Gesundheitssystem Kassenbeiträge könnten auf 17 Prozent steigen

Kassenpatienten müssen sich künftig auf steigende Versicherungsbeiträge gefasst machen. Die Gesundheitsreform der Großen Koalition soll in den nächsten drei Jahren zu deutlichen Belastungen für Versicherte führen.

Schwarz-Rote Kompromisse
Gesundheits- und PflegepolitikMit Zustimmung der Parteivorsitzenden vereinbarten die Fachpolitiker, dass der von Krankenkassen erhobene Zusatzbeitrag künftig nicht mehr pauschal, sondern einkommensabhängig erhoben wird. Der allgemeine Beitragssatz soll bei 14,6 Prozent fixiert werden. Heute liegt der Beitragssatz bei 15,5 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei 7,3 Prozent eingefroren. Der Pflegebeitragssatz soll spätestens zum 1. Januar 2015 um 0,3 und später um weitere 0,2 Prozentpunkte erhöht werden. Gefahr: Ein Sozialausgleich aus Steuermitteln ist anders als bei den pauschalen Zusatzbeiträgen nicht mehr vorgesehen. Klamme Krankenkassen könnten mit den Beiträgen nicht auskommen. Folgen: Kassenmitgliedern könnten zusätzliche Lasten aufgebürdet werden. Einzelne Kassen in Finanzsorgen könnten von ihren Mitgliedern einen prozentualen Zusatzbeitrag verlangen. Quelle: dpa
Die Ziffern 8,50, symbolisch fuer die Forderung eines Mindestlohns von 8,50 Euro, stehen in Berlin vor dem Bundeskanzleramt bei einer Aktion des Duetschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Quelle: dapd
Ein Mitarbeiter des Autobauers Mercedes Benz hält am 24.02.2011 in Sindelfingen vor dem Werk ein Plakat mit der Aufschrift «Gleiche Arbeit? Gleiches Geld!» in die Höhe. Quelle: dpa
Zwei Rentner sitzen mit einer jüngeren Dame auf einer Bank am Ammersee. Quelle: dapd
Eine alte Dame sitzt in einem Seniorenheim in Berlin-Kreuzberg und hat Geldscheine in den Händen. Quelle: dpa
Eine Mutter hält beim Kochen ihr Kleinkind auf dem Arm. Quelle: dpa
Stromleitungen und Windkraftanlagen stehen vor dem Kohlekraftwerk in Mehrum (Niedersachsen) Quelle: dpa
Ein Mitarbeiter eines Alten-und Pflegeheims hält die Hand einer Bewohnerin. Quelle: dpa
Ein Lkw fährt auf der A 98 bei Waldshut-Tiengen an einem Maut-Schild vorbei. Quelle: dpa
Ein Wohnungsgesuch hängt am 05.11.2012 in Köln (Nordrhein-Westfalen) in der Nähe der Universität an einem Laternenpfahl. Quelle: dpa
Polizisten stehen vor dem Tor des Schlachthofs in München. Polizei und Zoll führten eine Razzia gegen Schwarzarbeiter durch. Quelle: dpa/dpaweb

Den gesetzlichen Krankenversicherern fehlt Geld: Zuletzt stiegen die Ausgaben für Kliniken, Arzneimittel und Ärzte um rund vier Prozent pro Jahr, weitere Kostenschübe sind absehbar. Außerdem gibt es immer wieder neue, oft teure Therapien, die das Leben verlängern, aber Krankheiten nicht unbedingt heilen. Der Anteil der Älteren steigt. Gesundheitsministerium und Bundesversicherungsamt gehen davon aus, dass der Krankenversicherung bereits 2017 zehn Milliarden Euro fehlen. Die Versicherten dürften dies mit höheren Beiträgen bezahlen. Laut dem Kieler Ökonomen Thomas Drabinski fehlen bis zum Jahr 2060 rund 1128 Milliarden Euro.

Gegenüber der Bildzeitung safte Drabinski, dass deshalb die Krankenkassenbeiträge bis zum Jahr 2017 auf durchschnittlich 17 Prozent ansteigen werde - von derzeit 15,5 Prozent. Für einen Angestellten, der 3000 Euro pro Monat verdient, wäre das eine monatliche Mehrbelastung von bis zu 45 Euro.

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"Der neue prozentuale Zusatzbeitrag wälzt die Kostensteigerungen vollständig und einseitig auf Lohn-, Gehalts- und Rentenempfänger ab", so Drabinskis Begründung. Dabei hatten noch in diesem Jahr zahlreiche Krankenkassen einen Überschuss erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr 2013 waren es insgesamt 1,2 Milliarden Euro mehr Einnahmen als erwartet. Die Verbraucher konnten sich freuen, sie bekamen Prämien oder Extraleistungen wie beispielsweise die Übernahme der Kosten fürs Fitnessstudio. Damit soll ab 2015 Schluss sein: Schon ab dem Jahr 2015 sollen die ersten Kassen ihre Beiträge erhöhen.

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