WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Geldanlage Was Sie von den besten Vermögensverwaltern lernen können

Seite 2/2

Achim Lange (vorn) und sein Team von der Hamburger Sparkasse Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Mt ihrem Depotvolumen von nicht einmal 85 Millionen Euro gehört die Volksbank Kur- und Rheinpfalz aus Speyer selbst für Genossenverhältnisse noch zu den Kleinen der Branche. Dennoch schlugen die beiden Portfoliomanager Ute Gronwald, 31, und Achim Seiler, 33, mit ihrem risikoarmen Depot aus vorwiegend festverzinslichen Papieren die etablierte Konkurrenz in der konservativen Anlageklasse dieses Jahr deutlich. Nicht mit den Renten, sondern durch einzeln runtergeprügelte Aktien wie dem Düngerproduzenten K+S, dem Anlagenbauer Gea, Stahlkocher Salzgitter oder Graphithersteller SGL Carbon hat Seiler die Wettbewerber aus den Finanzmetropolen abgehängt. Solche Aktien habe er dezent, mit kleinen Beträgen, aber konsequent „immer an schwachen Tagen antizyklisch gekauft“, sagt er. Auch Fonds – nicht nur von der hauseigenen Union Investment – sowie Discount- und Bonuszertifikate mischte Seiler erfolgreich hinzu.

Der Pfälzer glaubt vor allem an die „langfristige Überlegenheit des antizyklischen Investierens“. Gegen den Strom zu schwimmen passt zur Pfalz, wo die Kunden schon „oft ihren eigenen Kopf“ haben, wie Seiler weiß. Zu seinen Klienten gehören viele Leute aus der Region, die mit Belegschaftsaktien von BASF oder SAP reich geworden sind. „Da arbeiten wir in den neuen Depots erstmal an einer vernünftigen Risikostreuung“, sagt seine Kollegin Gronwald. „Die höchste Form der Anerkennung ist, wenn einer auf unseren Rat einen Teil seiner Belegschaftsaktien in andere Titel tauscht.“

Nicht, dass sie etwas gegen die Aktien der BASF oder SAP hätten, ganz im Gegenteil, aber „so mancher deutsche Anleger übertreibt es schon ein wenig mit der Heimatpflege im Depot“, meint Seiler, und dass der Dax in den kommenden Jahren weiter die anderen Indizes abhänge, halte er „auch noch nicht für ausgemacht“.

Lieber setzen Seiler und Gronwald – ganz die Antizykliker von der Pfalz – auf einen derzeit Ausgebombten: den Technologiewerte-Index TecDax. „Der TecDax ist sehr günstig bewertet, wenn man die Solarwerte herausrechnet“, meint Seiler, „er war zudem nie so im Fokus ausländischer Investoren wie zum Beispiel der MDax.“ Entsprechend gebe es bei den kleine Techwerten jetzt auch keinen Abgabedruck mehr. Seiler hält daher gerade von der Masse der Investoren wenig geliebte Titel wie Aixtron und Kontron 2008 für besonders interessant.

Soviel Kühnheit mag das Team der Hamburger Sparkasse um Chef-Portfoliomanager Achim Lange (Platz 1 in der Klasse moderat dynamisch mit Mischdepots aus überwiegend Aktien) noch nicht zeigen. „Es hat keinen Sinn, sich an der Börse gegen den Trend zu stemmen. Die Leute wollen derzeit nun mal raus aus Nebenwerten“, sagt Lange. „Kleinere Technologiewerte passen nicht mehr in unser Bild einer allgemeinen wirtschaftlichen Abschwächung.“ Lange schichtet um in große Standardwerte wie E.On oder RWE; „auch einige der größeren Techwerte wie SAP sind aktuell nicht vollkommen unattraktiv“, formuliert er vorsichtig.

Eine weitere Schutzmaßnahme der Hamburger für die in 2006 und 2007 aufgelaufenen Gewinne: „Aktuell nehmen wir viel Risiko aus den Depots raus, indem wir einige Aktien und Indizes in Discountzertifikate auf die selben Werte tauschen“, erklärt Lange. Der studierte Mathematiker rechnet sich mit den Zertifikaten eine „bessere Risikodämpfung“ aus. Das Kalkül: „Mit einem 20-Prozent-Discount auf den EuroStoxx 50 verliere ich erst Geld, wenn der Index mehr als 21 Prozent verliert, was bei einem Bluechip-Index ziemlich unwahrscheinlich ist.“ Und auch dann sind die Verluste noch begrenzt: Bei minus 35 » Prozent im Index verliert das Discountpapier nur 15, bei 41 Prozent 21 und so weiter. Die Kehrseite: Steigt der Index, legt das Discount-Papier entsprechend weniger zu. „Aber das“, sagt Lange, „nehmen wir in Kauf, weil wir eher mit einer Schaukelbörse oder einer leichten Abwärtsbewegung rechnen als mit einer Hausse.“

Zertifikate seien aber auch kein Allheilmittel zum Steigern der Rendite, meint Lange. „Zu komplexe oder intransparente Papiere lehnen wir ab; an denen verdient in der Regel nur der Emittent“. Eine einfache Grundregel, die offenbar viele erfolgreiche Geldmanager beherzigen, gerade, wenn es um Zertifikate geht: Keep it simple! Die meisten Verwalter nutzen fast ausschließlich Discount- und Bonuszertifikate; komplexere Konstrukte sieht man relativ selten in den Portfolios.

Den Großteil der Depots schichten die Hamburger derzeit in Cash um, aber auch in Aktienfonds, die weltweit in Schwellenmärkten investieren. „Neben Asien und Lateinamerika halten wir vor allem Afrika für interessant, auch, wenn das noch ein sehr kleiner Markt ist“, sagt Lange. Die Afrika-Karte spielen sie über einen Aktienfonds der kleinen Londoner Fondsboutique Charlemagne. „Ich halte es generell für keine so gute Idee, ferne Länder oder andere Veranstaltungen wie Gold oder Agrarrohstoffe von Hamburg aus über Einzeltitel selber anzugehen“, erklärt Lange, „das überlassen wir lieber Spezialisten und suchen uns einen guten Fonds“.

Nur einen guten Kilometer südlich, beim vornehmen Bankhaus Wölbern in der Hamburger Hafencity, lässt man nicht mal Fonds gelten. „Wir verwenden prinzipiell keine Produkte der Finanzindustrie“ erklärt Portfoliomanager Oliver Hansen tapfer, „keine Zertifikate, keine Hedgefonds, keine Private-Equity-Fonds, nicht mal klassische Aktienfonds. Gar nichts.“

Das klingt ein wenig anachronistisch in der modernen Finanz-Welt, aber der Erfolg gibt Hansen Recht: Ausschließlich mit Einzeltiteln – Aktien und Renten – deklassierte sein Team vom Bankhaus Wölbern bereits zum zweiten Mal in Folge die Konkurrenz in der konservativen Anlageklasse.

„Banken und Fondsgesellschaften sind keine Wohlfahrtsverbände“, beharrt Hansen, „bei vielen Produkten dauert es Monate, bis man wenigstens die Ausgabeaufschläge wieder drin hat, und dann zahlt man für immer Managementgebühren.“

Ähnlich wie die Kollegen in Innsbruck stecken Hansen und sein Team um Chefvolkswirt Tom Weber viel Recherche in die Titelauswahl. Manche beobachten sie monatelang, bevor sie kaufen. Entscheidungen fällen sie in der Gruppe. Schließlich investieren sie viel fremdes Geld in weniger als 25 verschiedene Aktien, „da hauen Fehlgriffe ins Kontor“, sagt Weber.

Für solche Fehlgriffe gab es 2007 reichlich Gelegenheit. Das Team vermied sie, indem es früher als andere auf die Vorboten der Finanzkrise reagierte. „Der starke Anstieg der kurzfristigen Zinsen war ein deutliches Warnsignal, auch die Schieflage der beiden Hedgefonds von Goldman Sachs im Mai, da wurde uns allmählich klar, dass es ein größeres Problem geben musste,” erklärt Weber, „wir wussten zwar noch nicht, was es war, aber wir konnten auch nicht untätig warten und nichts tun“.

Als im Juli und August die Subprime-Krise hochkam, zogen die drei konsequent die Reißleine und verkauften alle Finanzwerte. Eiserne Regel der Hamburger: Fehlgriffe schnell korrigieren, denn der Markt hat immer recht. „Als zum Beispiel bei Daimler der Kurs plötzlich stark nachgab, hatten wir den Wert gerade erst gekauft, und es gab keine schlechten Nachrichten aus dem Unternehmen selbst“, sagt Hansens Kollegin Claudia Chessa-Brockmann. Dennoch flogen auch Daimler bei rund 70 Euro aus den Depots – die zuvor strikt festgelegte Stopp-Loss-Marke war erreicht.

„Die meisten Anleger sind zu stark auf ihre alten Einstiegskurse fixiert“, meint Hansen, „in solchen Situationen halten sie an Aktien wie Daimler fest, aber hier ist der erste Verlust dann leider meistens noch der kleinste.“

Anders als 2007 wollen die Wölbern-Banker jetzt außerhalb Europas kaufen. „Den starken Euro sollte man als europäischer Investor nutzen, um sich in anderen Teilen der Welt relativ günstig einzukaufen“, sagt Weber. Aktuell scannen die Hamburger den Markt nach attraktiven amerikanischen und asiatischen Titeln. Den Pharmawert Johnson & Johnson, den Konsumriesen Procter & Gamble und Coca Cola haben sie schon gekauft.

„Ganz ohne Aktien wird es auch 2008 nicht gehen“, meint Hansen, „vor allem, weil sich am Zinsmarkt bis auf weiteres nach Steuern und Kosten nichts verdienen lässt“. Und sich immer nur als Crash-Prophet aufzustellen, führe auf Dauer auch nicht weiter. Hansen: „Gut 360 Tage im Jahr haben wir schließlich keinen Crash.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%