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Investmenttrends Fondsmanager French: "Der Partykater ist vorbei"

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Die Ratingagentur Morningstar hat Ihren Fonds kürzlich als „Elite“ eingestuft und ihm damit das höchste Gütesiegel gegeben. Die Prüfer schreiben in der Beurteilung einen bemerkenswerten Satz: „Unter den M&G-Fondsmanagern herrscht der Wille, stets im Interesse der Investoren zu handeln." Aber das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein.

Ist es vielleicht nicht mehr überall. Wir sind die „good guys“ im Finanzsystem, aber Hilfe von der Regierung bekommen wir dafür nicht. Scherz beiseite. Das Rating freut uns sehr, es ist noch nicht einmal in unserem Auftrag entstanden und wir mussten dafür auch nicht zahlen. Ich hatte vor 20 Jahren, als ich nach dem Geografie-Studium als Fondsmanager begann, einen Chef, der hat mir vier Prinzipien mit auf den Weg gegeben: Was auch immer du während deiner Karriere tust, denk an die Anleger.

Ich versuche möglichst oft mit unseren Kunden zu sprechen. Ich bin mir bewusst, dass ich eine große Verantwortung für die Fondsgelder habe. Fondsmanager haben da eine Position wie ein Politiker oder ein Doktor. Mancher mag sich im Kasino sehen, wo der, der am besten wettet, das dickste Auto bekommt. Aber es geht nicht um Wetten, es geht um Verantwortung. Wir haben eine treuhänderische Aufgabe, müssen dabei integer und ehrlich bleiben. Solche Prinzipien sind an der Wall-Street in Vergessenheit geraten.

Und wird sich da etwas ändern?

Ich bin zuversichtlich. Es gibt kleine Bemühungen. Der Chef von Unilever hat vor ein paar Monaten angekündigt, das er nicht mehr quartalsweise berichten will, sondern halbjährlich. Wir brauchen mehr Leute, die sich gegen den Quartalswahnsinn auflehnen. Das wäre ein Anfang.

Sie haben im Jahr 2000 gesagt, dass die 90er Jahre die Dekade der Papier-Assets gewesen seien, die 2000er die Dekade der Rohstoffe. Damit lagen Sie ziemlich gut. Aber was kommt nach 2010? 

Ich hoffe, dass ich recht habe und das Pendel jetzt genau in die andere Richtung schwingen wird. Zu Dingen, die bisher von der Finanzindustrie vielfach ignoriert wurden. Es sind soziale und ökologische Themen. Viele fragen sich doch inzwischen, in welcher Welt wir leben wollen. Gesundheit und Bildung werden wichtige Themen werden, denn Investoren wollen nicht nur Geld anlegen, sondern sich auch gut dabei fühlen. An Indien und China erkennen sie, wie wichtig das Thema Bildung wird. Die Menschen wollen lernen. Regierungen berücksichtigen Umweltaspekte ja schon bei ihren Milliardenhilfspaketen. Energieverbrauch, Wassernutzung, neue Antriebssysteme, Solar und Wind werden dann wichtig. In der Agrarindustrie wird mehr Effizienz Einzug halten.

Spiegelt sich das schon im Fonds wider?

Noch nicht sehr stark. Jüngst haben wir eine Position bei der Agrana Beteiligungs AG, einem Zuckerlieferanten, aufgestockt. Den anderen Themen stellen wir uns sehr vorsichtig. Bei großen Themen ist es immer schwierig die Gewinner und Verlierer zu erkennen.

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