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Investmentfonds Hedgefonds im engen Fondsmantel

Hedgefondsstars sollen jetzt auch für Privatanleger Milliarden scheffeln. Dass ihnen dies gelingt, ist unwahrscheinlich. Die Manager haben kaum Erfahrung mit regulierten Fonds.

Hedgefondsmanager Paulson Quelle: Reuters

Es gibt derzeit keinen größeren Hecht im Teich: Hedgefondsmanager John Paulson brachte selbst Goldman Sachs an den Rand des Abgrunds. Er brachte die US-Bank dazu, Pakete von Hypothekenanleihen zu schnüren und an Kunden zu verkaufen. Paulson wettete darauf, dass die Kreditpakete an Wert verlieren würden – und gewann. Verlierer waren die Goldman-Kunden und letztlich die Bank selbst, die in einem Vergleich mit den US-Behörden 550 Millionen Dollar zahlte. Paulson persönlich kassierte nach den Hypotheken-Wetten 2007 einen Bonus von 3,7 Milliarden Dollar, 2008 kamen laut Fachmagazin „Absolute Return + Alpha“ nach Wetten auf fallende Bankaktien zwei Milliarden Dollar hinzu, 2009 mit solchen auf steigende Bankaktien weitere 2,3 Milliarden. Einer seiner Hedgefonds, der Credit Opportunities Fund, schnitt mit einem Plus von 994 Prozent in den vergangenen drei Jahren so gut ab wie kein anderer Hedgefonds weltweit.

Dieser Superstar begibt sich künftig in die Niederungen des traditionellen Fondsmanagements. Die Deutsche Bank hat den dicken Fisch an Land gezogen: Ihre Tochter DB Platinum lässt sich bei der Luxemburger Fondsaufsicht einen Investmentfonds genehmigen, der von Paulsons Team betreut werden soll. Der Fonds würde nach europäischem Recht reguliert. Die Manager sind gezwungen, Anlagen zu streuen, und sie dürfen ihre Wetten mithilfe von Derivaten auch nicht unbegrenzt ausweiten. Hält sich das Paulson-Team nicht an die Regeln, müssten die Risikomanager der Fondsgesellschaft und Kontrolleure der Depotbank dessen Deals blockieren oder rückabwickeln.

Spekulation Light

Das von Paulson und Deutscher Bank geplante Vehikel ist quasi ein Mittelding zwischen einem unregulierten Hedgefonds und einem klassischen Investmentfonds mit strengen Regeln. Manager dieser Fonds, nach einer EU-Richtlinie Ucits-III-Fonds genannt, dürfen deutlich mehr Derivate einsetzen als Verwalter traditioneller Investmentfonds. Derivate sind Finanzinstrumente, die es möglich machen, mit niedrigem Kapitaleinsatz hohe Gewinne bei Wetten auf steigende oder fallende Kurse einzufahren. Manager setzen über sie einen Hebel an ihr Kapital und vervielfachen so ihre Gewinnchancen – und auch das Risiko.

Klassischen Fondsmanager mit großem Ego – wie Graham Clapp von Fidelity oder Mark Holowesko von Templeton – war der strenge Rechtsrahmen der Investmentfonds schnell zu eng geworden, sie waren deshalb zu Hedgefonds gewechselt. Jetzt kommen sie zurück.

Ex-Fidelity-Manager Clapp, der 2007 seine Hedgefondsfirma Pensato Capital gründete, will jetzt doch wieder unter den Ucits-III-Regeln einen Investmentfonds managen. 60 Hedgefonds im Fondsmantel wurden im ersten Halbjahr 2010 aufgelegt, jeden Monat kommen etwa zehn hinzu. Zudem werden neue Dachfonds herausgebracht, die wiederum in die Hedgefonds light investieren. „Niemand will der Letzte sein und in der Schlange hinten stehen, wenn jetzt die Geldtöpfe aufgehen“, sagt Dennis Drenjovski vom Schweizer Datenanbieter 2n20.com.

Steuerparadiese bevorzugt

Wie attraktiv das Ucits-Geschäft sein kann, zeigt das Beispiel von Philipp Gibbs: Der Brite hat neun Jahre einen Long-Short-Hedgefonds beim Fondshaus Jupiter erfolgreich gemanagt. Trotzdem kam nur ein Volumen von 80 Millionen Euro zusammen. Bei seinen im Herbst aufgelegten regulierten Investmentfonds sind es schon 960 Millionen Euro.

In der Finanzkrise ist das weltweit in Hedgefonds investierte Volumen von rund 1900 Milliarden Dollar Ende 2008 auf zuletzt 1300 Milliarden gesunken. Viele Hedgefonds gingen pleite, Manager gaben auf, Investoren zogen Gelder ab. Jetzt wittern die Überlebenden Chancen bei den europäischen Altersvorsorge-Verwaltern und Privatanlegern. Viele von denen wollen oder dürfen keine unregulierten Hedgefonds kaufen. Also kommen ihnen Paulson, Gibbs & Co. entgegen.

Bevorzugter Sitz von Hedgefonds waren bislang Steuerparadiese wie die Cayman Islands. Doch sie werden politisch zunehmend geächtet und sind bei Anlegern unbeliebt. Zudem will die EU unregulierten Hedgefonds aus Übersee das Geschäft in Europa vermiesen. Erste Entwürfe zu einer Hedgefondsrichtlinie sahen ein Verkaufsverbot vor. Jetzt zeichnet sich ein Kompromiss ab: Wenn Hedgefonds nach Standards arbeiten, die in der EU üblich sind, dürfen sie hier verkauft werden. Wer aber so weit reguliert ist, der kann auch gleich in den europaweit anerkannten Ucits-III-Mantel schlüpfen. „Mit den in Offshore-Zentren angesiedelten Hedgefonds hatten viele Investoren administrative und regulatorische Probleme. Bei den europäischen Investmentfonds entfällt die Hürde“, sagt Ansgar Guseck, Vorstand von Sauren Fonds-Research.

Magere Ergebnisse

Investoren finden es okay, wenn Fondsmanager Freiheiten haben – aber zu viele sollen es dann auch nicht sein. Hedgefonds dürfen Kredite bei Banken aufnehmen und damit das investierte Kapital vervielfachen. Sie müssen nicht streuen, theoretisch könnte ein Hedgefondsmanager sogar nur eine Aktie halten. Hedgefonds dürfen Aktien verkaufen, die sie gar nicht besitzen, sondern sich erst später besorgen (ungedeckte Leerverkäufe) – und wenn es ihm gefällt, kann ein Manager auch Kakao-Kontrakte kaufen oder sich ein Weizensilo mieten und es auffüllen.

Investmentfondskäufer dagegen müssen nicht befürchten, dass der Fonds in Naturalien investiert. Die direkte Kreditaufnahme und Leerverkäufe sind Ucits-III-Fonds ebenfalls verboten. Allerdings können die Manager über den Einsatz von Derivaten vergleichbare Strategien umsetzen, zum Beispiel indem sie durch Kauf von Put-Optionen auf fallende Kurse setzen oder durch den Kauf eines Futures mit niedrigem Einsatz auf steigende Indizes setzen. Das Ausmaß ist allerdings begrenzt, sie können ihren Einsatz nicht beliebig über Derivate hebeln. In Papiere eines einzelnen Emittenten darf der Manager grundsätzlich maximal zehn Prozent des Fondsvermögens stecken.

Ob die Super-Spekulanten in der engen Fondshülle die Rendite der Freestyle-Produkte aus Übersee erzielen können, müssen sie erst noch zeigen. Zumal die Kosten happig sind: Jährlich ziehen die Fondshäuser für die Verwaltung übliche 1,5 bis 2,0 Prozent des Fondsvermögens ab. Hinzu kommen jährliche Erfolgsgebühren von 20 Prozent auf Gewinne, die eine selbst gesetzte Hürde übersteigen.

Renditeschonkost

Der vom Schweizer Datenanbieter 2n20.com kreierte Ucits-HFS-Index legte seit Jahresbeginn nur um 2,5 Prozent zu (siehe Grafik). In dem Index sind 140 Ucits-III-Fonds enthalten, die mindestens ein Volumen von zehn Millionen Euro haben. Bester Fonds in diesem Segment war der Investec Emerging Markets Debt mit einem Plus von 20,6 Prozent (siehe Tabelle). Starmanager Paulson ist von solchen Renditen derzeit weit entfernt. Im ersten Halbjahr 2010 brachte sein größter Hedgefonds, der 19 Milliarden Dollar schwere Advantage, US-Anlegern ein Minus von sechs Prozent.

Byron Wien, Chefstratege beim US-Fondshaus Blackrock, rechnet damit, dass Hedgefonds künftig nicht mehr die angepeilten 20 Prozent Wertzuwachs erzielen können, sondern nur die Hälfte herauskommen werde. Für die Renditeschonkost macht Wien die stärkere Regulierung sowie die Risikoscheu der Manager nach der Finanzkrise verantwortlich.

Es ist der übliche Anlagezyklus: Wenn ein Trend seine besten Zeiten hinter sich hat, wird er auf dem Privatanlegermarkt verkauft. Technologie- und Neuer-Markt-Fonds wurden erst dann ganz massiv an deutsche Privatanleger verkauft, als deren Erfolgswelle schon gebrochen war.

Paulson soll erst mal liefern

Auch Paulson muss den Beweis, dass er mit Investmentfonds-Regeln klarkommt, erst noch erbringen. Einfach wird das nicht. Paulson investiert zum Beispiel auch in Unternehmen, die kurz vor der Pleite stehen und erst mal umstrukturiert werden müssen. Im Juli stiegen Paulson & Co. zusammen mit anderen Investoren beispielsweise beim US-Hotelanbieter Extended Stay ein, der nur dank der Investorengelder einer Pleite entging. „Es kann viele Monate dauern, bis diese Engagements Geld bringen“, sagt Guseck, „und in dieser Zeit braucht der Fondsmanager die Gewissheit, dass ihm die Anleger nicht wegrennen.“

Laufen sie ihm davon, müsste er, um Anleger auszuzahlen, womöglich Aktien noch nicht sanierter Unternehmen zu Schleuderpreisen abgeben. An klassische Hedgefonds binden sich Anleger für ein Jahr oder länger. Ucits-Fonds dagegen müssen Anlegern den Ausstieg mindestens zweimal im Monat ermöglichen. Die Paulson-Strategie, Pleitekandidaten zu kaufen, sie zu sanieren und dann teuer weiterzureichen, dürfte mit Ucits-Fonds schwer umzusetzen sein. Anleger sollten beobachten, wie sich der Superstar im engen Regulierungsmantel schlägt.

Einigen Lobbyisten wird bereits mulmig: „Vielleicht war nicht jedem in der Fondsindustrie und in der Politik gleich bewusst, wie weit die erlassenen Ucits-III - Regeln gehen könnten“, sagt der Vize-Direktor des Luxemburger Fondsverbandes Alfi, Charles Muller. Er hält den massiven Einstieg vieler Hedgefondsmanager in die alte Investmentfondswelt für besorgniserregend: „Die Produkte sind nicht schlechter, aber risikoreicher als viele andere Fonds und daher sollten sie nicht an Privatanleger verkauft werden.“

Für Fondsverkäufer ist der Name Paulson hingegen schon mal ein Garant für gute Geschäfte: Auch in dem börsengehandelten Indexfonds DB Hedge Fund Index ETF von der Deutsche-Bank-Tochter DB-x-trackers, steckt Paulson. Allerdings nur als einer von 35 Managern, aus deren Management die Performance des Indexfonds entsteht. Paulson's Handschrift trägt der Fonds also nicht, der in diesem Jahr bis Anfang August 0,8 Prozent verloren hat. Ein Vertriebserfolg war der Fonds für die Deutsche Bank allemal, sie konnte in wenigen Monaten rund eine Milliarde Euro einsammeln.

Da versteht es sich, dass die Deutsche Bank gerne Paulson pur anbieten will.

Auch Oliver Stahlkopf, Direktor bei Lyxor Alternative Investments, hat mit dem Manager gute Vertriebserfolge erzielen können. Lyxor bietet ihn bereits seit dem Jahr 2000 auf einer so genannten Managed Account-Plattform für Gutbetuchte, die mindestens 100 000 Dollar investieren. Die Lyxor-Plattform verwaltet zehn Milliarden Dollar in 117 Hedgefonds-Konten, ein Großteil der Gelder landete bei Paulson. „Ist die Performance gut, dann sind die Zuflüsse hoch. Wer eine schlechte Performance hat, verliert Anleger“, sagt Stahlkopf.

Mehr Einblick in die Paulson-Welt muss der geplante Investmentfonds der Deutschen Bank nicht unbedingt liefern. DB Platinum ist der Fondsarm der Deutschen Bank, der unter dem Investmentbanking aufgehängt ist. Die Abteilung bietet strukturierte Investmentfonds, die all das verpacken, was Deutsche-Bank-Investmentbanker austüfteln. Auch die gesetzlich geforderte Darstellung der Paulson-Portfolios in Halbjahres- und Jahresberichten könnten die Konstrukteure umgehen. Swap heißt das angelsächsische Fachwort, das dazu führt, dass in einem Fonds gar nicht die Papiere stecken, die eigentlich die Performance bringen. Durch einen Tauschhandel bekommen die Anleger des Investmentfonds die Performance des Paulson-Fonds, der Swap-Partner hingegen die Performance aus den Papieren des Fondsvermögens. Auch das ist erst mit den Ucits-III-Regeln möglich geworden. Transparent ist es nicht mehr.

WiWo sieben
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