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Hedgefonds & Co. Die dunkle Macht der Schattenbanken

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Kursverlauf eines Derivate-Index

Solche umfassenden Daten gibt es für Europa bisher nicht. Erst jetzt beginnt die Europäische Zentralbank (EZB), die Schattenbanken systematisch unter die Lupe zu nehmen. In einem ersten Schritt veröffentlichte die Notenbank Angaben zu Gesellschaften, die in Europa aktiv sind. Deren Vermögen betrug demnach im ersten Quartal 2011 insgesamt 2,3 Billionen Euro. Tatsächlich aber kontrollieren die Nichtbanken Vermögenswerte, die ein Vielfaches dieser Summe betragen.

Doch niemand kennt Details, denn „Schattenbanken sind eben Institutionen, die bankähnliche Geschäfte betreiben, ohne einer entsprechenden Aufsicht durch die Behörden zu unterliegen“, so Christoph Kaserer, Finanzprofessor an der TU München. Den Missstand will die EZB künftig mit umfassenden Statistiken beheben. „Die neuen Daten werden mehr Licht auf den relativ undurchsichtigen Schattenbanken-Sektor werfen“, verspricht EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark.

Kein Zugriff auf Liquidität

Regulierte Banken haben viele Möglichkeiten, ihre Risiken abzufedern. Wird die Liquidität unerwartet knapp, können sie zur Zentralbank gehen. „Schattenbanken haben keinen Zugriff auf Notenbankengeld. Sie unterliegen auch keiner Einlagensicherung“, sagt Siegfried Utzig vom Bundesverband deutscher Banken.

Da die Hedgefonds bei knapper Liquidität keinen Zugriff auf Zentralbankgelder haben, sind sie auf das Wohl und Wehe ihrer Investoren und Kreditgeber angewiesen. Drehen diese den Hahn zu, kommt es in unregelmäßigen Abständen zu massiven Kurseinbrüchen bei allen gängigen Anlageklassen – weil die Hedgefondsmanager dann versuchen, über den Verkauf von Vermögenswerten Geld zu beschaffen. Diese Notverkäufe lösen Crashs aus – so wie an den Aktien-, Rohstoff- und Anleihemärkten 2008. Häufig jedoch finden die Fondsmanager auch keine Abnehmer – vor allem bei Derivaten, für die es größtenteils keinen echten Handel gibt.

Auch der Derivate-Markt mit all seinen verschachtelten Konstruktionen auf Schrottpapiere und direkten Wettscheinen etwa auf Staatspleiten hat sich längst von der Krise erholt und liegt bei derzeit 601 Billionen Dollar, Trend steigend. Die Citigroup schätzt in einer aktuellen Studie, dass bis 2013 allein der Markt für Kreditausfallversicherungen und Zinstausch-Derivate (Swaps) um weitere zehn Prozent auf 435 Billionen Dollar wachsen wird.

Die Finanzaufseher sind bereits alarmiert. „Wir müssen dieses gefährliche Spiel stoppen, indem wir die Schattenspieler durch harte Regeln an die Kandare nehmen“, fordert Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

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