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Geldanlage Gold schlägt Euro

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Langfristiger Indikator: Dow-Gold-Ratio (Stand des US-Aktienbarometers Dow Jones geteilt durch Goldpreis)

Basis jeder Goldanlage sind ohnehin Barren und Münzen, auf die Anleger direkt zugreifen können. Eine Goldpreiskorrektur wäre eine gute Zukaufgelegenheit. Empfehlenswert sind Barren ab 100 Gramm und Anlagemünzen wie Krügerrand oder Maple Leaf. Sie kosten bei Händlern wie MP Edelmetalle, Pro Aurum oder Westgold beim Kauf einen Aufpreis zwischen drei und fünf Prozent auf den reinen Goldwert. Nach einem Jahr sind Gewinne steuerfrei. Bei mit Gold besicherten Wertpapieren stören die Abgeltungsteuer und im Schnitt 0,5 Prozent Gebühren, die den Goldanspruch Jahr für Jahr schrumpfen lassen.

Anleger sollten erst gar nicht versuchen, beim Gold einen günstigen Einstiegspunkt zu suchen, rät Altmeister Richard Russell, Herausgeber des US-Börsenbriefs „Dow Theory Letters“. Bei Gold ist die Frage nach dem besten Einstiegszeitpunkt ohnehin längst geklärt: Der Goldpreis in Dollar startete 2001 bei weniger als 300 Dollar pro Unze. WirtschaftsWoche-Leser waren von Beginn an dabei. So schrieben wir im Mai 2001 (Heft 20/2001): „Nach 21 langen Jahren der Baisse beim Goldpreis verdichten sich jetzt die Signale, dass die Talsohle erreicht ist.“ Vier Jahr später hieß es (Heft 17/2005): „Gold im Vorteil – Aktien haben ihren Nimbus als überlegene Anlageform verloren. Davon sollten nun auch europäische Goldinvestoren profitieren.“

Staatspleiten überlebt

Willem Buiter, Chefökonom der Citigroup, hält Gold für „die am längsten währende Blase in der Geschichte der Menschheit“. Wegen seines begrenzten industriellen Nutzens sei Gold nur ein sich selbst verstärkendes Glaubenssystem.

Mag sein, dass er recht hat – aber dann wäre Gold eine Blase, die bisher jeden Krieg und jede Staatspleite überlebt hat. Papierwährungen kommen und gehen – Gold bleibt. Ein Grund, warum die Menschen sich von diesem „Glaubenssystem“, das von überliefertem Vertrauen lebt, -abwenden sollten, ist nicht zu erkennen.

Buiter würde wohl lieber Silber kaufen. Das Gold des kleinen Mannes hat den von ihm geforderten industriellen Nutzen. Während weniger als zwölf Prozent des Goldangebots industriell oder in der Zahnmedizin verarbeitet werden, wandert knapp die Hälfte des Silbers in die Industrie. Gerade darin sehen Silber-Fans einen Vorteil gegenüber Gold. Zumal noch ein Großteil des in ausgedienten Handys, Laptops oder Katalysatoren verarbeiteten Silbers für immer auf der Müllkippe landet. Andererseits: Was knapp und begehrt ist, landet nicht auf dem Müll – und schwankt weniger im Preis.

Dass Silber stark schwankt, liegt vor allem an dem relativ kleinen Markt. Jährlich wird physisches Silber für 40 Milliarden Dollar gehandelt, bei Gold sind es 200 Milliarden Dollar. Schon kleinere Verkäufe können den Silberpreis drücken. Für Anleger ist Gold das stressfreiere Edelmetall.

Beruhigend auch: Derzeit ist erst knapp ein Prozent des globalen Finanzvermögens in Gold, Goldaktien und -fonds angelegt. Im letzten Bullenmarkt, Anfang der Achtzigerjahre, lag die Quote bei 26 Prozent. Stiege die Quote auf zwei Prozent, bedeutete das zusätzliche Nachfrage von gut 2200 Millionen Unzen – die -Minenproduktion von knapp 28 Jahren.

Der Goldrausch kommt erst noch.

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