WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Geldanlage Analysten taugen kaum als Tippgeber

Seite 2/2

Nicht immer hilfreich

Trotz ihres enormen Research-Apparats mit jeweils Hunderten von Analysten sind es nicht Großbanken wie UBS, Deutsche Bank, Citigroup oder Merrill Lynch, die die besten Ergebnisse liefern. Kleinere Institute schätzen Aktien meist besser ein. Besonders oft recht behielten die Analysten der BHF-Bank, von CAI Cheuvreux sowie der kleinen Investmentbank Equinet.

BHF-Analyst Jens Jung etwa lag mit seinen Kaufempfehlungen für Roth & Rau sowie für Manz Automation goldrichtig. Die beiden Spezialmaschinenbauer profitieren als Zulieferer vom Solarboom. Die Konkurrenz in den Großbanken gab zwar fleißig Kaufempfehlungen für Anlegerlieblinge der Sonnenzunft wie Q-Cells oder Conergy. Lange Zeit aber war Jung der Einzige, dem auffiel, dass die erfolgreichen Solarzellenhersteller auch Zulieferer haben mussten, deren Auftragsbücher gut gefüllt waren. Die Großbanken zogen meist zögerlich nach; die Commerzbank etwa sprang bei Manz erst viel später auf den Zug und empfahl die Aktie.

Ungewöhnlich am BHF-Interesse an Manz und Roth & Rau ist auch, dass die Bank keines der beiden Unternehmen an die Börse brachte. Meist gibt es Studien zu kleinen Aktien nur von ihren Konsortialbanken; diese verpflichten sich bei der Bewerbung um das lukrative IPO-Mandat oft, die Aktie noch einige Jahre mit (meist positiven) Studien zu begleiten. Das Research der BHF zu Manz und Roth & Rau sei aber „aus reinem Eigeninteresse an der lukrativen Story der Solar-Zulieferer“ aufgenommen worden, sagt Jung. Gerade bei kleinen Werten ist das inzwischen selten. „Nebenwerte zu analysieren lohnt sich für die Banken kaum, die daraus erwachsenden Provisionen sind zu niedrig“, sagt der Leiter Research einer Frankfurter Bank. Das alternative Geschäftsmodell – die Unternehmen zahlen für Research – wiederum birgt die Gefahr von Interessenkonflikten.

Dass Analysten insgesamt weit mehr Aktien zum Kauf empfehlen als zum Verkauf, darf niemanden wundern. „Sell“-Empfehlungen sind bei den betroffenen Unternehmen – oft Kunden derselben Bank – und den Beratern am Schalter unpopulär. Bei einigen Aktien, etwa Allianz oder Air Berlin, fand sich über 18 Monate unter mehr als einem Dutzend Analysten oft nur ein einziger, der die Aktie auf Verkaufen stellte, obwohl deren Kursverlauf zu wünschen übrig ließ. Aktuell am häufigsten empfehlen die Analysten aus allen Banken Continental, Adidas und Bayer; zum Verkauf raten sie Anlegern bei Conergy und VW.

Aber auch der Mut zur „Sell“-Empfehlung ist bei einigen Banken deutlich stärker ausgeprägt als bei anderen. Im Durchschnitt liegt das Verhältnis von Kauf- zu Verkaufsempfehlungen bei etwa 5:1. Die Deutsche Bank empfiehlt 7,5-mal mehr Aktien zum Kauf als zum Verkauf, von Merrill Lynch liefen pro Verkaufsempfehlung gar 9,4 Kauf-Voten über die Ticker.

Am mutigsten sind die Analysten von CAI Cheuvreux: Nur 26-mal rieten die Franzosen in 18 Monaten zum Kauf, aber 43-mal zum Verkauf. Ein möglicher Grund: Die Analysten arbeiten in einer von der Mutter Crédit Agricole unabhängigen Geschäftseinheit. „Zum Teil liegt es aber auch daran, dass Nebenwerte bei uns ein Schwerpunkt sind, und die mussten wir nach sechs Jahren Hausse oft rigoros herunterstufen, um unsere Kunden vor Kursverlusten zu bewahren“, sagt CAI-Analyst Bernd Laux.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%