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Geldanlage Gold schlägt Euro

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Entwicklung der Goldreserven der Notenbanken

Der Rest wurde bis Ende 2010 im Rahmen des CBGA3 verkauft – ohne den Goldpreis zu belasten. Schwerer wegstecken dürfte der Markt allerdings einen Verkauf der Goldbestände der großen Süd-Länder Italien (78,83 Millionen Unzen) und Spanien (9,05 Millionen Unzen), die heute addiert gut 94 Milliarden Euro wert sind.

Selbst die Deutsche Bundesbank, die sich bisher strikt gegen Goldverkäufe gewehrt hat, könnte irgendwann gezwungen werden, auf Teile ihrer aktuell 117 Milliarden Euro schweren Goldreserve zurückzugreifen. Sollte sich nämlich Griechenland bankrott erklären oder von den Ratingagenturen so eingestuft werden, drohten der EZB Abschreibungen auf ihre Griechen-Bonds. Etwa zwei Drittel der 75 Milliarden Euro, die die EZB in europäische Staatsanleihen gepumpt hat, sollen in Griechen-Bonds stecken.

Asiaten stehen bereit

Eine Pleite Griechenlands könnte der EZB etwa 45 Milliarden Euro Verlust -bescheren, schätzt die Commerzbank. Diese Verluste würden auf die Notenbanken des Euro-Systems verteilt. Aktuell müsste die Bundesbank gut 27 Prozentdes Verlusts tragen – im Commerzbank--Szenario gut zwölf Milliarden Euro. Der Verlust ließe sich verrechnen mit dem Jahresgewinn der Bundesbank. Reicht dieser nicht, könnte sie den Verlust durch den Verkauf von Goldreserven schließen. Der Marktwert des Bundesbank-Golds übersteigt die Anschaffungskosten um rund 91 Milliarden Euro.

Unklar ist allerdings, wie viel Gold der Notenbanken unmittelbar physisch verfügbar ist und welche Bestände über Goldleihgeschäfte mit Banken am Markt zirkulieren. Gold bleibt, Goldforderungen aus verliehenem Gold aber können notleidend werden. Diese Erfahrung machte ausgerechnet die portugiesische Notenbank. Sie verlor in den Achtzigerjahren rund 550 000 Unzen, als bei ihrer Vertragspartnerin, der US-Investmentbank Drexel Burnham, die Lichter ausgingen. Heute wäre dieses portugiesische Gold rund 590 Millionen Euro wert.

Währungsreserven schützen

„Historisch wanderte Gold immer aus Regionen ab, in denen der Wohlstand abnimmt, dorthin, wo der Wohlstand wächst. In den vergangenen Jahren haben die Europäer massiv Gold verkauft, Asiaten waren die großen Käufer“, sagt der Schweizer Vermögensverwalter Felix Zulauf. Nur mit Gold können sich die Zentralbanken in den Schwellenländern gegen die Abwertung ihrer gigantischen Fremdwährungsreserven schützen.

China, Indien und Russland sind schon seit längerer Zeit als Goldkäufer unterwegs. Die Käufe sorgten dafür, dass die offiziell gemeldeten weltweiten Goldbestände der Notenbanken 2009 erstmals seit 20 Jahren wieder gestiegen sind. Zuletzt ließ die Banco de Mexico aufhorchen. Sie hat seit Jahresanfang gut drei Millionen Unzen Gold gekauft. Unter Zugzwang stehen jetzt besonders Brasilien, Chile und Südkorea, die unter den großen Schwellenländern den geringsten Goldanteil an ihren Währungsreserven halten. Insgesamt liegt die Goldquote der meisten Schwellenländer noch weit unter dem internationalen Durchschnitt von gut elf Prozent (siehe Grafik). Entsprechend sind weitere Käufe zu erwarten. Wenn allein China den Goldanteil seiner Währungsreserven auf den internationalen Schnitt bringen wollte, müsste es seinen Goldbestand um knapp 200 Millionen Unzen aufstocken. „Die Nachfrage dieser Zentralbanken ist eine wesentliche Stütze für den Goldpreis“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank.

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