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Geldanlage Gold schlägt Euro

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US-Realzins und Goldpreis entwickeln sich gegenläufig

Aktien bringen Dividenden, Anleihen bringen Zinsen, Immobilien bringen Mieteinnahmen – Gold glänzt nur. Das ist das Totschlagargument gegen eine Anlage in Gold. Doch der Zinsverzicht fällt Goldbesitzern derzeit nicht besonders schwer. In nahezu allen westlichen Industrieländern und in den meisten Schwellenländern liegen die Leitzinsen und Zinssätze für Bankeinlagen unter den Inflationsraten. Bei den daraus resultierenden negativen Realzinsen erleiden Sparer Vermögensverluste. Am besten entwickelte sich der Goldpreis bisher immer in Phasen geringer oder negativer Realverzinsung (siehe Chart).

Jeder Anleger weiß: Je mehr Rendite ihm ein Zinsinvestment bringt, desto höher ist das Risiko. Der Zins entschädigt ihn dafür, dass der Schuldner im schlimmsten Fall weder Zinsen überweist noch das investierte Geld zurückzahlt.

Gold bringt keine Zinsen

Hinter Gold aber steht kein Schuldner, der pleitegehen könnte. Es gibt kein Ausfallrisiko, für das der Anleger über Zinsen entschädigt werden müsste. Gewiss, der Preis kann fallen. Aber dieses Risiko besteht für alle Anlageklassen.

US-Notenbankchef Ben Bernanke will die Zinsen in den USA auch weiterhin auf dem aktuell niedrigen Niveau belassen, weil die Erholung der US-Wirtschaft „frustrierend langsam“ voranschreite. Das Ende Juni auslaufende Programm zum Ankauf von US-Staatsanleihen durch die Notenbank bedeutet nicht das Ende des billigen Geldes. Bernanke steckt in einem Dilemma, weil eine Erholung weder am Immobilienmarkt noch am Arbeitsmarkt und bei den Privathaushalten in Sicht ist. Ein weiteres geldpolitisches Lockerungsprogramm ist nicht auszuschließen.

Ziemlich sicher ist, dass die Notenbanken die Zinsen unter der Inflationsrate halten werden. Denn steigende Realzinsen wären für die Staatsfinanzen vieler Länder der Sargnagel. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Zinsen allein schon aus Rücksicht auf die Pleite-Peripherie, die Bilanzen europäischer Banken und die eigene, mit Ramschanleihen beladene Bilanz nicht in dem Maße anheben, wie es zur Inflationsbekämpfung angezeigt wäre.

Sorgen drücken die Märkte

In überschuldeten Volkswirtschaften ist es problematisch, wenn die Vermögenspreise fallen. Dann sind die Kredite nicht mehr gedeckt und verwandeln sich schnell in faule Kredite. Das wollen die Notenbanken verhindern, indem sie die Preise der Vermögensgüter notfalls mit der Notenpresse nach oben drucken.

Doch an den Märkten kamen zuletzt Zweifel auf, ob diese Politik der Konkursverschleppung weiterhin funktioniert. Frühindikatoren, die weltweit schwächeres Wachstum signalisieren, das Auslaufen des Anleihe-Kaufprogramms in den USA und Sorgen vor einer harten Landung in China haben die Aktien- und Rohstoffmärkte gedrückt und Anleger in deutsche und US-Staatsanleihen getrieben.

Sollte die Weltwirtschaft tatsächlich wieder einbrechen, dann werden die Haushaltdefizite noch größer werden, weil die Steuereinnahmen fallen und die Regierungen, um die Wirtschaft in Gang zu bringen, die Staatsausgaben noch weiter erhöhen. Nur besteht dann die Gefahr, dass die Anleger irgendwann streiken. Was dann passiert und ansatzweise ja schon passiert ist, das skizzierte der seit 2006 amtierende US-Notenbankchef Ben Bernanke in einer berühmt gewordenen Rede im November 2002 in Washington: „Wie Gold haben US-Dollar nur in dem Maß einen Wert, wie sie in ihrem Angebot strikt limitiert sind. Aber die US-Regierung hat die Druckerpresse, die es ihr ermöglicht, so viele Dollar zu produzieren, wie sie wünscht.“

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