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Hausratversicherung Vorsicht, Einbrecher!

Die Zahl der Einbrüche steigt, genauso wie die Schäden. Mehr als eine halbe Milliarde Euro zahlen Versicherer dafür schon. Worauf Verbraucher achten, um ihr Geld zu bekommen. Wer guten Schutz und günstige Prämien bietet.

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Ein vermummter Einbrecher betritt über eine Terrassentür eine Wohnung. Die Zahl der Einbrüche steigt, immer häufiger muss daher die Hausratversicherung zahlen. Quelle: dpa

Düsseldorf
Eine private Haftpflicht braucht jeder – genauso wie eine Krankenversicherung. Denn wenn etwas passiert, kann das die finanziellen Möglichkeiten schnell überfordern. Doch sollte man auch sein Hab und Gut versichern? Also eine Hausratversicherung abschließen? Das ist zwar nicht existenziell, aber dennoch sinnvoll. Deshalb haben auch drei Viertel der Deutschen solch eine Versicherung.

Jeder kennt ja diese Geschichten: Plötzlich ein Feuer aus. Grund: ein Kurzschluss. Schuld war niemand, doch die Wohnung ist hin – und alles, was darin gelagert war. Auf den Kosten bleiben die Betroffenen sitzen, denn niemand besitzt eine Hausratversicherung.

Brände kommen häufiger vor als gedacht, wie der Branchenverband GDV ermittelt hat. Rund 400 Millionen Euro im Jahr zahlen die Versicherer deswegen. Noch häufiger sind Schäden durch Einbrüche. Vor einigen Jahren entstanden hier Versicherungsschäden von 460 Millionen Euro, inzwischen sind es knapp 600 Millionen Euro.

Hohe Schäden – und das in einer Versicherung, die gar nicht so teuer ist. Im Internet locken die Anbieter schon mit Prämien von zwei Euro im Monat für eine Hausratversicherung. Natürlich ist aber alles nicht so einfach. Denn der Preis hängt am Ende zum Beispiel von der Größe der Wohnung und dem Wert des Eigentums ab. Und auch vom Wohnort.

Vergleiche der Verbraucherschützer von „Finanztest“ und „Öko-Test“ ergaben für eine Durchschnittswohnung wesentlich höhere Werte. Allerdings lohnen sich Preisvergleiche, denn die Unterschiede sind gewaltig. Bei gleichem Leistungsniveau zahlt man beim teuersten Anbieter bis zu vier Mal so viel wie beim günstigsten Versicherer.

Entscheidend für die Kunden ist am Ende, ob der jeweilige Tarif auf ihre Bedürfnisse passt. Dabei sollten sich Verbraucher ein wenig Zeit nehmen und Angebote vergleichen. Denn das Spektrum der Angebote ist sehr breit, wie das Analysehaus Franke und Bornberg aus Hannover gegenüber Handelsblatt Online feststellt. Worauf Verbraucher achten sollten.


Darauf achten Verbraucher

In der Hausratversicherung wird in der Regel das Inventar eines Haushalts gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruch, Raub und Vandalismus geschützt. Darüber hinaus sind in der Regel neben den reinen Sachschäden auch Aufräumkosten, Schutzkosten und Hotelkosten versichert.

„Hier sollte man aber schon etwas genauer hinschauen“, rät Christian Monke von Franke und Bornberg. Denn es gebe beträchtliche Unterschiede bei den Summen, die von den Versicherern maximal erstattet werden. Weitere Schadenskategorien können je nach Tarif eingeschlossen sein - das muss aber nicht unbedingt der Fall sein.

Zu den Kann-Faktoren in den Tarifen gehören Überspannungsschäden, aber auch Diebstähle. Wenn also zum Beispiel das Auto gestohlen wird oder die Geldbörse im Krankenhauszimmer, dann zahlt die Hausratversicherung nur, wenn dies explizit in der Police enthalten ist. Gleiches gilt für den Fahrraddiebstahl.

Bei Fahrrädern sollten die Verbraucher auch darauf achten, für welche Tageszeit und wo genau ein Fahrrad versichert ist. Je nach Qualitätsniveau sei auch unterschiedlich geregelt, wo der Hausrat versichert ist. Also: Sind der Keller, Außenräume und Nebengebäude im Umfang der Police enthalten?

Besonders wichtig für Verbraucher sei überdies: Wie geht der Versicherer vor, wenn der Versicherungsnehmer den Schaden grob fahrlässig verursacht hat? Einige Versicherer verzichten im Schadenfall vollständig auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit, manche nur bis zu einer bestimmten Schadenhöhe, andere kürzen ihre Leistungen.

Eine Unterversicherung sollte vermieden werden, rät Monke. Er empfiehlt, je Quadratmeter Wohnfläche eine feste Summe anzusetzen. Hier nehmen Versicherer in der Regel eine sogenannte Unterversicherungsverzichtsgrenze an. Diese liegt pauschal bei 650 Euro pro Quadratmeter.


Welche Tarife besonders gut sind

Wer sich nicht auf pauschale Summen einlassen will, kann auch eine Liste seines Hausrats erstellen und die Gegenstände mit dem aktuellen Neuwert ansetzen. Dazu gibt es spezielle Wertermittlungsbögen. „Hierbei wird allerdings häufig vergessen, die neu erworbenen Gegenstände nachträglich aufzuführen“, warnt Monke.

Das Analysehaus Franke und Bornberg prüft jeden Tarif in der Hausratversicherung nach 67 Kriterien und gewichtet diese dann. Richtschnur für das Rating sind Leistungsstärke und Kundenfreundlichkeit. In diesem Vergleich fällt auf: Besonders viele kleine Versicherer schneiden besonders gut ab.

Nicht jeder benötigt allerdings den höchstmöglichen Schutz oder will ihn sich leisten, weiß Monke. Deshalb werden die Tarife in Grundschutz, Standardschutz und Topschutz unterteilt. Toptarife beinhalten danach folgende Leistungen:
• Außenversicherung: Leistungsdauer mindestens drei Monate
• Bewachungskosten: Eine Bewachung der Wohnung nach einem Versicherungsfall ist mind. 48 Stunden gewährleistet
• Leitungswasser: Aquarien sind mitversichert
• Überspannungsschäden sind mitversichert
• Entschädigungsgrenze für Wertsachen mind. 20.000 Euro oder 20 Prozent der Versicherungssumme
• Fahrraddiebstahl: Der Diebstahl eines Fahrrads ist zwischen sechs und 22 Uhr versichert oder wenn sich das Fahrrad zur Zeit des Diebstahls in Gebrauch befand oder aus einem gemeinschaftlichen Fahrradabstellraum gestohlen wurde
• Für die Topnote FFF müssen darüber hinaus noch sehr gute Regelungen in Bezug auf Diebstahl, Verzicht bei „Grober Fahrlässigkeit“, Wertsachen sowie Obliegenheiten vorliegen.

Das wäre sozusagen der Mercedes unter den Hausrattarifen. Es geht jedoch auch schlanker und damit auch günstiger. Darüber hinaus sollten Verbraucher auf Klauseln achten, die unsinnig sind. So seien eine Reihe von Leistungen, die immer wieder von Versicherern
hervorgehoben werden, bei der Hausratversicherung kaum wichtig, warnt „Öko-Test“.


Tipps für Mieter und Hausbesitzer

Nicht so wichtig ist etwa, den Diebstahl von Wäsche auf der Leine in der Police zu berücksichtigen, oder die Entwendung des Holzkohlegrills von der Terrasse und die zusätzliche Glasversicherung. „Solche Schäden sind überschaubar. Viel wichtiger ist, dass Wertsachen ausreichend abgesichert sind“, rät der Versicherungsberater Jürgen Karpf aus Weiden bei Augsburg in „Öko-Test“.

Der Experte empfiehlt zudem, in jedem Raum einen Rauchmelder zu installieren. Dann werde man im Keller möglicherweise gerade noch rechtzeitig an die Pfanne auf dem Herd erinnert. Und man werde hoffentlich geweckt, bevor die vergessene Zigarette die Wohnung abbrennt.

Insgesamt lieferte der jüngste Vergleich von „Öko-Test“ vergleichsweise gute Ergebnisse: „Mangelhafte oder gar ungenügende Leistungen fanden wir im Gegensatz zu früheren Tests nicht – obwohl wir unsere Testkriterien eher verschärft haben.“ Sehr wohl gebe es aber teure Tarife, die nur gerade einmal eine „ausreichende“ Leistung aufweisen – also die Schulnote vier.

So habe nach dem Vergleich von „Öko-Test“ der große Versicherer Ergo in den Tarifen „Hausrat Spezial“ und „Hausrat“ ein „erhöhtes“, teils sogar „sehr hohes“ Preisniveau. Gleiches gelte für die VPV mit ihrem Tarif „Kompakt VHB 2014“, für die LVM mit „Hausrat“ und die Axa mit „Hausrat inklusive Baustein Fahrrad“. Diese Produkte kämen mit ihren Leistungen über den 4. Rang nicht hinaus – also die Schulnote vier.

Solche Ergebnisse hängen stark von der jeweiligen Testmethode ab. Dies zeigt zum Beispiel ein Vergleich von „Öko-Test“ und „Finanztest“. So hat die Tochter der Stiftung Warentest einen Kunden gewählt, der in einem massiv gebauten Einfamilienhaus mit 120 Quadratmeter Wohnfläche lebt. Herausgestellt wurden die Preise. „Öko-Test“ konzentrierte sich dagegen stärker auf die Leistungen.

„Finanztest“ hat zudem Preise für vier Städte abgefragt. Der Grund dafür: Viele Versicherer ordnen die Städte in vier Risikoklassen. Das hängt mit der Wahrscheinlichkeit zusammen, dass es zu Einbrüchen kommt. Fast die Hälfte der Schadenzahlungen erfolgt aus diesem Grund.


Was Vermittler über Hausratversicherer denken

Für Kunden ist es auch wichtig zu wissen, welches Produkt Unabhängige besonders gern empfehlen. Die Gründe für solche Empfehlungen können sehr vielfältig sein: Kundenservice, gute Leistungen des Anbieters, günstige Prämien, aber auch attraktive Provisionen für Vermittler.

Nach einer Umfrage der BBG Betriebsberatungs GmbH sind die VHV und die Haftpflichtkasse Darmstadt derzeit die Lieblinge der unabhängigen Vermittler in der Hausratversicherung. Alle drei Monate ermittelt die Gesellschaften Favoriten dieser Verkäufergruppe.

Die jüngste Umfrage beruhte auf Antworten von 333 Maklern und Mehrfachvertretern. VHV Allgemeine Versicherung AG und die Haftpflichtkasse Darmstadt VVaG wurden von jedem siebten unabhängigen Vermittler als Favorit genannt. Dahinter rangieren Interrisk Versicherungs-AG Vienna Insurance Group und Ammerländer Versicherung VVaG.

Bei dieser Umfrage folgen auf den Plätzen: Gothaer, Domcura, Helvetia, Generali und Basler. Interessant an dieser Rangliste ist: Bis auf Generali ist hier keiner der größten zehn Hausratversicherer dabei. Marktführer in diesem Segment ist – gemessen an den Bruttoprämien - die Allianz mit großem Abstand vor Axa, Generali, R+V und der Huk. Dies ermittelte der Branchenmonitor des V.E.R.S Leipzig, ein Spin-off des Instituts für Versicherungswissenschaften an der Uni Leipzig.

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