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Henry Schäfer im Interview "Moralisches Feigenblatt"

Henry Schäfer, Experte für grüne Kapitalanlagen, über ethisches Management und Marketingblasen.

Henry Schäfer

WirtschaftsWoche: Herr Schäfer, schadet ethisch oder ökologisch motiviertes Verhalten dem Aktienkurs, weil dabei nicht nur Gewinne zählen?

Schäfer: Warum sollte es? Deutsche Vorstände unterliegen dem Irrglauben, es gehe bei Ethik und Umweltschutz nur um moralische Feigenblätter, die außer Imagegewinn keinen Nutzen bringen. In England oder den USA sehen Manager das völlig emotionslos. Sie verbinden Moral mit kaufmännischem Kalkül.

Wie denn?

Sie konzentrieren sich auf das, was den höchsten Nutzen verspricht. Bei einer Bank ist das der faire Umgang mit Personal, bei einem Maschinenbauer die ressourcenschonende Produktion. So können sie Leistungsträger an das Unternehmen binden oder Kosten sparen.

Und diese Erkenntnis ist in deutschen Chefetagen noch nicht angekommen?

Viele Unternehmen sind es gewohnt, vom Staat zu politisch korrektem Verhalten gezwungen zu werden. Statt selbst aktiv zu werden, reagieren sie deshalb nur auf Vorschriften oder versuchen, diese durch Lobbyarbeit aufzuweichen, so geschehen bei der Ökosteuer für energieintensive Branchen.

Belohnen Anleger einwandfreies Verhalten?

Immer mehr tun das. Pensionsfonds wie Calpers aus Kalifornien oder Norwegens Staatsfonds investieren Milliarden. Die wollen nicht ständig umschichten, sondern sich lange engagieren. Und sie beobachten genau, wer Menschenrechte achtet, Aktionäre fair informiert und Umweltstandards einhält.

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