Geldanlage Wo es noch attraktive Alt-Anleihen für Privatanleger gibt

Seite 2/2

Anleihen mit AAA-Rating werden knapper

Die „steigenden Inflationsraten“ sprächen allerdings gegen einen Einstieg bei Papieren mit langen Laufzeiten, sagt Anleihespezialist Johannes Führ, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung. Bliebe die Inflation über die kommenden 15 Jahre im Schnitt auf dem aktuellen Niveau von drei Prozent, rechnet sich die Anlage im Beispielfall Suez so gerade noch. Nach Steuern und Geldentwertung bliebe ein Überschuss von knapp 900 Euro. Sollte die Inflation auf Raten von 4,1 Prozent und mehr steigen, würde die Preissteigerung den Gewinn jedoch auffressen. Investoren könnten dann selbst mit der Anleiherendite von 5,7 Prozent ihr Kapital nicht erhalten. Für die 9140 Euro könnten sie im Jahr 2023 weniger Lebensmittel, Sprit oder Kleidung kaufen als sie heute für 5000 Euro bekommen.

Niedriger verzinste Staatsanleihen würden allerdings noch schwächer abschneiden – und sein ganzes Portfolio mit Aktien zu bestücken ist auch nicht jedermanns Sache. Für viele Anleger gibt es deshalb zu Unternehmensanleihen keine Alternative.

Mehr denn je ist wichtig, die richtigen Anleihen zu kaufen. Die soliden Kandidaten werden knapp. Anfang der Achtzigerjahre adelte die Ratingagentur Standard & Poor’s noch mehr als 30 Unternehmen mit der Bestnote AAA. Heute dürfen sich gerade noch sechs Industrie-Unternehmen damit schmücken: Pfizer, Toyota, Johnson & Johnson, General Electric, Exxon Mobil und deren Tochter Imperial Oil. Börsenstrategen wie Tim Albrecht, Fondsmanager der DWS für deutsche Aktien, bläuen Anlegern notorisch ein, dass die Unternehmensbilanzen heutzutage „sehr solide“ seien. Doch die Wahrnehmung der Anleiheexperten ist eine völlig andere. Seit Jahrzehnten sinkt „im Durchschnitt ständig die Bonität der Unternehmen“, sagt Führ.

Nach möglichen Aufsteigern, also Unternehmen, deren Bonität sich verbessert, müsse man sehr intensiv suchen. „Fiat und ThyssenKrupp sind zwei der wenigen Positiv-Beispiele aus den vergangenen Jahren.“ Seit Ende 2006 verschlechtert sich auch das Verhältnis von Abstufungen zu Hochstufungen. Im vierten Quartal 2007 stufte die Ratingagentur Fitch dreimal mehr westeuropäische Schuldner ab als hoch. Moody’s zog in den ersten drei Monaten 2008 nach und verpasste 35 Unternehmen eine miesere, aber nur 17 eine bessere Note; 43 erhielten zudem einen negativen Ratingausblick, nur elf einen positiven. „Rezessive Entwicklungen“ und die „globale Kreditkrise“ sind laut Moody’s die Gründe für die sich verschlechternde Schuldnerqualität.

Laufzeiten zwischen zwei und vier Jahren empfehlenswert

Deswegen setzt Schroders-Fondsmanager Cordery vor allem auf Substanz. „Anleihen hoher Qualität werden überdurchschnittliche Erträge bringen, während der Rest eher dürftige Renditen bieten dürfte.“ Papiere mit schwacher Bonität locken zwar mit Renditen von bis zu zehn Prozent. Sie sollten jedoch nicht Hauptbestandteil eines Rentendepots sein. Moody’s etwa erwartet, dass finanzschwache Unternehmen bis Jahresende jeden 20. Dollar oder Euro nicht zurückzahlen. Während der letzten Wirtschaftskrise 2002 wurden zwölf Prozent aller hochverzinsten Schrott-Anleihen notleidend.

Rentenspezialist Führ favorisiert derzeit solide Anleihen mit Laufzeiten „zwischen zwei und vier Jahren“, auch weil „der Renditeunterschied zu langlaufenden Papieren nicht besonders groß ist“. Eine Bayer-Anleihe bis April 2012 wirft beispielsweise 5,3 Prozent ab – nur 0,4 Prozentpunkte weniger als der Suez-Bond, der erst im Jahr 2023 fällig wird.

Weil niemand seriös vorhersagen kann, wie sich die Inflationsrate bis 2020 entwickelt, fahren Anleger mit einem Anleihe-Mix am besten. Neben den nur noch wenige Jahre laufenden Bonds gehören auch Papiere mit längerer Laufzeit ins Depot – vor allem solche, die deutlich unter 100 Prozent notieren und somit bei Kauf bis zum 31. Dezember noch abgeltungsteuerfreie Kursgewinne bieten. Mit einer Mischung aus Industriepapieren, wenigen Bankschuldverschreibungen, Pfandbriefen und Staatsanleihen plus einem Schuss Spekulation auf Fremdwährungen aus Rohstoffländern wie Südafrika, Kanada oder Norwegen haben Anleger gute Chancen, über ihr Rentendepot zumindest die Inflation schlagen zu können – selbst dann, wenn sie dank EU-Richtlinien in den kommenden Jahren kaum noch klein gestückelte Anleihen kaufen können.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%