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Investmentfonds Hedgefonds im engen Fondsmantel

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Magere Ergebnisse

Investoren finden es okay, wenn Fondsmanager Freiheiten haben – aber zu viele sollen es dann auch nicht sein. Hedgefonds dürfen Kredite bei Banken aufnehmen und damit das investierte Kapital vervielfachen. Sie müssen nicht streuen, theoretisch könnte ein Hedgefondsmanager sogar nur eine Aktie halten. Hedgefonds dürfen Aktien verkaufen, die sie gar nicht besitzen, sondern sich erst später besorgen (ungedeckte Leerverkäufe) – und wenn es ihm gefällt, kann ein Manager auch Kakao-Kontrakte kaufen oder sich ein Weizensilo mieten und es auffüllen.

Investmentfondskäufer dagegen müssen nicht befürchten, dass der Fonds in Naturalien investiert. Die direkte Kreditaufnahme und Leerverkäufe sind Ucits-III-Fonds ebenfalls verboten. Allerdings können die Manager über den Einsatz von Derivaten vergleichbare Strategien umsetzen, zum Beispiel indem sie durch Kauf von Put-Optionen auf fallende Kurse setzen oder durch den Kauf eines Futures mit niedrigem Einsatz auf steigende Indizes setzen. Das Ausmaß ist allerdings begrenzt, sie können ihren Einsatz nicht beliebig über Derivate hebeln. In Papiere eines einzelnen Emittenten darf der Manager grundsätzlich maximal zehn Prozent des Fondsvermögens stecken.

Ob die Super-Spekulanten in der engen Fondshülle die Rendite der Freestyle-Produkte aus Übersee erzielen können, müssen sie erst noch zeigen. Zumal die Kosten happig sind: Jährlich ziehen die Fondshäuser für die Verwaltung übliche 1,5 bis 2,0 Prozent des Fondsvermögens ab. Hinzu kommen jährliche Erfolgsgebühren von 20 Prozent auf Gewinne, die eine selbst gesetzte Hürde übersteigen.

Renditeschonkost

Der vom Schweizer Datenanbieter 2n20.com kreierte Ucits-HFS-Index legte seit Jahresbeginn nur um 2,5 Prozent zu (siehe Grafik). In dem Index sind 140 Ucits-III-Fonds enthalten, die mindestens ein Volumen von zehn Millionen Euro haben. Bester Fonds in diesem Segment war der Investec Emerging Markets Debt mit einem Plus von 20,6 Prozent (siehe Tabelle). Starmanager Paulson ist von solchen Renditen derzeit weit entfernt. Im ersten Halbjahr 2010 brachte sein größter Hedgefonds, der 19 Milliarden Dollar schwere Advantage, US-Anlegern ein Minus von sechs Prozent.

Byron Wien, Chefstratege beim US-Fondshaus Blackrock, rechnet damit, dass Hedgefonds künftig nicht mehr die angepeilten 20 Prozent Wertzuwachs erzielen können, sondern nur die Hälfte herauskommen werde. Für die Renditeschonkost macht Wien die stärkere Regulierung sowie die Risikoscheu der Manager nach der Finanzkrise verantwortlich.

Es ist der übliche Anlagezyklus: Wenn ein Trend seine besten Zeiten hinter sich hat, wird er auf dem Privatanlegermarkt verkauft. Technologie- und Neuer-Markt-Fonds wurden erst dann ganz massiv an deutsche Privatanleger verkauft, als deren Erfolgswelle schon gebrochen war.

Paulson soll erst mal liefern

Auch Paulson muss den Beweis, dass er mit Investmentfonds-Regeln klarkommt, erst noch erbringen. Einfach wird das nicht. Paulson investiert zum Beispiel auch in Unternehmen, die kurz vor der Pleite stehen und erst mal umstrukturiert werden müssen. Im Juli stiegen Paulson & Co. zusammen mit anderen Investoren beispielsweise beim US-Hotelanbieter Extended Stay ein, der nur dank der Investorengelder einer Pleite entging. „Es kann viele Monate dauern, bis diese Engagements Geld bringen“, sagt Guseck, „und in dieser Zeit braucht der Fondsmanager die Gewissheit, dass ihm die Anleger nicht wegrennen.“

Laufen sie ihm davon, müsste er, um Anleger auszuzahlen, womöglich Aktien noch nicht sanierter Unternehmen zu Schleuderpreisen abgeben. An klassische Hedgefonds binden sich Anleger für ein Jahr oder länger. Ucits-Fonds dagegen müssen Anlegern den Ausstieg mindestens zweimal im Monat ermöglichen. Die Paulson-Strategie, Pleitekandidaten zu kaufen, sie zu sanieren und dann teuer weiterzureichen, dürfte mit Ucits-Fonds schwer umzusetzen sein. Anleger sollten beobachten, wie sich der Superstar im engen Regulierungsmantel schlägt.

Einigen Lobbyisten wird bereits mulmig: „Vielleicht war nicht jedem in der Fondsindustrie und in der Politik gleich bewusst, wie weit die erlassenen Ucits-III - Regeln gehen könnten“, sagt der Vize-Direktor des Luxemburger Fondsverbandes Alfi, Charles Muller. Er hält den massiven Einstieg vieler Hedgefondsmanager in die alte Investmentfondswelt für besorgniserregend: „Die Produkte sind nicht schlechter, aber risikoreicher als viele andere Fonds und daher sollten sie nicht an Privatanleger verkauft werden.“

Für Fondsverkäufer ist der Name Paulson hingegen schon mal ein Garant für gute Geschäfte: Auch in dem börsengehandelten Indexfonds DB Hedge Fund Index ETF von der Deutsche-Bank-Tochter DB-x-trackers, steckt Paulson. Allerdings nur als einer von 35 Managern, aus deren Management die Performance des Indexfonds entsteht. Paulson's Handschrift trägt der Fonds also nicht, der in diesem Jahr bis Anfang August 0,8 Prozent verloren hat. Ein Vertriebserfolg war der Fonds für die Deutsche Bank allemal, sie konnte in wenigen Monaten rund eine Milliarde Euro einsammeln.

Da versteht es sich, dass die Deutsche Bank gerne Paulson pur anbieten will.

Auch Oliver Stahlkopf, Direktor bei Lyxor Alternative Investments, hat mit dem Manager gute Vertriebserfolge erzielen können. Lyxor bietet ihn bereits seit dem Jahr 2000 auf einer so genannten Managed Account-Plattform für Gutbetuchte, die mindestens 100 000 Dollar investieren. Die Lyxor-Plattform verwaltet zehn Milliarden Dollar in 117 Hedgefonds-Konten, ein Großteil der Gelder landete bei Paulson. „Ist die Performance gut, dann sind die Zuflüsse hoch. Wer eine schlechte Performance hat, verliert Anleger“, sagt Stahlkopf.

Mehr Einblick in die Paulson-Welt muss der geplante Investmentfonds der Deutschen Bank nicht unbedingt liefern. DB Platinum ist der Fondsarm der Deutschen Bank, der unter dem Investmentbanking aufgehängt ist. Die Abteilung bietet strukturierte Investmentfonds, die all das verpacken, was Deutsche-Bank-Investmentbanker austüfteln. Auch die gesetzlich geforderte Darstellung der Paulson-Portfolios in Halbjahres- und Jahresberichten könnten die Konstrukteure umgehen. Swap heißt das angelsächsische Fachwort, das dazu führt, dass in einem Fonds gar nicht die Papiere stecken, die eigentlich die Performance bringen. Durch einen Tauschhandel bekommen die Anleger des Investmentfonds die Performance des Paulson-Fonds, der Swap-Partner hingegen die Performance aus den Papieren des Fondsvermögens. Auch das ist erst mit den Ucits-III-Regeln möglich geworden. Transparent ist es nicht mehr.

WiWo sieben
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