WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Investmenttrends Fondsmanager French: "Der Partykater ist vorbei"

Seite 3/3

Sie investieren inzwischen auch in Unternehmen aus Schwellenländern. Welche sind starke Wettbewerber für westliche Konzerne?

Vor neun Jahren gab es dort keine großartigen Unternehmen, heute ist die brasilianische Petrobras Weltklasse wie auch der brasilianische Bergbaukonzern CVRD, der heute Vale heißt. In Russland ist Wimm-Bill-Dann das führende Nahrungsmittelunternehmen beispielsweise bei Babynahrung und Joghurt. Vor 20 Jahren ein schreckliches Unternehmen, aber jetzt wird es erfolgreich von Ex-Coca-Cola- und Danone-Managern geführt.

Sie setzen auf die Idee, die Grundbedürfnisse der Menschen zu ermitteln und dann entsprechend zu investieren. Woher wollen Sie wissen, was Chinesen und Inder mögen?

Das ist die wichtigste Frage, die ich beantworten muss. In der vergangenen Dekade war das vergleichsweise leicht, die Bedürfnisse der westlichen Welt zu erkennen. Nun gibt es die Mittelklasse in China, die so viele Konsumenten ausmacht wie ganz Europa. Wir haben die Aktie von Yum-Brands, zu denen Kentucky-Fried-Chicken gehört. Hier im Westen sind die McDonalds unterlegen. In China sind sie stärker. Chinesen lieben deren Essen und die Marke ist rot und das bedeutet in China Glück. Alles spricht für deren Konzept.

Wie entdecken Sie interessante Trends?

Wir gehen nach China oder Indien und leben nicht nur im Fünf-Sterne-Hotel. Wir sind ein großes Team aus Betriebswirten, Mathematikern und ich bringe als Geograf noch den gesunden Menschenverstand und Geschichtskenntnisse mit ein. Letzte Woche bin ich zu einer Auktion für chinesische Kunst zu Christies gegangen und dabei habe ich über die Vorlieben der Chinesen mehr gelernt, als wenn ich Studien im Büro gelesen hätte. Für kleine prähistorische Steinfigürchen wurden 50.000 Pfund gezahlt. Die Erlöse der Auktion waren dreimal so hoch wie erwartet. Bei einer japanischen Kunstauktion zuvor wurde nur das erwartete Volumen erzielt. Die Menschen, die kauften, schienen nicht extrem reich zu sein. Ihnen ist die Geschichte wichtig. Moderne Kunst kaufen Chinesen gewöhnlich nicht.

Welche Kriterien legen Sie bei der Aktienauswahl an? 

Wir untersuchen, wer durch die Entwicklungen in den Schwellenländern am wenigsten Gegenwind bekommt. Günstig bewertete Unternehmen, mit Vorteilen gegenüber Wettbewerbern, verlässlichem Management und starker und nachhaltiger Ertragsentwicklung sind für uns wichtig. Eine Kernfrage ist aber auch, ob die Unternehmen wissen, wie Inder, Chinesen oder Brasilianer ticken, was sie mögen und was nicht. Anleger müssen uns dann mitunter drei bis vier Jahre Zeit geben, bis sich das Unternehmen stark für den Fonds rentiert.

Sie haben vor Jahren in einer afrikanischen Minengesellschaft die schlechten Waschgelegenheiten für deren Angestellten bemängelt. Hat es etwas gebracht.

Ja, die haben jetzt ordentliche Duschen und wir sind auch dort investiert. Wir halten Aktien im Schnitt viereinhalb Jahre und da entsteht eine Beziehung zum Unternehmen, so dass die uns auch ernst nehmen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%