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Generation Z Offenen Auges in die Rentenlücke

Offenen Auges in die Altersarmut: Auf dem Weg zur Rente lauert nicht nur für die Generation Z ein Abgrund Quelle: imago images

Die gesetzliche Rente wird im Alter nicht reichen, schon gar nicht für die heute Jungen. Ausgerechnet die legen jedoch ein erstaunlich verklärtes Verständnis von Geld und Rente an den Tag, wie eine neue Studie zeigt.

Dass die Rente sicher sei, glaubt heute keiner mehr. Das sollte man zumindest meinen. Doch ausgerechnet bei der sogenannten „Generation Z“ scheint sich ein verklärtes Bild der Rente festgesetzt zu haben. Ausgerechnet bei jenen im Teenager- und Twen-Alter also, für die die Rente so unsicher ist wie niemals zuvor.

Das legt zumindest die Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen 2019“ des Versorgungswerks MetallRente nahe. Forscher der Hertie School of Governance befragten hierfür 2500 Menschen zwischen 17 und 27 Jahren. Und deren Antworten zeigen: Wenn sie nicht umlenken, bekommen sie im Alter ein Problem.

Auf ein Umlenken deuten die Daten jedoch nicht hin, ganz im Gegenteil: Seit 2010 hat die Bereitschaft zu sparen deutlich abgenommen. Nur 48 Prozent der Befragten legen Geld fürs Alter zurück. 2010 waren es noch 55 Prozent. Regelmäßig sparen sogar nur 32 Prozent und damit sieben Prozentpunkte weniger als 2010.

Das mag einerseits mit einer überraschend anmutenden Staatsgläubigkeit zusammenhängen. So bejahen ganze 84 Prozent der Jungen die Aussage „Wenn der Staat es wirklich will, kann es auch in Zukunft eine gute Rente geben“. Noch alarmierender: 56 Prozent der Jugendlichen, die zwar sparen, aber nicht fürs Alter, sind überzeugt, dass allein der Staat für die Altersvorsorge zuständig sei.

Dabei ist den meisten durchaus bewusst, dass es Probleme mit der Rente geben könnte. Fast neun von zehn Befragten gehen davon aus, länger als bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten zu müssen. In etwa ebenso viele geben an, dass ohne private Vorsorge künftig immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen sein dürften. Zum Sparen treibt sie das offenbar trotzdem nicht.

Dieser Widerspruch liegt auch am geringen Wissensstand der „Generation Z“. Weniger als ein Drittel kennt sich mit Altersvorsorge und Finanzen aus. Kein Wunder also, dass neun von zehn jungen Erwachsenen sich verständliche Informationen über Altersvorsorge wünschen, gerne auch als Schulfach.

Viel Anklang findet auch die Idee eines Übersichtsportals, das für jeden seine Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge aufführt. Tatsächlich gibt es solche Portale in anderen Ländern wie etwa den Niederlanden bereits. Sie tragen dazu bei, dass deren Systeme in Rentenvergleichen besser abschneiden als Deutschland.

Ein weiterer Aspekt „à la Niederlande“, den sich der Studie zufolge auch junge Deutsche wünschen, ist ein kollektives System der privaten oder betrieblichen Altersvorsorge. Erst vorige Woche haben auch die Verbraucherzentralen den Plan einer automatischen betrieblichen Altersvorsorge für alle vorgestellt – und damit offenbar gerade bei den jungen Menschen einen Nerv getroffen.

Der Vorschlag sieht vor, dass jeder Arbeitnehmer automatisch über seinen Arbeitgeber vier Prozent seines Gehalts fürs Alter zurücklegen soll, es sei denn, er entscheidet sich aktiv dagegen. Ein solches „Opt-Out“ genanntes Modell wünschen sich 88 Prozent der befragten „Z-ler“. Gäbe es dazu noch einen Arbeitgeberzuschuss, erhöht sich die Zustimmung sogar auf 92 Prozent. Ein solcher Zuschuss ist zumindest im Modell der Verbraucherzentralen jedoch nicht vorgesehen.

So gewünscht sie auch sein mögen, bislang existieren zusätzliche, kollektive Säulen der Altersvorsorge ohnehin nur in der Theorie. So lange das so bleibt, droht den heute Jungen im Alter ein böses Erwachen. Das gilt vor allem für Frauen, die der Umfrage zufolge deutlich weniger zurücklegen als Männer. Zudem planen sie fast doppelt so oft, beruflich zurückzustecken, sollten sie einmal Kinder bekommen – freilich mit Folgen für ihren gesetzlichen Rentenanspruch.

Dass die 17- bis 27-Jährigen so wenig sparen, lastet die Studie auch der Situation auf dem Arbeitsmarkt an. So hielten befristete Arbeitsverhältnisse und Niedriglohnjobs vom Sparen ab, moniert Heribert Karch, Geschäftsführer des Versorgungswerks MetallRente.

Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass der Arbeitsmarkt die heute Jungen mit deutlich offeneren Armen empfängt als die Generationen vor ihnen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt mit unter fünf Prozent auf einem Rekordtief. Und selbst wenn die Konjunktur sich abkühlt, dürften die vielen Babyboomer, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, für ausreichend offene Stellen sorgen.

Natürlich gibt es immer Menschen, die zu wenig verdienen, um ausreichend für Alter vorsorgen zu können. Doch das Problem der Generation Z geht weit darüber hinaus, wie eine weitere Zahl verdeutlicht. Ausgerechnet bei denen, die Vollzeit arbeiten, ist die Altersvorsorge am stärksten eingebrochen, nämlich von 76 auf nur noch 62 Prozent. Ausgerechnet ein Großteil derer, die es sich leisten könnten, taumelt also offenen Auges in Richtung Altersarmut. 

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