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Geldanlage-Rendite Wie Anleger die Vier-Prozent-Hürde schaffen

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Geldanlage Feb.2011 Quelle: GfK, Bundesbank,statistisches Bundesamt

Perfide Ironie: Ausgerechnet durch ihre Risikoscheu droht Anlegern der größte finanzielle Schaden. Denn die einseitige Betonung des Aspektes Sicherheit kostet nicht nur Rendite – es entstehen ganz reale Verluste. Diese schmälern die künftige Kaufkraft und führen im schlimmsten Fall in die Altersarmut. Dass das keine Panikmache ist, zeigen einige Rechenbeispiele.

Setzen wir voraus, dass die absolute Summe des ersparten Geldes für die meisten Anleger keinen Selbstzweck darstellt, sondern irgendwann etwas damit finanziert werden soll: der heutige Lebensstandard im Alter, eine Immobilie, das Studium der Kinder... Dann muss das Geld nicht in nominalen Ziffern, sondern in Form künftiger Kaufkraft erhalten und, wenn möglich, vermehrt werden.

Die 0,5 bis 1,5 Prozent Rendite auf dem Tagesgeldkonto aber sind schlicht zu wenig, um die Kaufkraft des Vermögens auf die lange Strecke zu erhalten. 100 000 Euro sind bei zwei Prozent Inflation in 20 Jahren nur noch 67 000 Euro wert – gemessen an ihrer heutigen Kaufkraft. Anders gerechnet: Wer heute mit monatlich 2500 Euro auskommt, braucht für den gleichen Lebensstandard in 20 Jahren schon 3700 Euro – wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihr selbst erklärtes Ziel schafft und die Inflationsrate in den kommenden Jahren im Schnitt die zwei Prozent nicht übersteigt.

Schon die derzeit moderate Inflationsrate von zwei Prozent frisst mehr Kaufkraft, als die Minizinsen auf dem Tagesgeldkonto erwirtschaften, Banker und Volkswirte nennen das einen „negativen Realzins“. Dieser negative Realzins hat es in sich: Je länger die Ansparphase, desto mehr Wohlstand verzehrt die Inflation – sie ist der umgekehrte Zinseszins-Effekt. Ein heute 40-Jähriger, der erst in 25 Jahren 100 000 Euro ausgezahlt bekommt, etwa von einer Lebensversicherung oder aus einem Banksparplan, kriegt bei durchschnittlich zwei Prozent Inflation pro Jahr noch 60 000 „heutige Euro“ heraus.

Alles abgegolten?

Hinzu kommt der Staat, dessen Vertreter zwar in Sonntagsreden nie müde werden zu betonen, dass sie die private Altersvorsorge fördern wollen – die jedoch mit der Abgeltungsteuer den Anlegern von Montag bis Freitag ordentlich Knüppel zwischen die Beine werfen. Die Abgeltungsteuer frisst weitere 28 Prozent (inklusive Soli und Kirchensteuer) der Rendite weg. Vor Steuern müssen also 2,7 Prozent erzielt werden, um wenigstens zwei Prozent Niedriginflation auszugleichen.

Es gibt genügend Stimmen, die vor weit höheren Inflationsraten in den kommenden Jahren warnen. Die Notenbanken der großen Industrieländer drucken zu viel Geld – und machen bisher keine Anstalten, damit aufzuhören, obwohl die Konjunktur wieder brummt. Rohstoffknappheit, Klimawandel, steigender Wohlstand in Riesenländern wie China und die damit verbundene Agrar-und Energiepreis-Inflation werden schon dafür sorgen, dass das Leben eher teurer wird als billiger. Niemand kann seriös die Inflationsrate bis zum Jahr 2031 vorhersagen, aber es schadet nichts, die oben stehende Rechnung mit drei Prozent Inflation durchzuspielen: Schon bei drei Prozent Teuerung brauchen Anleger 4,1 Prozent Rendite (vor Steuern), um auf einen grünen Zweig zu kommen.

Anleger müssen auf jeden Fall mehr als 4,0 Prozent Rendite erzielen, um ihre Kaufkraft zu erhalten. Denn neben der Inflation und dem Staat knabbert auch noch die Finanzindustrie an der Anlage-Torte. Wie hoch die Kosten sind, die der Vermögensaufbau im Laufe eines Anlegerlebens verursacht, hängt stark vom Anlage-Mix und -Verhalten ab. Manche Produkte sind kostengünstig, wie Tagesgeld, andere nur am Anfang teuer (Versicherungen), erfordern daher lange Haltefristen, wieder andere verursachen dauerhaft immense Kosten (etwa Dachfonds). Als Faustregel gilt: Je öfter ein Anleger umschichtet, Geld neu anlegt oder sich von der Bank zum Umschichten überreden lässt, desto höher die Gebühren.

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