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Geldanlage Gold schlägt Euro

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Goldpreis und Kostenentwicklung der Goldminen

Seit der Jahrtausendwende läuft Gold besser als Aktien – und so dürfte es noch eine Weile bleiben. Das jedenfalls signa-lisiert die Dow-Gold-Ratio. Die Kennzahl wird ermittelt, -indem der aktuelle Stand des US-Aktienbarometers Dow Jones durch den Goldpreis in Dollar geteilt wird. Fällt die Rate, läuft Gold besser als US-Aktien – und umgekehrt.

Über die absolute Preisentwicklung ist damit zwar nichts gesagt. Doch das Konzept hat sich als hervorragender lang-fristiger -Indikator für Vermögensentscheidungen erwiesen. Seit Juni 2002 ist die Dow-Gold-Ratio von 35 auf unter 8 gefallen. Der Goldpreis in Dollar hat sich seither fast verfünffacht, in Euro mehr als verdreifacht.

Für Vergangenes kann man sich zwar nichts kaufen. Doch die bisherigen Abwärtszyklen der Dow-Gold-Ratio endeten erst bei Werten zwischen 3 und 1. Nimmt man konservativ die 3 als Mindestziel, dann könnte der Dow sich auf 6000 halbieren und Gold auf 2000 Dollar steigen. Oder der Dow bleibt bei 12 000 und Gold steigt auf 4000 Dollar. Die Rechenspiele zeigen: Die Börsen müssen nicht kollabieren, damit Gold weiter steigt.

Billige Minenaktien

„Es gibt keine Goldblase“, sagt Joachim Berlenbach, Fondsberater der Schweizer Earth Resource. Berlenbach macht für den Goldpreisanstieg, außer der steigenden Investmentnachfrage, vor allem die enorm steigenden Kosten der Goldminen verantwortlich (siehe Grafik).

Zwischen 2000 und 2010 sind diese um durchschnittlich 14 Prozent pro Jahr geklettert, auf zuletzt 927 Dollar pro Unze. „Für die gleiche Menge Gold muss immer mehr Gestein immer aufwendiger aus dem Boden geholt werden“, erklärt Berlenbach. Die Schwelle, ab der Minen Gewinn machen, liegt bereits über einem Goldpreis von 1000 Dollar. Selbst bei einer in Zukunft abgeschwächten Kosteninflation von zehn Prozent pro Jahr, würde die Förderung einer Unze 2015 mehr als 1500 Dollar kosten. Die Renditeschwelle der Minen bilde eine Untergrenze für den Goldpreis, sagt Berlenbach. Fällt der Goldpreis darunter, würde die Produktion vielfach eingestellt. Gold würde knapper – und der Preis deshalb wieder steigen.

Wenn der Unzenpreis über der Renditeschwelle notiert, was aktuell der Fall ist, legen Goldminenaktien in der Regel stärker zu als Gold. Von 2003 an ist das aber nicht mehr passiert. Dafür gesorgt haben vor allem die mit Gold besicherten Fonds, die damals neu auf den Markt kamen (siehe Grafik Seite 95). Sie zogen Anlegergelder an, die sonst in Minen geflossen wären.

„Gemessen an historischen Niveaus, werden die Minen bewertet, als stünde der Goldpreis bei 1000 und nicht bei 1500 Dollar pro Unze“, sagt Goldanalyst Ronald Stöferle von der Ersten Bank in Wien.

Allzu forsch sollten Anleger dennoch nicht einsteigen. Die Schwäche der Goldaktien kann auch ein Hinweis auf eine bevorstehende größere Korrektur beim Goldpreis sein – möglicherweise ausgelöst durch eine Liquidationswelle im Zuge eines größeren Finanzunfalls wie der Lehman-Pleite.

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