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Haftpflichtversicherung Mehr Leistung für das gleiche Geld

Missgeschicke passieren – genau deshalb braucht jeder eine Haftpflichtversicherung. Im Zweifel übernimmt sie Millionenschäden. Immer mehr Anbieter haben in den vergangen Jahren die Tarife aufgestockt. Das Tool der Woche.

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Ups, wer hätte das gedacht: Das Sparpotenzial bei einem Wechsel kann üppig ausfallen. Aber auch die Leistungen zählen. Quelle: Getty Images

Düsseldorf Es ist eine Verkettung unglücklicher Umstände, ausgelöst durch eine Unachtsamkeit – doch es endet in der Katastrophe: An einer unübersichtlichen Kreuzung nimmt ein Fahrradfahrer versehentlich einem Tanklaster die Vorfahrt. Während der Radfahrer unbeschadet zum Stehen kommt, muss der Truck ausweichen. Er schleudert, kracht in ein Einfamilienhaus, der Tank läuft aus, das Haus fängt Feuer und brennt ab. Schadenshöhe: ein zweistelliger Millionenbetrag.

Schuld hat in diesem Falle der Radfahrer, er muss – so schreibt es das Bürgerliche Gesetzbuch vor – Schadensersatz leisten. Doch kein Mensch könnte eine derartige Summe aus eigener Tasche bezahlen. Die Private Haftpflichtversicherung springt in solchen Fällen ein. „Die wichtigste Sachversicherung ist die private Haftpflichtversicherung“, sagt vor dem Hintergrund auch Stefan Albers, Vorstand des Bundesverbandes der Versicherungsberater (BVVB).

„Jeder sollte sie haben“, um genau solche Kollateralschäden abzudecken, schreibt auch die Verbraucherzentrale NRW in ihrem Ratgeber „Gut versichert“. Wer sie nicht hat, riskiert alles. Denn – und auch das regelt das Gesetz – im Schadensfall haftet der Verursacher unbegrenzt, „das heißt er kann für den Rest seines Lebens zu Schadensersatzforderungen herangezogen werden.“ Nicht selten führt das in die Privatinsolvenz.

Umso wichtiger ist es, dass in der Haftpflichtpolice ein ausreichend hohe Versicherungssumme – also eine hohe maximale Haftungssumme für Personen- und Sachschäden – vereinbart ist. Die gute Nachricht für Versicherungskunden: Immer mehr Anbieter stocken den Versicherungsschutz von sich aus auf.

„Wir beobachten bei den angebotenen Tarifen einen Trend zu höheren Versicherungssummen“, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen. Vor Jahren noch war eine Haftung bis zu drei Millionen Euro ganz normal, bestätigt auch ein großer Haftpflichtversicherer. Mittlerweile böten viele Policen zehn Millionen Euro Haftungssumme und mehr an, ohne dass die Prämien deshalb mehr als gewöhnlich ansteigen würden.

„Eine Erhöhung ist fällig“, schreibt dazu auch die Zeitschrift „Finanztest“. Schließlich seien auch die Behandlungskosten bei Personenschäden in den vergangenen Jahren gestiegen. Und auch Reparaturleistungen an Gebäuden würden heute mehr kosten als noch vor Jahren. „Die Versicherer reagieren auf diese Entwicklung und heben den Versicherungsschutz entsprechend an“, sagt Joachim Geiberger von Morgen & Morgen.

Einen Überblick darüber, welche Anbieter einen angemessen hohen Versicherungsschutz möglichst günstig anbieten, bietet jetzt ein neues Vergleichstool auf Handelsblatt Online. Die Versicherungssumme im Schadensfall ist allerdings nur eines von einem Dutzend Kriterien, zu denen Verbraucher dort Angaben machen können.


„Die Tücken liegen im Detail“

Relevant für den Preis der Police ist zum Beispiel auch, wer mitversichert werden soll, die restliche Familie, Kinder unter sieben Jahren, die noch deliktunfähig sind, oder auch der Hund. „Bei der Haftpflichtversicherung liegen die Tücken im Detail“, warnt darüber hinaus Stefan Albers vom Beraterverband BVVB.

Über den Grundschutz hinaus, müssten Verbraucher je nach aktueller Lebenssituation immer wieder aufs Neue beurteilen, welchen Zusatzschutz sie vereinbaren wollen – und welchen sie vielleicht nicht mehr brauchen. „Thema Schlüsselrisiko“, nennt Stefan Albers ein Beispiel. Wer im Besitz beruflicher Schlüssel ist, muss dies ausdrücklich in der Privathaftpflicht mitversichern, „sonst zahlt er, wenn er den Schlüssel verliert, im schlimmsten Fall den Austausch der gesamten Schlüsselanlage selbst. Da können schnell einmal 20.000 Euro zusammenkommen.“ Den Schlüsselverlust können Verbraucher beim Tool ebenfalls als Option mit angeben.

Daneben zählt die Verbraucherzentrale NRW noch eine Reihe weitere Punkte auf, auf die Versicherte Acht geben sollten: „Die Privathaftpflicht zahlt zum Beispiel in der Regel nicht für Schäden, die beim Be- oder Entladen des Autos, zum Beispiel durch einen Einkaufswagen, entstehen“, heißt es im Ratgeber.

Der Versicherer haftet außerdem nicht, wenn jemand einem Dritten sogenannte „Gefälligkeitshandlungen“ entgegenbringt, etwa dem Nachbarn beim Renovieren hilft und dabei etwas zerbricht. Wer vorsätzlich einen Schaden verursacht, ist ebenfalls von der Leistung ausgeschlossen, ebenso Schäden, die der eigene Hund, das Pferd oder Wildtiere angerichtet haben – hier wird ein Extraschutz fällig.

Schließlich war es bislang die Regel, dass Versicherungen nicht bezahlt haben, wenn ein geliehener oder gepachteter Gegen-stand, während ihn ein Dritter benutzte, kaputt gegangen ist – zum Beispiel eine Videokamera. Wie die Stiftung Warentest allerdings in ihrer aktuellen Analyse von Privathaftpflichtversicherungen schreibt, hätten die Versicherer „vor allem beim Versicherungsschutz bei Schäden an ge-liehen Sachen nachgelegt.“ Der angebotene Schutz werde, bei stabiler Prämie, besser.

Zuletzt ist es noch wichtig zu wissen, welche besonderen Risiken abgesichert sein sollten. So sollte laut Verbraucherzentrale NRW kein Mieter auf den Schutz bei Mietschäden verzichten. Diese Zusatzklausel greift, wenn der Mieter selbst oder auch seine Angehörigen in der Wohnung Schäden anrichten.


Ein ordentlicher Grundschutz ist nicht teuer

Ein Bauherr sollte sich dagegen absichern, dass Unfälle auf dem Baugrundstück passieren, wer eine Ölheizung hat, sollte eine sogenannte „Gewässerschadenhaftpflicht“ abschließen, die greift, wenn der Öltank leckt und das Erdreicht verseucht. Für alle Verbraucher gilt, sich über die sogenannte „Forderungsausfalldeckung“ Gedanken zu machen. Diese greift, wenn der eigentliche Verursacher des Schadens den Ersatz aus eigener Tasche nicht leisten kann.

„Preise und Leistungen sind bei dieser Zusatzklausel sind sehr unterschiedlich“, schreibt die Verbraucherzentrale NRW dazu, man müsse mit „einem fast doppelt so hohen Beitrag wie für die normale Privathaftpflicht“ rechnen. Auch ist bei der Ausgestaltung der Klausel Vorsicht geboten: Meist zahlt die Versicherung nur, wenn man den Verursacher verklagt und eine Zwangsvollstreckung gescheitert ist. „Das Angebot ist ein zweischneidiges Schwert für denjenigen, der nicht gleichzeitig die Kosten für einen Haftpflichtprozess gegen einen Mittellosen mitversichern.“

Haftpflichtversicherungen mit ordentlichem Grundschutz sind in der Regel nicht teuer. Wie eine Analyse von Morgen & Morgen zeigt, könnte sich eine vierköpfige Familie bereits ab rund 59 Euro im ersten Jahr versichern, wenn sie auf ein Angebot des Versicherers Janitos zurückgreifen würde. Das Angebot funktioniert so, dass der Kunde im zweiten Jahr rund 72 Euro, nach drei Jahren und darüber hinaus dann jährlich 84 Euro bezahlen würde. Alternativ bieten die Haftpflichtkasse Darmstadt und Interrisk Tarife mit einem Jahresbeitrag von rund 74 beziehungsweise 75 Euro an. (Details s. Tabelle).

Ein 26-jähriger Single könnte sich dagegen sogar schon ab rund 39 Euro im ersten Jahr bei Janitos versichern. Auch hier würde die Prämie jedoch in zwei Stufen bis zum dritten Jahr auf rund 56 Euro steigen. Alternativ könnte sich der Single bei Astra, Interrisk oder VHV für um die 50 Euro jährlich versichern (Details s. Tabelle). Grundsätzlich gilt: Wer für Kleinschäden selbst aufkommt, kann den Beitrag noch einmal drücken.

„Wenn man einen Selbstbehalt bis zu 130 Euro pro Schadensfall vereinbart, senkt sich in der Regel die Prämie auf die Hälfte bis zwei Drittel“, sagt Stefan Albers. „Es ergibt mehr Sinn, 50 Millionen Euro Versicherungssumme zu haben, mit 120 Euro Selbstbehalt, und dafür 50 Euro zu bezahlen, als 100 Euro für eine Versicherungssumme von nur drei Millionen ohne Selbstbehalt.“

Lesen Sie in den verbleibenden zwei Wochen donnerstags alles Wichtige rund um die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung (4.12.) und Rechtsschutzversicherung (11.12.). In der Handelsblatt-Online-Versicherungsserie bereits erschienen sind die Texte zum allgemeinen Versicherungsschutz (31.10.), zur Kfz-Versicherung (6.11.), Privaten Krankenversicherung (13.11.) und Risikolebensversicherung (20.11.).

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