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Hedgefonds & Co. Die dunkle Macht der Schattenbanken

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EU-Parlament Quelle: dpa

„Der beste Deich ist von geringem Nutzen, wenn wir in unserem Rücken einen ganzen Ozean haben. Dieser Ozean ist das Schattenbankensystem“, kritisiert der ehemalige Bundesbank-Präsident und künftige UBS-Vizepräsident Axel Weber diese Entwicklung. „Mit strengeren Regeln für die regulierten Banken“, warnt er, „entsteht die Gefahr, dass mehr und mehr Aktivitäten um die neu errichteten Deiche herum in den Ozean der nicht regulierten Aktivitäten fließen und damit die systemischen Risiken erhöhen.“

Immerhin hat das EU-Parlament im November 2010 die „Richtlinie zu Managern alternativer Investmentfonds“ angenommen, die insbesondere Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften betrifft. Danach müssen Hedgefonds künftig ihre bisher meist geheim gehaltenen Anlagestrategien gegenüber den Investoren und der Finanzaufsicht offenlegen. Außerdem müssen die Fondsmanager ein gewisses Mindestkapital nachweisen und sicherstellen, dass das Fondsvermögen ordnungsgemäß in Depotbanken verwahrt wird. Die Richtlinie soll schrittweise von 2013 an in Kraft treten. Da bleibt genügend Zeit, um sich zu verzocken.

Kriminelle Energie

Andere Länder, allen voran die USA, denken vorerst nicht daran, gläserne Hedgefonds zu schaffen. Die Amerikaner haben sich – neben der Eindämmung des Eigenhandels der Banken – nur vorgenommen, erst einmal den bisher fast unkontrollierten Derivatehandel in sicherere Bahnen zu leiten.

Kein Wunder, dass mangels Kontrolle das Schattenreich des Finanzsystems zahlreiche Glücksritter und Desperados anlockt: In New York befand ein Gericht im Mai den Hedgefondsgründer Raj Rajaratnam für schuldig, sich mit verbotenen Insider-Geschäften bereichert und 63,8 Millionen Dollar erschwindelt zu haben.

Gleichzeitig musste sich in Würzburg bis vergangenen Freitag der Hedgefondsmanager Helmut Kiener wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Er soll jahrelang systematisch die hohen Verluste verschleiert haben, die bei seinem Hedgefonds K1 anfielen. Die Staatsanwälte beziffern den Schaden für die Anleger auf insgesamt 345 Millionen Euro und forderten zwölf Jahre und neun Monate Haft. Kiener hat die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Das Gericht verurteilte ihn schließlich zu zehn Jahren und acht Monaten Haft.

Bricht ein Hedgefonds wie K1 zusammen, trifft es meist keine Privatanleger. In der Regel investieren dort nur institutionelle Anleger und Superreiche. „Der Zusammenbruch eines Hedgefonds stellt an sich keine Gefahr für das Finanzsystem dar“, sagt Finanzexperte Kaserer von der TU München. „Problematisch wird eine Insolvenz erst dann, wenn dadurch auch die finanzierenden Banken in Schwierigkeiten geraten.“

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