Kein Grund zum Pessimismus Mit drei Schritten wird die Rente planbar

Marco Adelt Quelle: PR

Viele meiden das Thema Rente. Dabei macht die Beschäftigung damit zufriedener, sagt Marco Adelt, Co-Gründer und Geschäftsführer des digitalen Versicherungsmaklers Clark. Er sieht keinen Grund zum Pessimismus.

WirtschaftsWoche: Herr Adelt, viele wollen sich mit dem Thema Rente nicht auseinandersetzen. Ist das ein Problem oder eine Chance?
Marco Adelt: Beides. Tatsächlich sind die Themen Rente und Alterssicherheit für viele immer noch unverständlich und einschüchternd. Unsere Erfahrung ist, dass Dokumente oft nur überflogen, abgeheftet und dann vergessen werden – quasi: Aus den Augen, aus dem Sinn! Dabei lohnt es sich, die eigenen Rentenansprüche genau zu prüfen. 20 Prozent aller Rentner in Deutschland, also fast 3,8 Millionen Menschen, erhalten unter 300 Euro Rente pro Monat. Der berühmte Satz „die Rente ist sicher“ von Norbert Blüm bedeutet eben nicht, dass sie auch für den Lebensunterhalt ausreicht. Wer sich damit beschäftigt und nicht abschrecken lässt, wird deutlich zufriedener sein.

Warum?
Weil die Deutschen mit ihrer eigenen Einstellung bei diesem Thema nicht glücklich sind. Etwa zwei von drei Menschen sehen eine Absicherung im Ruhestand als eines der wichtigsten drei Lebensziele. Aber sie sind überfordert, sich mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen oder finden es lästig.

Sie treten mit dem Versicherungsmanager Clark an und wollen das ändern. Ein papierloser, unkomplizierter Überblick über Versicherungen und Altersvorsorgeansprüche soll helfen. Reicht das wirklich, um den Deutschen die Scheu zu nehmen? Das klingt zu schön, um wahr zu sein.
Tatsächlich kann es aber helfen, wenn sich Altersvorsorge eben auch vom Smartphone erledigen lässt. Ich finde es sehr erstaunlich, dass es für Verbraucher zum Beispiel bisher nicht möglich war, zu sehen, wieviel ihnen aus Altersvorsorgeverträgen und gesetzlicher Rente später nach Steuern und anderen Abgaben, etwa Krankenversicherungsbeiträgen, zur Verfügung steht. Da ist es nicht verwunderlich, dass laut Axa Report mehr als 60 Prozent der Deutschen glauben, dass ihre Rente im Alter nicht ausreicht.

Das klingt, als ob die meisten bei dem Thema pessimistischer wären, als sie es sein müssten. Ist das so?
Pessimistisch müssen nur diejenigen sein, die sich nicht aktiv mit dem Thema Altersvorsorge auseinandersetzen. Dabei ist ein optimistischer Umgang mit dem eigenen Rentenalter gar nicht so schwer zu erreichen. Durch das systematische Zusammenspiel von gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und privaten Vorsorgelösungen ist die Zukunft planbar.    
Welche Rolle kann die gesetzliche Rente in Zukunft denn noch spielen?
Sie bietet maximal noch eine Grundsicherung – auf sie allein sollte man sich nicht mehr verlassen. Denn diese reicht im Ruhestand bei Weitem nicht aus, da immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner sorgen müssen. Als Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat 45 Jahre ohne Lücken in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Im Rentenalter kann er dann laut der Deutschen Rentenversicherung im Durchschnitt  mit 1.419 Euro im Monat rechnen. Von diesem Betrag gehen jedoch noch Steuern und die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Eine zusätzliche betriebliche und private Altersvorsorge ist daher nicht nur sinnvoll, sondern Pflichtprogramm.

Nur ist die in den aktuellen Niedrigzinszeiten immer schwieriger. Die meisten privaten Rentenversicherungen bieten kaum Renditechancen und haben hohe Kosten. Welche Vorsorge überzeugt Sie?
Private Rentenversicherungen sind aus meiner Sicht besser als ihr Ruf. Der Vorteil: Man kann sie passend auf seine persönlichen Bedürfnisse zuschneiden und den Rentenbeginn flexibel wählen. Zudem kann man entscheiden, ob das Kapital ganz oder in Teilbeträgen ausgezahlt wird. Bei der Betrachtung einer privaten Rentenversicherung darf die Rendite aber nicht das alleinige Bewertungskriterium sein. Es ist und bleibt eine Versicherung. Eine Versicherung, die beispielsweise auch eine planbare monatliche Rentenleistung bietet, wenn man 100 Jahre alt wird.

Wann Europäer in den Ruhestand dürfen
Stand heute arbeiten die Portugiesen am längsten. Quelle: REUTERS
Auch für die Iren zieht sich die Zeit bis zur Rente hin Quelle: AP/dpa
Nur Portugiesen und Iren arbeiten länger als die Deutschen. Quelle: dpa
Polnische Männer arbeiten mit 65,25 Jahren nur drei Monate weniger als aktuelle Neurentner in Deutschland Quelle: REUTERS
Unsere holländischen Nachbarn haben es da auch nicht viel besser Quelle: REUTERS
Gleich vier Länder haben nach OECD-Daten den 65. Geburtstag als Renteneintrittsalter festgelegt Quelle: dpa
Auch in Spanien dürfen Frauen wie Männer erst mit 65 in den Ruhestand. Quelle: AP
Egal, ob als Fischer oder Parlamentarier in Helsinki: Das Arbeitsleben endet erst mit 65 Jahren. Quelle: dpa
Auch in Dänemark gilt die Altersgrenze von 65 Jahren Quelle: REUTERS
Prinz Philip, der in diesem August 2017 in den Ruhestand geht Quelle: dpa
Die Männer in Österreich müssen wie in vielen Länder arbeiten, bis sie 65 Jahre alt sind Quelle: AP
Auch in Estland ist der Renteneintritt für Männer und Frauen unterschiedlich Quelle: dpa
Fürs Tretbootfahren in Prag dürften tschechische Rentner noch fit genug sein Quelle: AP
Italiens Frauen dürfen mit 62 Jahren, die Männer mit 62,5 Jahren in den Ruhestand Quelle: AP
Anders als in Italien müssen die Ungarn alle arbeiten, bis sie 62,5 Jahre alt sind Quelle: AP
In Bratislava sind die Gesetze etwas arbeitnehmerfreundlicher Quelle: dpa
Griechenland Quelle: AP
Platz 4: FrankreichDie Franzosen gehen da schon deutlich früher in Rente: mit 61,2 Jahren, egal, ob Mann oder Frau. Der frühe Renteneintritt ist in der Bevölkerung fest verankert. Auch der neue Präsident Emmanuel Macron will nicht daran rütteln. Quelle: dpa
Platz 3: LuxembourgGeld schein genügend da zu sein, denn Luxembourg gönnt sich weiterhin einen Renteneintritt ab dem 60. Geburtstag. Nur noch ein europäischer Nachbar macht das genauso und muss sich Platz 3 mit dem Fürstentum teil. Quelle: AP
Auch die Belgier übertreiben es nicht bei den Arbeitsjahren. Quelle: REUTERS

Oft werden solche Verträge noch mit Risikokomponenten, etwa einer Absicherung für Berufsunfähigkeit, kombiniert. Verbraucherschützer warnen aber vor solch einer Kombination. Denn bei finanziellen Engpässen lässt sich die Vorsorge dann meist nicht aussetzen, ohne die Risikovorsorge zu gefährden. Und andere Vorsorgeformen, etwa Sparpläne mit Indexfonds, würden doch eine deutlich flexiblere und voraussichtlich auch renditestärkere Vorsorge ermöglichen?
Grundsätzlich macht es Sinn, die Berufsunfähigkeitsversicherung separat von Altersvorsorgeprodukten abzuschließen. Es gibt allerdings Situationen, in denen diese Kopplung Sinn ergeben kann, etwa aus Steuergründen. Jede Medaille hat zwei Seiten – genauso verhält es sich mit Indexfonds-Sparplänen. Diese privaten Vorsorgeformen können in Ergänzung zur gesetzlichen und privaten Altersvorsorge sehr sinnvoll sein. Je nach Kundentyp und Lebenssituation muss man hier allerdings abwägen und die individuell passende Vorsorgeform finden. Ein Expertengespräch verschafft hier Klarheit.

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