

Die Mischung der Deutschen stimmt nicht

Die Realität ist von dem Dreierpack noch weit entfernt: Aus dem zitierten Bundesbank-Bericht geht hervor, dass private deutsche Anleger erst 3,9 Prozent ihres Vermögens in Aktien halten. Nicht einmal die Hälfte der Bundesbürger lebt in den eigenen vier Wänden. Der private Goldbesitz der Deutschen ist nach einschlägigen Schätzungen so gering, dass er statistisch vernachlässigt werden kann. Die Mischung fürs Alter stimmt also in der Realität überhaupt nicht, und von Timing kann erst gar nicht die Rede sein.

Manfred Gburek

Die Vertreter der These, dass gute Aktien langfristig besser abschneiden als die meisten anderen Anlagen und bei entsprechender Streuung das Risiko mindern, haben irgendwann im 19. Jahrhundert Aktienfonds zu konzipieren begonnen. Doch wie wir heute wissen, ist deren nachhaltiger Erfolg über die ganze Breite ausgeblieben. Insofern ist die Kritik der Bundesbanker gerechtfertigt, wonach zumindest gemanagte Aktienfonds nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen, weil sie zu hohe Kosten verursachen. Das Fazit daraus für Anleger: Sie müssen sich unter großem Aufwand – anders geht es nicht – selbst um ihr Aktiendepot kümmern.

Immobilien im Alter, Gold für die Rente

Das gilt analog auch für die eigene Immobilie, für die man so viel Geld wie möglich anspart, zumal die Finanzierung mittels Baudarlehen steuerlich uninteressant ist, und in die man eines Tages einzieht,  um sie möglichst bis ins hohe Alter zu bewohnen. Dann kommt es nicht mehr auf den üblichen Schöner-Wohnen-Schnickschnack an, sondern auf harte Fakten. Denn wie aus einer aktuellen Studie von TNS Emnid hervorgeht, halten 95 bzw. 94 Prozent der älteren Deutschen – auf Basis einer Umfrage vom Dezember 2010 und Januar 2011 bei 1100 Personen im Alter ab 50 Jahren – die Möglichkeit, Hilfe und Pflege zu Hause zu bekommen, die gute Erreichbarkeit von Geschäften, Ärzten und öffentlichen Verkehrsmitteln für wichtig oder sehr wichtig. Gleich dahinter (85 bis 81 Prozent der Befragten) kommen altersgerechte Techniken und Barrierefreiheit. In Anbetracht der demografischen Entwicklung bedeutet das: Wer mit einer Immobilie fürs Alter vorsorgt, muss diese Faktoren unbedingt beachten.

Von der Idee, Goldbarren und -münzen in die Altersvorsorge einzubeziehen, war aus den gängigen Medien erst im vergangenen Jahr zum ersten Mal zu erfahren. Bis dahin galt – und gilt in einschlägigen Kreisen nach wie vor - die abgedroschene These: Gold bringt keine Zinsen. Dass es, wie allein schon seinem nachhaltigen Preisanstieg seit fast zehn Jahren zu entnehmen ist, in Zukunft eine Rolle weit jenseits der Spekulation spielen dürfte, wird dabei ignoriert. Eigentlich müssten die Gold-Ignoranten sich längst fragen, warum der Goldpreis schon ein Jahrzehnt lang gestiegen ist, obwohl das Edelmetall keine Zinsen bringt. Die plausibelste Antwort lautet: Weil das kommende Weltwährungssystem, in dem der Dollar weniger, der Euro und der Yuan mehr Gewicht erhalten werden, ohne Gold als fester Anker kaum eine Chance hätte.

Starkes Dreierpack

Fazit: Mit Aktien, Immobilien und Gold zur Altersvorsorge umzugehen, die richtige Mischung und das optimale Timing zu finden, ist wahrlich eine Herkulesaufgabe. Doch sie muss in der einen oder anderen Form, individuell auf die persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet, gemeistert werden. Die von der Finanzbranche angebotenen Alternativen mögen auf dem Papier verlockend erscheinen, am Ende werden sie dem Dreierpack nicht Paroli bieten können.

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