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Geldanlage Wie Sie Ihr Vermögen über Wasser halten

Der Euro ist noch nicht gerettet, die Märkte bleiben turbulent. Wie Anleger in ihren Depots Sicherungen einbauen können, welche Wertpapiere dabei helfen.

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Ausgewogenes Depot für konservative Anleger

Nicht alle Banker sind unvorsichtig. Exakt 49,3 Prozent an Bargeld vorzuhalten empfiehlt Christian Kahler Anlegern derzeit. Kahler arbeitet bei der DZ Bank und ist als Chefstratege Aktien eigentlich mehr Börsenfan denn fanatischer Tagesgeldanhänger. Doch Sicherheit geht vor Rendite. "Unsere hohe Cash-Position lieferte im durch die neue Eskalation der europäischen Schuldenkrise geprägten Juli wertvolle Absicherungsdienste", so Kahler. Erst am 20. Juni stellte die Frankfurter Bank ihre neue Vermögenszusammensetzung auf. Neben viel Barem sind in dem Musterdepot zu 30,6 Prozent Aktien, zu 10,2 Prozent Rohstoffe und zu 9,9 Prozent Anleihen gewichtet.

Die Vorsicht ist berechtigt. Auch nach der Einigung, Griechenland mit weiteren dreistelligen Milliardensummen an Steuergeld der anderen Euro-Mitgliedsländer zu retten, ist an den Märkten nur wenig Ruhe eingekehrt.

Die grundlegenden Konstruktionsfehler des Euro sind noch immer nicht korrigiert. In den USA zerrte das Warten auf die Entscheidung für oder gegen eine Erhöhung der Schuldengrenze lange an den Nerven der Investoren. Die Erhöhung der Schuldenobergrenze zum Wochenbeginn brachte den Märkten jedoch nur kurz Erleichterung. Schnell stellte sich Ernüchterung angesichts der Schuldenberge und der schwächelnden US-Konjunktur ein.

Investoren tun also gut daran, ihr Depot sorgsam auszutarieren. Gleich die Hälfte des Vermögens in Bar zu halten ist dabei eher eine Empfehlung für Anleger, die demnächst größere Anschaffungen planen und deshalb keinerlei Verluste aushalten. Neben Festgeldern können Anleger ihr Vermögen je nach Risikoneigung über mehrere Wege absichern.

Anker 1: Gold für jeden

An erster Stelle als fixer Bestandteil in jedem Depot steht Gold. Das Edelmetall erweist sich seit nunmehr zehn Jahren als der sicherste Anker – und ist rentierlich dazu. Bei Gold ist die Frage nach dem besten Einstiegszeitpunkt geklärt – er liegt Jahre zurück. Der Goldpreis in Dollar startete 2001 seine Hausse bei weniger als 300 Dollar pro Unze, in Euro nahm Gold Anfang 2005 bei gut 300 Euro endgültig Fahrt auf – was sich frühzeitig andeutete. Im Mai 2001 lautete die Analyse: "Nach 21 langen Jahren der Baisse beim Goldpreis verdichten sich jetzt die Signale, dass die Talsohle erreicht ist", und knapp vier Jahre später hieß es: "Gold im Vorteil – Aktien haben ihren Nimbus als überlegene Anlageform verloren.

Davon sollten nun auch europäische Goldinvestoren nennenswert profitieren". Früheinsteiger liegen rund 300 Prozent vorn, selbst wer erst vor einem Monat zuschlug, kann schon ein zweistelliges Plus verbuchen. Anleger sollten erst gar nicht versuchen, beim Gold einen günstigen Einstiegspunkt zu suchen, rät Altmeister Richard Russell, Herausgeber des viel beachteten US-Börsenbriefs "Dow Theory Letters" – und erst recht nicht damit zocken.

Wer Bares übrig habe, sollte, sofern er noch kein Gold besitzt, damit beginnen, Goldanlagemünzen zu kaufen und diese wegzuschließen, so Russell. Für konservative Anleger empfiehlt sich ein Depotanteil von 30 Prozent. Wer spekulativer eingestellt ist, tauscht einen kleinen Teil seines Geldes auch in Silber, oder er greift zu Goldaktien. "Seit Wochen zeigt Gold relative Stärke. Die Goldminen ziehen jetzt nach. Das werden die kommenden Quartalsergebnisse bestätigen", sagt Joachim Berlenbach, Fondsmanager bei Universal Investment. Als Einzelinvestment bietet sich etwa Barrick Gold an.

Depot-Sicherungen Quelle: Thomson Reuters

Wer es bequemer mag, sollte sich solche Fonds zulegen, die zu einem Großteil in Goldminenaktien investieren. Diese sind im Gegensatz zu physischem Gold riskanter, weil schwankungsanfälliger.

Nur in der ersten Phase der aktuellen Hausse konnten Minen im Kurs stärker zulegen als der Unzenpreis. Von 2003 an war es dagegen lukrativer, die überirdische Goldvariante zu wählen. Zu einem Teil liegt das an den mit physischem Gold besicherten Anlagevehikeln wie ETFs, die 2003 erstmals an den Markt gingen. Ihre Goldbestände sind inzwischen auf rund 2200 Tonnen mit einem Marktwert von gut 110 Milliarden Dollar angeschwollen.

Diese Spezialfonds zogen Anlegergelder an, die sonst eher in den Minensektor geflossen wären. Belastet hat die meisten Goldförderer auch die Kosteninflation der vergangenen Jahre. Sie hat die Goldpreis-Schwellen, ab deren Überschreiten Minen Gewinn machen, stark nach oben gesetzt. Steigt der Goldpreis über die Schwelle, klettert der Gewinn der Mine überproportional stark. Das ist zurzeit der Fall. Im Durchschnitt kostet die Unzenförderung derzeit 1100 Dollar, der Verkaufspreis liegt bei mehr als 1600 Dollar. Dieses Ertragspotenzial der Minenaktien hat die Börse noch nicht voll erkannt.

Anker 2: Zertifikate für Mutige

Für Anleger, die auch einen Totalverlust bei einzelnen Investments nicht scheuen, von möglichen Kursverlusten an den Börsen aber zumindest mit einem kleinen Anteil ihres Depots profitieren wollen, eignen sich Zertifikate auf fallende Kurse (Shortzertifikate).

So stehen die europäischen Banken nach wie vor mitten im Feuer der aktuellen Krisen. Das Schuldendrama um Griechenland ist zwar erst einmal aufgeschoben, aber die Ausfallgefahren von Italien, Spanien, Portugal und Irland bleiben hoch. Das signalisieren zumindest die Prämien für Kreditausfallversicherungen auf diese Länder (CDS). Auch die CDS der Banken, die selbst nach der vorläufigen Rettung Athens kaum zurückgekommen sind, zeigen weiter akute Gefahr an.

Die Geldhäuser dürften weiter schwere Monate vor sich haben. Ob Goldman Sachs, UBS oder Deutsche Bank – zuletzt enttäuschten die Großen der Branche schon mit ihren jüngsten Quartalszahlen. Wer vor Monatsfrist eine Wette auf sinkende Kurse europäischer Bankaktien eingegangen ist, hat mit dem Shortzertifikat bisher 34 Prozent gewonnen, ein Dax Short gewann seit Mai sogar 89 Prozent.

Ausgewogenes Depot für spekulative Anleger

Im Fall der Fälle von Bankpleiten stehen aber auch Inhaber jeglicher Zertifikate, die richtig gewettet haben, mit leeren Händen da. Denn die Papiere sind Schuldverschreibungen von Banken, die bei einer Insolvenz nahezu wertlos werden. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der Staat systemrelevante Banken wie die Commerzbank oder Deutsche Bank fallen ließe.

Wer eine Kurzfristspekulation zur Depotabsicherung etwa über eine weitere Schwäche der europäischen Versorger oder den Dax insgesamt wagen will, sollte sich um die Solvenz beider Institute als Emittent von Zertifikaten auf Sicht der kommenden Monate keine Sorgen machen. Wichtig ist jedoch, Stopp-Kurse zu beachten. Die Zertifikate schwanken stark, und sie verfallen auch dann wertlos, wenn die Basisindizes wie Dax, Versorger- oder Banken-Index bestimmte Marken überschreiten.

Anker 3: Fonds

Icon-Anker Quelle: Karsten Petrat

Wertlos verfallen können Investmentfonds als sogenannte Sondervermögen nicht. Auch wenn viele Fonds zu Töchtern von Banken gehören, gehen sie bei Insolvenz der Mutter nicht unter; das Vermögen ist davon separiert. Wer sein Depot möglichst wenig selbst über eigene Investments in Aktien oder Anleihen managen möchte, der sollte zu den Klassikern der Geldanlage greifen.

Wichtige Kriterien für die Auswahl von Fonds sind ein sturmerprobtes Management und eine vernünftige Rendite in der Vergangenheit ohne allzu große Verluste, wenn es an den Märkten krachte. Diese Kriterien erfüllt etwa der auf heimische Werte konzentrierte Fonds Deutsche Aktien Total Return der beiden Manager Albrecht von Witzleben und Christian Krahe, der auf sichere Unternehmensanleihen setzende M&G Optimal Income oder der Tiberius Interbond OP, mit dem sich Anleger deutsche und niederländische Staatsanleihen sowie ein bisschen Währungsspekulation über kanadische und norwegische Papiere ins Depot holen.

Anker 4: Tagesgelder

Bares auf Tagesgeldkonten gehört wie im Musterdepot bei der DZ Bank ebenfalls in ein ausgewogenes Portfolio. Mit Ach und Krach lässt sich damit bei den derzeit besten Anbietern die Inflation von zuletzt 2,4 Prozent ausgleichen – vor Steuern. Mit den weiteren Depotbestandteilen besteht zumindest die Chance, auch nach Steuern sein Kapital zu erhalten. Wenn’s gut läuft, bleibt trotz Krise ein Gewinn.

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