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Gbureks Geld-Geklimper

Inflationsschutz zwischen Spekulation und Illusion

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Manfred Gburek

Bei allem Respekt vor dem Makler von Wangenheim: Die Käufer von Edelimmobilien in der Bayernmetropole mögen ihm den Atem rauben, bundesweit ist dagegen – bis auf die genannten anderen Metropolen - eine allgemeine Immobilien-Euphorie von der Art wie in den USA bis 2007 längst noch nichts zu spüren. Das wird erst der Fall sein, wenn neben der Mehrzahl der Makler auch Banken und Sparkassen in der ganzen Republik mit dem unsinnigen Argument kommen, Immobilien taugten generell statt nur punktuell als Schutz vor Inflation. Das deutet sich erst zaghaft an. Doch sobald das Argument seine Kreise ziehen wird, dürften die Institute zum Großangriff auf ihre Kunden starten: Um ihnen die dann immer teurer werdenden Baukredite mit im Vergleich zu heute viel höheren Gewinnmargen zu verkaufen und um endlich ihre Immobilien-Ladenhüter mit hohen Courtagen loszuwerden.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Gold, Immobilien oder sonst was vor Inflation schützen, sondern ob Anleger es schaffen, die Preisbewegungen nach oben spekulativ durch vorzeitige Käufe zu nutzen und später in der Nähe des Preisgipfels wieder auszusteigen. Der Goldpreis befindet sich immer noch in einem Mega-Aufwärtstrend, während die Preise deutscher Wohnimmobilien am Beginn eines stark differenzierten zyklischen Aufschwungs stehen, was zum Teil auch auf Gewerbeimmobilien zutrifft.

Angst vor Staatsschulden

Warum der Goldpreis schon seit zehn Jahren aufwärts strebt, lässt sich damit erklären, dass immer dann, wenn den Anlegern ein Argument pro Gold auszugehen drohte, ein anderes hinzukam. Erst war es die Begrenzung der Zentralbankverkäufe, die dem Preis des Edelmetalls auf die Sprünge half, dann reichte das Minenangebot nicht mehr aus, um die Nachfrage zu befriedigen, weil die Minen nicht genug in die Erschließung neuer Vorkommen investiert hatten, und mit der Ausbreitung börsengehandelter Goldfonds entstand danach eine regelrechte neue Nachfragemacht. Heute treibt vor allem die Angst der Anleger vor unbezahlbaren Staatsschulden und damit einhergehendem Währungsverfall den Goldpreis nach oben.

Gold und Silber noch nicht ausgereizt

Verfall der Währungen, das bedeutet: aktuell und potenziell sinkende Kaufkraft, aktuell in Bezug auf die nach oben geschossenen Rohstoffpreise, potenziell auch wegen hoher  Rohstoffpreise, aber zusätzlich wegen überbordender Geldmengen und weiterer Einflüsse, die in Zukunft zu kräftig steigenden Lebenshaltungskosten führen werden. Insofern ist der Goldpreis - und mit ihm der Silberpreis - noch nicht ausgereizt. Bei diesem Gedanken handelt es sich um eine Spekulation auf die nächsten Monate und gegebenenfalls Jahre; das mag man dann auch Inflationsschutz nennen. Was schließlich Immobilien betrifft, geht es noch viel mehr um Spekulation statt um Inflationsschutz, weil diese Anlagekategorie so heterogen ist wie keine andere und deshalb vor dem Kauf einen größeren Wagemut erfordert als das – jedenfalls in Metallform - quasi monogene Gold.  Anleger sollten sich dessen unbedingt bewusst ein, bevor sie auch nur einen Euro in Immobilien investieren.

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