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Gesetzliche Krankenkassen Wann sich der Wechsel lohnt

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Leistungen vor Beiträgen

"Wer zufrieden ist, sollte ruhig bei seiner Krankenkasse bleiben", sagt Kranich. Gerade für Versicherte, die viele Leistungen in Anspruch nehmen müssen, wie chronisch Kranke, ist der Service der Kasse oft wichtiger als ein etwas höherer oder niedrigerer Beitrag. Zudem sollten sich Wechsler über die Folgen im Klaren sein: "Schnäppchenjäger verbessern das System nicht", sagt Kranich. Solange die Branche nicht digitaler wird, steigen durch häufige Wechsel die Verwaltungskosten, etwa durch die Ausgabe von neuen Gesundheitskarten. Versicherte sollten bei ihrer Wechselentscheidung also langfristig denken und genau überlegen, ob sich der Aufwand lohnt. Dazu gehört auch die Überlegung, dass eine Kasse, die heute vergleichsweise günstig ist, im kommenden Jahr schon über dem Durchschnitt liegen kann.

Was Sie über IGeL-Behandlungen wissen müssen
Was sind IGeL-Leistungen?Gesetzlich Versicherte erhalten nicht jede ärztliche Behandlung auf Krankenschein. Wer Leistungen in Anspruch nimmt, die nicht im Kassenkatalog aufgeführt sind, muss sie selber zahlen. Die Rede ist von „Individuellen Gesundheitsleistungen“, kurz IGeL. Ärzte verkaufen die IGeL-Behandlungen gerne: Die können sie anschließend den Patienten gesondert in Rechnung stellen. Quelle: dpa
Was sind die beliebtesten IGeL-Behandlungen?IGeL-Leistungen reichen von A wie Akupunktur zur Migräneprophylaxe bis U wie Ultraschall der Eierstöcke. Letzterer zählt nach Angaben der Krankenkassen und des IGeL-Monitors des Medizinischen Dienstes (MDS) zu den am häufigsten genutzten Angeboten. Das gilt auch für Glaukom-Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt und Verfahren der Alternativmedizin. Quelle: dpa/dpaweb
Welchen Nutzen haben IGeL-Angebote?Der MDS, sprich die Wissenschaftler des IGeL-Monitors, bewertet seit gut drei Jahren die einzelnen Behandlungen, insgesamt 37 IGeL-Leistungen sind bisher analysiert worden. Die Ergebnisse sind nicht besonders erfreulich. 16 Angebote wurden von den Wissenschaftlern als negativ oder tendenziell negativ bewertet, 13 waren unklar und nur vier Leistungen waren tendenziell positiv. Quelle: dpa
Sind IGeL generell notwendig?Bei den privaten IGe-Leistungen ist die Frage der Notwendigkeit schwer zu beantworten. Wären die Behandlungen lebenswichtig, würden sie von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Laut Gesetz müssen deren Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Trotzdem können einige IGeL-Angebote für den jeweiligen Patienten Sinn machen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Patienten sich schon vor dem Arztbesuch umfassend informieren und wissen, dass sie die Kosten selbst tragen müssen. Quelle: dpa
Wie werden IGe-Leistungen "verkauft"?Besonders viele Angebote unterbreiten Frauen- und Zahnärzte. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse werden jedem zweiten Patienten private Leistungen angeboten. Für Mediziner gibt es sogar spezielle Verkaufsseminare, in denen die Männer und Frauen im weißen Kittel lernen, IGeL zu verkaufen. In Frauenarztpraxen beispielsweise gibt es oft einen regelrechten Katalog - bei Ankunft in der Praxis kann die Patientin ankreuzen, welches Angebot sie in Anspruch nehmen und privat bezahlen will. Quelle: dpa
Was müssen Patienten beachten?Zunächst sollten sich Patienten ausführlich von ihrem Arzt beraten lassen. Wer Zweifel hat, kann die Meinung eines zweiten Arztes einholen. Je nachdrücklicher der Arzt ihnen die Leistung aufdrängt, desto größer sollten die Zweifel sein. Quelle: dpa
Nicht erpressen lassen!Patienten berichten von Ärzten, die es mit der Wahrheit beim IGeL-Verkauf nicht so genau nehmen. So berichtete eine Frau der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sie habe den Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung nicht zahlen wollen. Die Ärztin habe daraufhin eine Unterschrift von der Patientin verlangt, um nachweisen zu können, sie über die Leistung aufgeklärt zu haben. Suggeriert werden sollte damit, so die Patientin, die Kasse könnte im Ernstfall die notwendige Behandlung nicht zahlen. Laut den Verbraucherschützern müssen Patienten ein solches Formular keinesfalls unterschreiben. Die gesetzliche Kasse zahlt bei Erkrankungen auch, wenn private Vorsorgeleistungen im Vorfeld abgelehnt wurden. Quelle: dpa

Wer wechseln möchte, sollte das aufgrund der Leistungen machen und weniger nach dem Beitrag gehen. "Die Leistungen der gesetzlichen Kassen sind zu 95 Prozent gleich", erklärt das gemeinnützige Verbraucherportal Finanztip. Mit den restlichen Zusatzleistungen aber kämpften die Versicherungen um die Mitglieder. Kassenvergleiche geben Verbrauchern Orientierung, auch Hinweise aus dem Freundeskreis sind hilfreich. Welche Vorsorgeleistungen zahlt die Kasse? Werden alle Impfungen übernommen, also auch exotische Reiseimpfungen? Gibt es ein Bonusprogramm, mit dem ich für ein gesundes Leben belohnt werde? Wie viel zahlt die Kasse für zahnärztliche Untersuchungen? Unterstützt die Versicherung alternative Medizin? Wie viele Leistungen bietet die Kasse im Fall einer Schwangerschaft? Sind meine Kinder genauso gut versichert wie ich? All diese Fragen können für Versicherte eine Rolle spielen und sollten vor einem Wechsel individuell beantwortet und gewichtet werden.

Leistungen im Fokus

Zumindest bisher scheint es, als würden Versicherte bei einem Wechsel tatsächlich stärker auf die verbesserten Leistungen achten, also auf höhere Beiträge. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine aktuelle Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK. Demnach legen 36,8 Prozent der Versicherten Wert auf "gute und ergänzende Leistungen" sowie die Frage, welche Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Für die Umfrage wurden im dritten Quartal 2015 rund 2000 Versicherte befragt. Serviceorientierung und gute Betreuung sind dagegen nur für 23,8 Prozent ausschlaggebend. Lediglich für 3,4 Prozent der Befragten ist der Preis allein ausschlaggebend für einen Wechsel.

Das ist zunächst eine gute Nachricht für die teuren Kassen, wie die Viactiv, und die zweitteuerste Kasse, die DAK. Die Hamburger verlangen immerhin 16,1 Prozent und drohen erneut, zahlreiche Mitglieder zu verlieren. Schon 2011 kündigten rund 500.000 Versicherte ihre DAK-Mitgliedschaft. Damals erhob die Kasse einen Zusatzbeitrag von acht Euro pro Monat, welchen die Mitglieder gesondert an die Versicherung überweisen mussten. Die DAK war zu der Zeit die einzige große Kasse, bei der es so einen Zusatzbeitrag gab.

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