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Geldanlage Mit welchen Rezepten Investmentfonds-Manager Erfolg haben

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Krisenerprobt

Computer statt Emotionen. Rechnerbasierte Fonds schalten das Risiko falscher Bauchentscheidungen aus. Der Gewinner im Fünfjahresvergleich unter den europäischen Aktienfonds, der LuxTopic Aktien Europa, spielte in der Krise mit einem sogenannten Trendfolgemodell seine Stärke aus. Fondsmanager Robert Beer schützt seine Aktienbestände in Turbulenzen über Absicherungen gegen fallende Kurse; mit Derivaten, die im Kursabschwung zulegen also. Zwar verlor der Fonds 2008 immer noch 25 Prozent, lag damit aber 15 Punkte vor dem Index. In diesem Jahr ist er mit einem Plus von acht Prozent bis dato kein Überflieger mehr, denn bis das Sicherheitsnetz gelöst wird, vergeht Zeit. Bei Managern, die Verluste begrenzen konnten, haben Anleger allerdings realistische Chancen, in überschaubarem Zeitraum wieder ins Plus zu kommen. „Verluste von rund 20 Prozent aus dem vergangenen Jahr bei Aktien- und Mischfonds kann der Anleger wettmachen. Nach einem Minus von 40 Prozent wird aber ein Plus von 80 Prozent benötigt, um das Ausgangsvermögen zu erreichen, das braucht viel Geduld“, sagt Thomas Portig, Chefstratege der Münchner Asset-Management-Beratung H.C.M. Capital Management. Mehr Sicherheit kostet Rendite, wenn der Markt nach oben dreht. „Anleger müssen sich entscheiden, ob sie Achterbahn fahren wollen und auch grandiose Schwankungen verkraften können oder in schwierigen Zeiten die sichere Bahn bevorzugen“, so Portig.

Investoren sollten auf sichere Varianten setzen

Nach der aktuellen Erholung an allen Märkten sollten Investoren auf sicherere Varianten setzen und in erster Linie Fonds auswählen, deren Schwankungen nicht  zu hoch sind und die entweder mit einer Mischung aus Aktien und Anleihen oder mit Absicherungsinstrumenten gegen fallende Kurse arbeiten.

Die Stuttgarter Gerd Jung und Stefan Knöppler verwalten für Großanleger mit einem speziellen Trendfolgemodell erfolgreich rund 200 Millionen Euro. Das Portfolio des Publikumsfonds Pulse Invest Absolute MM besteht aus etwa 30 Euroland-Aktien, die je nach Marktlage über Derivate abgesichert werden. Nach einem ähnlichen System haben die Stuttgarter bankeigene Gelder für eine genossenschaftliche Großbank angelegt. In sieben Jahren erzielten sie im Schnitt ein Plus von 13 Prozent jährlich. Seit Sommer 2007 können auch Privatanleger von dem Anlagesystem profitieren.

Mischfonds in der Krise rehabilitiert

Mutig und unabhängig. „Flexibilität, Mut zur eigenen Entscheidung und die Disziplin, Durststrecken durchzustehen, das zeichnet gute Fondslenker aus“, meint Berater Portig. Für ihn gehören renommierte unabhängige Vermögensverwalter zur Spitzenklasse: Aktienfondslenker wie Jens Ehrhardt, Johannes Führ, Michael Keppler, Hendrik Leber und Frank Lingohr, haben zwar auch ihre Kurstäler durchschritten. Die Suche nach unterbewerteten Aktientiteln führte sie mitunter verstärkt zu Finanzwerten, die im vergangenen Jahr an der Börse bestraft wurden. Trotz der hohen Verluste bei Bank- und Versicherungswerten blieben sie im Mittelfeld ihrer Vergleichsgruppe. Sie konnten ihre Strategie eisern durchhalten, weil sie ihr eigener Chef sind, und profitieren nun vom starken Aufschwung an den Börsen. Über fünf und zehn Jahre sind die Aktienfonds der Top-Manager im Plus. Anleger, denen allerdings zwischenzeitliche Verluste von 50 Prozent den Schlaf rauben, sind bei den Aktienportfolios falsch. Der milliardenschwere Weltaktienfonds Lingohr-Systematic-LBB-Invest hatte Anleger mit einem Minus von 47 Prozent in 2008 geschockt. Mit einem Plus von 32 Prozent in diesem Jahr stimmt die Richtung wieder.

Gut gemischt. Weniger dramatische Ausreißer, meist ordentliche Renditen: Mit diesen Pluspunkten haben sich Mischfonds in der Krise rehabilitiert. Virtuos zwischen Aktien, Anleihen oder sogar Rohstoffen pendeln, das sollten auch sogenannte Absolute-Return-, Multi-Asset- und Superfonds. Mit den Möglichkeiten waren viele Manager überfordert. Zwischen 25 Prozent Plus beim Pulse Invest und 35 Minus beim Generali Absolute Return Credit Strategies bewegen sich die Ergebnisse in dieser Kategorie in zwölf Monaten. Mancher Manager ließ kein Fettnäpfchen aus und wählte zum jeweiligen Zeitpunkt genau die falsche Anlagekategorie. Zu den hohen Verlusten aus Aktien summierten sich so rote Zahlen aus Anlagen an Geld- und Anleihemärkten.

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