Geld ohne Arbeit Nie mehr arbeiten: Traum oder Albtraum?

Als Privatier nie mehr arbeiten. Quelle: Getty Images

Den Job hinzuschmeißen und stattdessen nur noch zu machen, was Spaß bringt, ist für viele ein Traum. Doch wer sich unüberlegt frühzeitig aus dem Job verabschiedet, kann böse Überraschungen erleben. Nicht nur finanziell.

Peter Ranning hat es geschafft. Seit sechs Jahren ist der 62-Jährige nicht mehr berufstätig, sondern lebt in erster Linie von seinen Kapitaleinkünften. Der ehemalige Ingenieur der Elektrotechnik ist Privatier und freut sich über die neu gewonnene Zeit. „Meine Frau und ich genießen es, dann, wenn andere keine Zeit haben, ins Schwimmbad gehen, einen Spaziergang machen oder mittags in einem nicht überfüllten Restaurant essen zu können.“  Den Schritt ins Privatiersleben würde er wieder gehen, erzählt er. „Rückblickend hätte ich ihn sogar schon vorher machen sollen.“

Privatiers wie Ranning haben den Luxus, früher als andere frei über ihre Zeit verfügen zu können. Doch was klingt wie eine Verheißung, kann auch zur Belastung werden, weiß Michael Huber. Er ist Vermögensverwalter  und  Mitglied der Geschäftsleitung beim VZ Vermögenszentrum aus München. Huber kann von Kunden berichten, die den Schritt in den Frühruhestand zwar geschafft, ihn dann aber schwer bereut haben „Vielen fehlt der strukturierte Tagesablauf, der soziale Austausch im Erwerbsleben.“ Und: „Meist lässt sich das dann nicht mehr zurückdrehen.“

Huber rät dazu, genau zu planen, wie der Tagesablauf als Privatier aussehen soll, damit die neue Freiheit nicht schnell zu einer herben Enttäuschung wird.

Auch Privatier Ranning hat sich mit diesen Fragen auseinander gesetzt. „Gerade Männer in gehobenen Positionen neigen sehr häufig dazu, ihren ganzen Lebensinhalt über ihren Beruf zu definieren“, sagt er.  „Für einen Privatier fällt das alles schlagartig weg.“ Wer sich darauf nicht vorbereite oder sich nicht vorbereiten könne, etwa durch einen vom Arbeitgeber erzwungenen Vorruhestand, falle unter Umständen psychisch in ein tiefes Loch.

Ranning rät Menschen, die es ihm gleich tun wollen, daher, genau abzuwägen. „Ich empfinde es als geradezu paradox, wenn jemand sich freie Zeit verschafft, indem er Privatier wird, nur um sich dann anschließend einen Zeitvertreib zu suchen.“ Idealerweise solle es umgekehrt sein:  „ Man sollte während seines Berufslebens einen Wunsch verspüren, seine Zeit mit Dingen zu verbringen, die einem wichtig sind.“ Erst wenn der Beruf dafür keinen Raum lasse, sei auch der Schritt ins Privatiersdasein eine Überlegung wert.

Ranning selbst nutzt seine freie Zeit nun für seine Hobbys, geht ins Theater, liest Bücher und schreibt über sein Leben als Privatier auf seinem Blog „der-privatier“. „Ich bin sehr vielseitig interessiert“, erklärt er, „und könnte 48 Stunden am Tag gebrauchen.“

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