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ING-DiBa-Vorstand Krebs "Zinsen werden nicht nennenswert steigen"

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Immer weniger

Was macht Sie da so sicher? Zunehmende Inflationserwartungen könnten die Banken auf die Idee bringen, nur noch variable Hypothekenzinsen anzubieten.Erstens würde das der Markt nicht akzeptieren; die Banken stehen untereinander viel zu sehr in Konkurrenz, um so etwas durchzusetzen. Und selbst wenn die Inflationserwartungen stiegen – eine Bank hätte noch immer genügend Möglichkeiten, weiterhin lange Zinsbindungen anzubieten, ohne dabei draufzuzahlen. Sie könnte die lang laufenden Hypo-Kredite am Kapitalmarkt swappen, also gegen viele kleine, kürzer laufende Kredite tauschen – was übrigens schon jetzt tagtäglich geschieht. Der Kunde sieht nur, was vorne draufsteht: 3,8 Prozent auf 15 Jahre – wie die Bank das hinten gegenfinanziert, sieht er nicht.

Wann steigen die Zinsen?Nicht nennenswert in den kommenden 12 bis 18 Monaten. Bei den Habenzinsen – also Tages- und Festgeld – wird sich so gut wie gar nichts bewegen. Denn die US-Zentralbank lässt die Zinsen unten, und die Europäische Zentralbank kann sich davon nicht weit abkoppeln.

Dann gibt es kaum Hoffnung für Sparer auf attraktivere Zinsen? Im Moment zahlen Sie selbst Neukunden nur 1,9 Prozent auf Tagesgeld.Im September werden wir wieder eine Zwei vor dem Komma bieten.

Und eine Drei?Das kann noch lange dauern.

Bleibt Baugeld dann auch so billig?Da würde ich mich schon weniger festlegen. Die Baugeldzinsen haben in der vergangenen Woche den tiefsten Stand seit 50 Jahren erreicht; es erscheint logisch, dass sie dort nicht ewig bleiben.In Deutschland richten sich die Baugeldsätze nach den Langfristzinsen am Anleihemarkt, vor allem den Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen. Diese kann die Zentralbank, anders als die kurzen Geldmarktsätze, nicht steuern. Wenn das Inflationsgespenst am Markt also auftauchen sollte, können die Zinsen am langen Ende steigen und damit auch die Hypothekenzinsen. Sie werden aber auch in den kommenden Jahren weit unter dem langjährigen Durchschnitt bleiben.

Spüren Sie eine erhöhte Nachfrage nach Baugeld, weil die Menschen aus Angst vor Inflation Immobilien kaufen wollen?Nein. Die Inflationsangst beschäftigt zwar viele Menschen; aber sie bleibt im Vagen, das heißt, sie wird von unseren Kunden nicht in konkrete Immobilienvorhaben umgesetzt. Denn auf der Gegenseite steht ja die Unsicherheit um den Job, die die Krise ausgelöst hat.

Makler berichten von bis zu 80 Prozent mehr Nachfrage nach Wohnimmobilien als noch 2009.Das ist kein Widerspruch. Viele Kapitalanleger, die hier unterwegs sind, kaufen zu 100 Prozent eigenfinanziert; die merken wir nicht, weil sie bei uns keine Hypothekenkredite nachfragen.

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