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Geldanlage "Sichere Anlagen gibt es nicht mehr"

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Holger Benke, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung

Welche Rendite erwarten Sie?

Wie rechnen mit 10 bis 12 Prozent Gewinn. In der Finanzmarktkrise haben unsere Private-Equity-Anlagen bei Weitem nicht so empfindlich reagiert wie die Aktien. Und erste, kleine Rückflüsse hatten wir bereits. In den nächsten Jahren wird das deutlich mehr sein. Das Geld investieren wir dann in neue Fonds. So, dass wir immer bei rund zehn Prozent Zusagen unserer gesamten Kapitalanlagen bleiben.

Sie haben sehr stark in Gewerbeimmobilien investiert, fast 25 Prozent steckt in Büroimmobilien. Droht da nicht Gefahr?

Immobilien haben ihren Tiefpunkt noch nicht überall erreicht, das ist richtig. Schaut man sich die großen Immobilienzentren wie London oder Paris an, werden die Preise noch weiter in den Keller gehen - sofern die Krise anhält. Wir aber kaufen pflegeleichte Immobilien in großen deutschen Städten wie München, Stuttgart, Berlin oder Hamburg. Wir setzen auf maximal zwei Mieter mit langfristigen Mietverträgen pro Gebäude. Und wir prüfen die Bonität des Mieters mindestens so intensiv wie das Gebäude technisch geprüft wird. Zu unseren Mietern zählen etwa die Telekom und BMW. Nur bei der Hypo Real Estate hatten wir jetzt Pech – für dieses Gebäude, welches wir gerade sanieren, suchen wir derzeit einen Nachmieter.

Sie halten 89 Prozent der Anlagen in Euro – vertrauen Sie Europa?

Ja, wir betreiben keine Währungsspekulation. Wir sichern Währungen aber auch nicht ab. Ich habe mir lange Musterportfolien angeschaut und gesehen: Es macht keinen Sinn. Denn im Währungsbereich geht mal der Yen runter, dafür der Dollar rauf – viel gleicht sich so untereinander aus. Im Übrigen: Wer ein europäisches Aktienportfolio hat, hält über seine Unternehmensbeteiligungen jede Menge Währungen. Denn die Firmen sind international tätig.

Wie legen Sie privat an?

Nicht immer so vernünftig wie für die Stiftung. Privat mag ich das Kribbeln im Bauch, da bin ich unvernünftiger.

Heißt das, Sie haben Griechenlandanleihen mit 20 Prozent Rendite gekauft?

Ja, das habe ich, das würde ich aber für die Stiftung nie machen. Das muss man wirklich auseinanderhalten. Persönlich glaube ich zwar nicht, dass man Griechenland hängenlässt. Ich glaube auch nicht an den Schuldenerlass, denn dann hätten wir wieder eine Bankenkrise und gleichzeitig eine Vertrauenskrise, was die weiteren Länder wie Spanien oder Portugal angeht. Wenn ich also morgens in die Stiftung komme, gebe ich mein privates Anlageverhalten an der Garderobe ab und experimentiere nicht.

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