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Grippeimpfungen Krankenkassen riskieren Impfstoff-Knappheit

Dass Krankenversicherungen aus Kostengründen Verträge mit Pharmafirmen haben, ist nicht neu. Jetzt erhebt der Pharmaverband den Vorwurf, dass es dadurch zu Impfstoffengpässen kommt.

Die Tricks der Krankenversicherer
Mit günstigen Preisen lockenWer sich im Internet für Krankenversicherung interessiert, findet ganz schnell auch Anzeigen, in denen eine private Krankenversicherung für 49 Euro im Monat versprochen wird. Experten raten ab: In nur ganz wenigen Fällen kommen solche Beiträge überhaupt zustande. Wer so wirbt, hat meist nur ein Ziel: Die Daten des Interessenten einsammeln. Quelle: dpa
Adressen weiter verkaufenIm Internet sind viele professionelle Adressenhändler unterwegs. Wer seine Daten in einem scheinbar unabhängigen Portal für einen kostenlosen Vergleich eingibt, muss damit rechnen, dass er später mit Emails oder Anrufen bombardiert wird. Denn die Adressensammler verkaufen die Kontaktdaten an interessierte Vermittler weiter, die genau wissen, wie sie einen Versicherungsvertrag am besten verkaufen. Quelle: gms
Gierige Vermittler rausschickenNur wer eine private Krankenversicherung tatsächlich auch verkauft, verdient in der Vermittlerbranche Geld damit. Denn nur dann kassiert er Provision. Das Prinzip dabei: Je höher der Monatsbeitrag des Kunden, umso besser die Provision des Verkäufers. Nach den neuen Regeln wird der Monatsbeitrag hier in der Spitze mit dem Faktor neun multipliziert. Früher ging es bis zum Faktor 15 hoch. Quelle: dpa
Hohen Eigenanteil aufbrummenDas Prinzip in der privaten Krankenversicherung: Je mehr der Kunde im Falle einer Krankheit selbst bezahlt, umso niedriger wird sein Monatsbeitrag. Wer also einen Selbstbehalt von mehreren hundert bis zu 1000 Euro vereinbart, hat die Chance auf Prämien von weniger als 200 Euro. Quelle: dpa
Rechnungen nur teilweise zahlenJeder Versicherer hat seine eigenen Bedingungen. Daraus ergibt sich, was er im Zweifel bezahlt und was nicht. Für den Kunden ist das von vornherein schwer ersichtlich, deshalb haben die Analysten von Franke & Bornberg einen Index mit typischen Krankheiten gebildet und so das Leistungsniveau von unterschiedlichen Tarifen simuliert. Oft liegt das Erstattungsniveau der Billigtarife dabei nur zwischen 50 und 70 Prozent. Quelle: dpa
Teure Krankheiten ausschließenDie private Krankenversicherung (PKV) wirbt gerne damit, dass sie deutlich mehr leistet als die gesetzliche Krankenversicherung. In Billigtarifen wird jedoch die Leistung für bestimmte Krankheiten von vornherein ausgeschlossen. Dazu zählen etwa Behandlungen durch Psychologen, Wahlleistungen im Krankenhaus, Zahnleistungen oder die freie Arztwahl. Quelle: dpa
Prämien schnell erhöhenViele Krankenversicherer lockten Kunden in Billigtarife und hoffen, dass sie bald in höherwertige und teurere Tarife wechseln. Diese Rechnung ist in vielen Fällen jedoch nicht aufgegangen. Im Gegenteil: Viele Kunden in Einsteigertarifen zahlen sogar gar nichts mehr. Die Kosten tragen alle Versicherten im jeweiligen Kollektiv. Die Folge sind satte, zweistellige Prämienerhöhungen. Quelle: dpa

Wer mit einem Rezept in die Apotheke geht, bekommt nicht unbedingt das Mittel, das der Arzt auch verordnet hat. Je nach dem, bei welcher Krankenversicherung der Patient versichert ist, gibt es statt des verordneten Originals eben die günstige Alternative von einem anderen Hersteller. Um die Ausgaben für Medikamente möglichst gering zu halten, haben die Versicherungen entsprechende Rabattverträge mit Pharmafirmen. Allein in den ersten drei Quartalen des Jahres 2012 konnten sich die Kassen durch entsprechende Verträge mit den Pharmafirmen Rabatte in Höhe von 1,4 Milliarden Euro sichern.

Ganz ähnlich wird auch mit den Impfstoffen für saisonale Erkrankungen, in diesem Fall der Grippe, verfahren: Die Versicherungen machen eine Ausschreibung und der Hersteller mit dem günstigsten Angebot bekommt den Zuschlag. Derzeit haben gesetzliche Krankenversicherer in elf von 18 Kassen-Regionen ihre Ausschreibung für die Grippeschutzimpfung schon getätigt. Viele haben bereits einen Exklusivvertrag mit einem Hersteller abgeschlossen, heißt es seitens des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa). An sich kein Problem: Wie auch in der Apotheke gibt es dann im Zweifelsfall eben ein günstiges Alternativ-Präparat.

Entscheidungshilfe: Gesetzlich oder privat versichern?

Für die Saison 2012/13 sind in Deutschland 16 Impfstoffe gegen die saisonale Grippe (Influenza) zugelassen. Einige davon sind speziell für Senioren und Kinder geeignet, die besonders gefährdet sind. Die Grippeimpfstoffe lassen sich allerdings nicht auf Vorrat herstellen, weshalb der vfa jetzt warnt, dass die Sparpolitik der Kassen zu einem erneuten Impf-Engpass führen könnte. Eine starke Nachfrage wie im vergangenen Winter könnte die Hersteller überfordern. Die Exklusivverträge erlauben es den Kassen in solchen Fällen aber nicht, auf andere Anbieter auszuweichen. Kommt der jeweilige Hersteller mit der Produktion also nicht hinterher, haben die Versicherten schlicht Pech.

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"Das Problem ist nicht neu. Deshalb ist es unverständlich, dass die Kassen aus dem Schaden nichts gelernt haben", sagt Birgit Fischer, die Hauptgeschäftsführerin des vfa. Die Kassen "setzen weiterhin auf Exklusivausschreibungen, um so wenig wie möglich für die Grippeimpfung auszugeben, und nehmen möglicherweise Versorgungsprobleme in Kauf." Ein Umdenken sei nötig, so Fischer: "Statt der Exklusivverträge brauchen wir Kooperationsvereinbarungen zwischen Herstellern und Kassen, die die Impfziele in den Vordergrund stellen." Das würde den Kassen letztlich auch mehr Geld sparen helfen als die herkömmlichen Rabattverträge mit den Anbietern; denn weniger Grippe-Kranke wären dann in Deutschland ärztlich zu versorgen.

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