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Geldanlage Mit welchen Rezepten Investmentfonds-Manager Erfolg haben

Trotz der jüngsten Kursrally enttäuscht die Rendite vieler Investmentfonds. Einige Fondsmanager hängen den Markt aber ab. Mit welchen Erfolgsrezepten sie Anlegergelder mehren.

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So viel buntes Volk in Nadelstreifen hat sich schon lange nicht mehr in Frankfurt getummelt. Sanjiv Duggal flog aus Indien ein, Luiz Ribeiro aus Brasilien, Samantha Ho aus China, Nicolas Simar aus den Niederlanden. Allen gemeinsam: Sie managen Investmentfonds.

Der Auftrieb in der Frankfurter City in diesem Sommer ist ein untrügliches Zeichen für die Aufbruchstimmung in der Branche: Ausländische Manager trauen sich nach Finanzkrise und Börsencrash wieder an die Öffentlichkeit und führen ihre Fonds potenziellen Kunden vor. Seit Juni rücken Lateinamerika- und Asien-Manager in Heerscharen zu Roadshows an, wie die Werbeveranstaltungen im Fachjargon genannt werden. Sanjiv Duggal trommelte im Juli für seinen Indienfonds, den die Großbank HSBC an den Mann bringen will. Vormittags präsentierte der 51-Jährige die Aussichten für indische Aktien vor Frankfurter Anlegern, nachmittags wiederholte er die Show in München.

Ernüchterung bei Aktienfonds besonders groß

Großartiges Marketing haben die Fondsgesellschaften auch bitter nötig. Selbst die weltweite Erholung an den Finanzmärkten bei Aktien, Unternehmensanleihen und Rohstoffen stimmt Fondsanleger nicht munter. Die Rendite vieler Investmentfonds ist über die vergangenen fünf Jahre bestenfalls mager, die Bilanz selbst unter Berücksichtigung der guten Vorkrisenjahre mau. Viele Fondsanleger fühlen sich noch immer wie Autofahrer, die auf rutschiger Strecke in einem schlecht bereiften Wagen unterwegs sind. Die Ernüchterung ist besonders groß bei Aktienfonds, von denen viele 2008 mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt haben. Aber auch Geldmarkt- und Anleihenfonds sind teilweise knapp am Totalschaden vorbeigeschrammt. Beliebte europäische Aktienfonds verloren im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre ein Prozent – pro Jahr. Weltweit anlegende Fonds zehrten jährlich zwei Prozent des Vermögens auf.

Einigen Fondsmanagern gelingt es jedoch, den Markt zu schlagen. Dahinter stecken ausgefeilte Konzepte, die auch in Zukunft Aussicht auf ordentliche Erträge bieten. Viele werden es aber auch in Zukunft nicht schaffen, wenigstens mit ihrem Vergleichsindex mitzuhalten.

Das Korsett, in dem die Fondsmanager stecken, ist häufig zu eng. So sind etwa europäische und amerikanische Aktienfonds insbesondere der großen Fondsgesellschaften häufig sehr indexnah konstruiert“, sagt André Härtel, Fondsanalyst bei Feri EuroRating Services in Bad Homburg. Wer am Index klebt, ist nach Abzug der Kosten zwangsläufig schlechter als der Markt. Die mangelnde Flexibilität bei der Verwaltung der Gelder trübt die Aussichten für Anleger ein.

Top und Flop

Die haben sich ohnehin schon aus dem Staub gemacht: 2008 zogen sie in Deutschland 28 Milliarden aus Publikumsfonds für jedermann ab. Da sind die 1,5 Milliarden Euro, die dieses Jahr netto zuflossen, keine Trendumkehr. Zumal der größte Batzen an börsengehandelte Indexfonds ging und nicht an die Fondsgesellschaften, die aktiv versuchen, den Markt zu schlagen.

Der Schwenk von den aktiv gemanagten Fonds, die Wertpapiere ständig kaufen und verkaufen, hin zu den Indexfonds, die nur den Gesamtmarkt nachbilden, ist nachvollziehbar. In nahezu allen traditionellen Kategorien liegt das Durchschnittsergebnis der Fonds noch unter den Werten der zu diesen Gruppen passenden Indizes. Beispiel europäische Aktien: Der MSCI-Europa-Index hat in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt jährlich 0,2 Prozent verloren, die angebotenen Investmentfonds 1,6 Prozent. Die Differenz zwischen den Ergebnissen entspricht in etwa den Jahresgebühren der Fonds. Den Managern gelingt es also nicht einmal, ihre Kosten hereinzuspielen.

Auf zu wenige Pferde gesetzt

„In diesem Jahr müssen die Fondsgesellschaften endlich beweisen, dass aktives Management einen Mehrwert bringt. In der Finanzkrise sind sie den Beweis vielfach schuldig geblieben“, sagt Rüdiger Sälzle, Vorstand des Münchner Beratungshauses FondsConsult, „wenn die Fondsgesellschaften jetzt nicht die Kurve kriegen, werden Anleger verstärkt börsengehandelte Indexfonds kaufen.“

Die Bilanz der aktiven Fondsmanager fällt auch deshalb so ernüchternd aus, weil sie in bestimmte Segmente gejagt werden, statt nur dorthin, wo sie Mehrwert schaffen können. Der Deutsche Aktienindex (Dax) etwa enthält nur 30 Werte. Fondsmanager, die sich nur in diesen 30 Titeln tummeln dürfen, haben größere Schwierigkeiten, den Dax zu schlagen, als Manager, die weltweit in Aktien anlegen dürfen mit ihrem Index.

Einheitliches Erfolgsmuster gibt es nicht

In der Finanzkrise gingen aktiv gemanagte und bekannte Fonds wie der Fidelity European Aggressive und der DWS Eurovesta auf Tauchstation. Mit rund 700 Millionen Euro Volumen ist der Eurovesta einer der großen europäischen Aktienfonds. Mit der Beimischung von mittelgroßen und osteuropäischen Aktien zu den Standardwerten konnte Fondsmanager Udo Rosendahl im Aufschwung den Vergleichsindex MSCI Europa übertrumpfen.

Nach einem Minus von 52 Prozent im Jahr 2008 hat er die Gewinne allerdings komplett abgegeben. Unter den Index gerutscht ist mit einem Verlust von 64 Prozent auch der einstige Fidelity-Vorzeigefonds.

Bei aller Kritik gibt es dennoch Fondskapitäne, die sowohl in der Krise als auch in der Rally gut mithalten. Ein einheitliches Erfolgsmuster gibt es allerdings nicht.

Krisenerprobt

Computer statt Emotionen. Rechnerbasierte Fonds schalten das Risiko falscher Bauchentscheidungen aus. Der Gewinner im Fünfjahresvergleich unter den europäischen Aktienfonds, der LuxTopic Aktien Europa, spielte in der Krise mit einem sogenannten Trendfolgemodell seine Stärke aus. Fondsmanager Robert Beer schützt seine Aktienbestände in Turbulenzen über Absicherungen gegen fallende Kurse; mit Derivaten, die im Kursabschwung zulegen also. Zwar verlor der Fonds 2008 immer noch 25 Prozent, lag damit aber 15 Punkte vor dem Index. In diesem Jahr ist er mit einem Plus von acht Prozent bis dato kein Überflieger mehr, denn bis das Sicherheitsnetz gelöst wird, vergeht Zeit. Bei Managern, die Verluste begrenzen konnten, haben Anleger allerdings realistische Chancen, in überschaubarem Zeitraum wieder ins Plus zu kommen. „Verluste von rund 20 Prozent aus dem vergangenen Jahr bei Aktien- und Mischfonds kann der Anleger wettmachen. Nach einem Minus von 40 Prozent wird aber ein Plus von 80 Prozent benötigt, um das Ausgangsvermögen zu erreichen, das braucht viel Geduld“, sagt Thomas Portig, Chefstratege der Münchner Asset-Management-Beratung H.C.M. Capital Management. Mehr Sicherheit kostet Rendite, wenn der Markt nach oben dreht. „Anleger müssen sich entscheiden, ob sie Achterbahn fahren wollen und auch grandiose Schwankungen verkraften können oder in schwierigen Zeiten die sichere Bahn bevorzugen“, so Portig.

Investoren sollten auf sichere Varianten setzen

Nach der aktuellen Erholung an allen Märkten sollten Investoren auf sicherere Varianten setzen und in erster Linie Fonds auswählen, deren Schwankungen nicht  zu hoch sind und die entweder mit einer Mischung aus Aktien und Anleihen oder mit Absicherungsinstrumenten gegen fallende Kurse arbeiten.

Die Stuttgarter Gerd Jung und Stefan Knöppler verwalten für Großanleger mit einem speziellen Trendfolgemodell erfolgreich rund 200 Millionen Euro. Das Portfolio des Publikumsfonds Pulse Invest Absolute MM besteht aus etwa 30 Euroland-Aktien, die je nach Marktlage über Derivate abgesichert werden. Nach einem ähnlichen System haben die Stuttgarter bankeigene Gelder für eine genossenschaftliche Großbank angelegt. In sieben Jahren erzielten sie im Schnitt ein Plus von 13 Prozent jährlich. Seit Sommer 2007 können auch Privatanleger von dem Anlagesystem profitieren.

Mischfonds in der Krise rehabilitiert

Mutig und unabhängig. „Flexibilität, Mut zur eigenen Entscheidung und die Disziplin, Durststrecken durchzustehen, das zeichnet gute Fondslenker aus“, meint Berater Portig. Für ihn gehören renommierte unabhängige Vermögensverwalter zur Spitzenklasse: Aktienfondslenker wie Jens Ehrhardt, Johannes Führ, Michael Keppler, Hendrik Leber und Frank Lingohr, haben zwar auch ihre Kurstäler durchschritten. Die Suche nach unterbewerteten Aktientiteln führte sie mitunter verstärkt zu Finanzwerten, die im vergangenen Jahr an der Börse bestraft wurden. Trotz der hohen Verluste bei Bank- und Versicherungswerten blieben sie im Mittelfeld ihrer Vergleichsgruppe. Sie konnten ihre Strategie eisern durchhalten, weil sie ihr eigener Chef sind, und profitieren nun vom starken Aufschwung an den Börsen. Über fünf und zehn Jahre sind die Aktienfonds der Top-Manager im Plus. Anleger, denen allerdings zwischenzeitliche Verluste von 50 Prozent den Schlaf rauben, sind bei den Aktienportfolios falsch. Der milliardenschwere Weltaktienfonds Lingohr-Systematic-LBB-Invest hatte Anleger mit einem Minus von 47 Prozent in 2008 geschockt. Mit einem Plus von 32 Prozent in diesem Jahr stimmt die Richtung wieder.

Gut gemischt. Weniger dramatische Ausreißer, meist ordentliche Renditen: Mit diesen Pluspunkten haben sich Mischfonds in der Krise rehabilitiert. Virtuos zwischen Aktien, Anleihen oder sogar Rohstoffen pendeln, das sollten auch sogenannte Absolute-Return-, Multi-Asset- und Superfonds. Mit den Möglichkeiten waren viele Manager überfordert. Zwischen 25 Prozent Plus beim Pulse Invest und 35 Minus beim Generali Absolute Return Credit Strategies bewegen sich die Ergebnisse in dieser Kategorie in zwölf Monaten. Mancher Manager ließ kein Fettnäpfchen aus und wählte zum jeweiligen Zeitpunkt genau die falsche Anlagekategorie. Zu den hohen Verlusten aus Aktien summierten sich so rote Zahlen aus Anlagen an Geld- und Anleihemärkten.

Gute Mischfondsmanager umschifften die Klippen: Beim Carmignac Patrimoine haben die Anlagestrategen rund um den Gründer des französischen Fondshauses, Edouard Carmignac, ein gutes Händchen bei der Verteilung der Anlegergelder gehabt. Der Mischfonds Patrimoine aus dem Haus hat einer ganzen Fondsgruppe neuen Schub gegeben. „Da der Fonds zu mindestens 50 Prozent am Anleihemarkt investiert ist, galt er früher als relativ langweilig“, so André Härtel von Feri, „durch die Beimischung von Schwellenländer- und Rohstoffaktien stimmt das Ergebnis.“

Klassische Vermögensverwalter, die das Anlegergeld breit verteilen und den Überblick behielten, haben sich in der Krise bewährt: „Ich gehe so an das Management heran, als hätte mir der Anleger sein gesamtes Vermögen anvertraut“, sagt Luca Pesarini, der den Mischfonds Ethna Aktiv E steuert. Dabei gehe es für ihn nicht allein um die Frage, wie er das Geld am besten vermehren könne. „Es geht darum, wie man Vermögen vernünftig aufteilt, damit das Geld erhalten bleibt“, gibt sich Pesarini bescheiden. Schließlich fuhr der Ethna-Fonds in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von neun Prozent pro Jahr ein.

Schwellenländerfonds erreichen gute Ergebnisse

Rechtzeitig an der Seitenlinie gestanden haben auch andere Mischfondslenker, als es bei Aktien abwärts ging: Der Wiener Leo Willert hat die Fondsgelder von Dachfonds wie dem C-Quadrat Arts Total Return Global AMI oder dem RAM-Fonds 2008 überwiegend in Geldmarkt- oder Anleihenfonds investiert. Mittlerweile ist er beim AMI-Fonds komplett in Aktienfonds umgestiegen. Der stete Wechsel hat sich gelohnt: 2008 hielt sich das Minus mit sieben Prozent in Grenzen, in diesem Jahr liegt Willert 16 Prozent im Plus. Obwohl er der guten Kursentwicklung der Börsen misstraut, greift er nicht ein, sondern verlässt sich zur Sicherheit auf Stoppkurse, bei deren Erreichen die Fonds automatisch verkauft werden.

Gewinner von morgen. Wer außerhalb der sicheren Variante investieren möchte und bereit ist, hohe Kursschwankungen zu tragen, liegt bei Schwellenländerfonds richtig. Die Aktienfonds Pictet Russia Equities und Henderson Horizon China haben das Vermögen der Anleger in diesem Jahr bereits verdoppelt. Auf längere Sicht waren die Schwellenländer die Top-Performer unter den Aktienfonds. Spitzenreiter Vitruvius Emerging Markets Equity hat innerhalb von fünf Jahren jährlich 17 Prozent verdient. Die guten Ergebnisse täuschen aber darüber hinweg, dass Anleger, die zu Höchstkursen eingestiegen sind und zu Tiefstpreisen verkaufen mussten, bei Schwellenländerportfolios locker 60 Prozent verlieren konnten. Trotz der ständigen Aufs und Abs hält Georg Schuh, Chief Investment Officer bei der Deutschen Bank, daran fest, dass an den asiatischen Märkten und insbesondere China kein Weg vorbeiführt.

Der gekonnte Einsatz von Schwellenländer-Aktien hat einigen weltweit anlegenden Fonds Schub gegeben. Sie sind ebenso wie europäische Aktienfonds Basisinvestments für Anleger, die sich langfristig engagieren möchten. Mit einem Plus von jährlich zehn Prozent pro Jahr seit 1999 hält der Carmignac Investissement als einziger, was Anlegern in vielen Verkaufsgesprächen bei Banken versprochen wurde. In den vergangenen fünf Jahren gab der MSCI-Weltindex 0,4 Prozent jährlich nach, der Fonds liegt mit 14 Prozent im Plus. In diesem Jahr machte er 30 Prozent gut und hängt damit vorsichtiger investierende Fonds ab.

"Natürlich liegen jetzt nicht mehr die Defensivkünstler aus dem vergangenen Jahr vorne. Ich halte aber trotzdem an ihnen fest, denn in einer Schwächephase sind sie mein Puffer", sagt Lars Kolbe, Vorstand und Dachfondsmanager beim Vermögensverwalter Starcapital. Diese Puffer wird er brauchen – so viel ist an den Finanzmärkten immer gewiss.

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