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Geldanlage Welche Rendite nachhaltige Fonds abwerfen

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Nachhaltige Fonds für Realos (breite Branchenstreuung) Quelle: Morningstar, Fondsgesellschaften

Konzerne, die diese Vorauswahl überstehen, prüft das Münchner Analysehaus Oekom im Auftrag des Ordens auf Herz und Nieren – nach Dutzenden branchenspezifischen Kriterien, die auf den Vorgaben des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens basieren. Wichtig ist, ob Konzerne Energieverbrauch und Schadstoffemissionen reduziert haben, ob sie verbrauchte Rohstoffe wiederverwenden, ob sie in Entwicklungsländern vernünftige Löhne zahlen und ob sie ihre Zulieferer zu hohen Sozialstandards zwingen. 

"Nur die jeweils besten Unternehmen aus einer Branche kommen für den Fonds infrage", sagt Reusch. Derzeit ist beispielsweise der Softwarehersteller SAP, die US-Eisenbahngesellschaft Union Pacific und der Finanzkonzern Lloyds vertreten. 

Ähnlich geht Union-Fondsmanager Speich vor. Auch er ist ein Verfechter des "best-in-class"-Prinzips und schließt zunächst etliche Kandidaten aus: "Keine Chance haben Unternehmen, die mit Glücksspiel, Tabak, Waffen und Atomenergie Geld verdienen." Bei der umstrittenen Atomkraft bewertet Speich das Katastrophenrisiko damit höher als die Klimafreundlichkeit – wie die meisten ‧Manager nachhaltiger Fonds, zumindest seit Fukushima. Vorher gab es dagegen zahlreiche Fonds, die auch auf Atomaktien setzten. 

Vorstände zu Nachhaltigkeit drängen

Weltweit 2800 Unternehmen lässt Speich von der Hannoveraner "imug Beratungsgesellschaft für sozial-ökologische Investitionen" und vom hauseigenen Nachhaltigkeitsresearch detailliert analysieren. Dabei spielen Kohlendioxidemissionen, Sozialstandards und Manager-Boni eine wichtige Rolle. Übrig bleiben rund 300 Unternehmen, von denen Speich 70 unter finanziellen Aspekten ausgewählt hat. Zum Fondsportfolio gehören derzeit beispielsweise der Chemiegigant BASF, der Telefonkonzern Vodafone und der Mischkonzern Siemens, der jüngst seinen Abschied aus dem Nukleargeschäft verkündet hat.

Das Problem für ökologisch motivierte Sparer, die die Aktienauswahl ihres Fonds überprüfen möchten: Die meisten Kriterien bergen reichlich Interpretationsspielraum. Wann ist ein Korruptionsskandal schwer genug, um ein Unternehmen auszuschließen? Ab welchem Umsatzanteil zählen Uranförderer wie der Rohstoffkonzern Rio Tinto zur Atombranche? Wann sind Boni angemessen – und wann ein gefährlicher Fehlanreiz, der Manager zu überhöhten Risiken verleiten kann? 

Hinzu kommt, dass sich manche Frage bei näherem Hinsehen als komplizierter entpuppt als gedacht. Beispiel Kinderarbeit: Sie trägt in einigen Ländern dazu bei, dass Familien halbwegs über die Runden kommen. Einige Fonds unterscheiden deshalb zwischen "ausbeuterischer" und akzeptabler Kinderarbeit. Oder Tierversuche, die schließlich in einigen Fällen gesetzlich vorgeschrieben sind und dem Unternehmen nicht angelastet werden können.

Angesichts des Interpretationsspielraums müssen Anleger letztlich darauf vertrauen, dass "best-in-class"-Verfechter wie Speich es ernst meinen mit der Nachhaltigkeit und jede Anlageentscheidung nach bestem Gewissen treffen. Seine Reden auf Hauptversammlungen, bei denen er wie ein grüner Überzeugungstäter auftritt, wirken da sicher vertrauensbildend. "Als Großaktionäre können Fonds die Strategie der Unternehmen aktiv beeinflussen", sagt Speich. "Das sollten sie nutzen, um die Vorstände zu mehr Nachhaltigkeit zu drängen."

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