WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Hedgefonds & Co. Die dunkle Macht der Schattenbanken

Seite 2/6

Derivate-Bestand in Billionen Dollar

Legendär ist der Fall Brian Hunter: Anfang 2006 galt der damals 31-Jährige als Wunderknabe der Branche, bis er mit seinem US-Hedgefonds Amaranth in einer Woche sechs Milliarden Dollar verzockte. Hinter Amaranth steckten nicht irgendwelche dubiosen Investoren, sondern die systemrelevanten Kräfte der Finanzwelt, darunter die Deutsche Bank. Selbst den vielgefeierten Starmanager John Paulson hat es 2011 mächtig durchgeschüttelt: Er versenkte 500 Millionen Dollar in einem chinesischen Unternehmen namens Sino Forest.

Ohnehin bringen Hedgefonds im Schnitt bestenfalls so viel ein wie ein vernünftig gemischtes Depot aus Aktien, Edelmetallen, Anleihen und Bargeld. 2011 liegen nach dem Index des Informationsdienstes Eurekahedge Hedgefonds weltweit gerade mal 1,5 Prozent im Plus.

Doch wo könnten neue gefährliche Schieflagen entstehen?

Vor allem bei Staatsanleihen und Währungsspekulationen: Hedgefonds haben jüngst ihre Wetten auf eine weiter um sich greifende Euro-Krise gegen Portugal, Spanien und Italien erhöht. „Bislang haben wir nichts gesehen, was das Solvenzproblem angegangen wäre“, kritisiert Simon Finch, Leiter Kredithandel bei der elf Milliarden Dollar schweren Anlagegesellschaft CQS in London. Finch erwartet, dass die Regierungen in Lissabon, Madrid und Rom ihre Haushaltsausgaben massiv zusammenstreichen werden und damit Wirtschaft und die Kaufkraft der Bürger drücken. Um davon zu profitieren, geht Finch beispielsweise Wetten gegen Mobilfunker, Versorger und Betreiber von Mautstraßen ein – er spekuliert auf Wertverluste von Anleihen solcher Unternehmen aus den Euro-Südländern. „Unsere These ist, dass geschwächte Länder schwache Unternehmensanleihen bewirken können“, erklärt der Hedgefondsmanager seine Strategie.

Spekulieren auf den Kollaps

Auch Altmeister George Soros deutete zuletzt an, gegen Papiere etwa aus Griechenland zu wetten: „Wir stehen am Rand eines wirtschaftlichen Kollaps, der zum Beispiel in Griechenland beginnen und sich leicht ausbreiten könnte“, argumentierte Soros auf einer Konferenz in Wien. Amerikanische Hedgefonds sollen sich derzeit nach einem Bericht der „Financial Times“ vermehrt absichern, indem sie direkt auf fallende Kurse italienischer Staatsanleihen setzen: Sie leihen sich diese Papiere etwa von üblichen Investmentfonds wie von den deutschen UniEuroRenta und Deka Europa Bond, verkaufen sie und hoffen, die Anleihen zu einem späteren Zeitpunkt zu niedrigeren Kursen zurückzuerwerben (WirtschaftsWoche 29/2011).

Sollte es den Euro-Ländern nun in einem Kraftakt gelingen, die Schuldenkrise vorübergehend einzudämmen, dürfte dies zu Hedgefondspleiten und Verwerfungen führen. Denn die Spekulanten handeln nicht mit Kleingeld: In den USA sind die „Non Banks“ und „Near Banks“, zu der auch Private-Equity-Firmen und Vermögensverwalter gezählt werden, bereits bedeutender als die regulierten Finanzinstitute. Laut der US-Notenbank Fed hatten die „Shadow Banks“ Ende 2010 Verbindlichkeiten von rund 15 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Bei den regulierten Geldhäusern standen 13 Billionen Dollar in den Büchern.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%