WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Keine Garantie Lebensversicherungen sind zum Haare raufen

Das Zinstief trifft Lebensversicherungen heftiger als gedacht. Wer auf hohe Schlusszahlungen hofft, könnte enttäuscht werden. Denn die Versicherer kürzen, wo sie nur können - selbst Verträge mit stolzen Garantiezinsen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die großen Lebensversicherer lassen ihre Kunden hungern. Quelle: dpa

Dieter Heinze (Name geändert) ist empört. Seine Lebensversicherung ist bald fällig, dann soll er sein Geld samt Zinsen zurückerhalten. Noch im April 2012 hatte ihm sein Versicherer ein sattes Zubrot angekündigt – für den Fall, dass er bis zum Ende durchhält. Stolze 8.430 Euro sollte sein Schlussüberschuss betragen.

Doch als er im März die Abrechnung erhielt, wollte er seinen Augen kaum trauen: Kein Schlussüberschuss! Aufgebracht rief bei seiner Versicherung an und fragte nach, wo denn die versprochene Belohnung hin sei. Die Antwort: Das habe der Vorstand gestrichen. Betroffen sei aber nicht jeder Vertrag, sondern nur solche mit besonders hohen Zinsen.

Pech für Heinze, hatte er doch in den 90er-Jahren ausgerechnet Lebensversicherungen mit  einem Garantiezins von vier Prozent abgeschlossen. Aktuell beträgt die Garantie nur noch 1,75 Prozent auf das Sparguthaben, doch damals war das anders, weil die Zinsen noch viel höher waren.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

Wer daher heute noch einen  dieser Vierprozenter besitzt, dem ist somit eine vergleichsweise hohe Zinszahlung garantiert – und das Jahr für Jahr, selbst wenn der Versicherer das im Schnitt nicht mehr schafft und daher für alle anderen Kunden weniger ausschütten muss, also eine geringere Überschussbeteiligung zahlt. Der Grund dafür: Die einmal ausgesprochene Garantie muss der Lebensversicherer erfüllen.

Heinze wusste um diese Zusammenhänge und freute sich daher schon auf die Auszahlung in diesem Jahr. Er war sicher, gut wegzukommen, zumal auch eine politische Debatte in Berlin zu seinen Gunsten ausgegangen war. Politisch hatte die Opposition eine Änderung verhindert, die ihn vielleicht eine Menge Geld gekostet hätte. Dabei ging es um die Rücklagen der Versicherer in Kapitalanlagen, die Bewertungsreserven.

Umso überraschter war Heinze daher, als ihm seine Sachbearbeiterin erklärte: Eben weil es hier keine neue Regelung zugunsten der Versicherungsbranche gegeben habe, müsse der Versicherer nun an anderer Stelle reagieren – und eben seinen Schlussüberschuss streichen. Heinze kommentiert das äußerst ungehalten: „Als Versicherter fühlt man sich willkürlich verschaukelt.“

Viele Mitteilungen der Versicherer sind unverbindlich

Was Lebensversicherungen wirklich bringen
Interrisk: Österreicher bieten beste BeitragsrenditeDie Ratingagentur Assekurata errechnete für Interrisk eine garantierte Beitragsrendite von 1,69 Prozent - für einen Vertrag, der 25 Jahre läuft und formal einen Garantiezins von 1,75 Prozent hat. So nah ist kein anderer Versicherer am Garantiezins dran. Auch im Vorjahr war dies so. Die prognostizierte - und damit unverbindliche - Beitragsrendite beträgt 4,2 Prozent. Damit liegt Interrisk als einer von vier Anbietern noch über der Marke von vier Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Satz jedoch deutlich gesunken, und zwar von 4,57 Prozent. Die InterRisk Versicherungs-AG ist das deutsche Tochterunternehmen der östereichischen Vienna Insurance Group. Quelle: Presse
Europa: Direktversicherer hält sich im SpitzenfeldDie Europa Lebensversicherung liefert seit Jahren gute Zahlen ab. Doch auch diese sinken. Die garantierte Beitragsrendite ist mit 1,57 Prozent sogar noch ein wenig höher als im Vorjahr mit 1,53 Prozent, weil Kostenvorteile zu Buche schlagen. Bei der prognostizierten Beitragsrendite liegt Europa mit 4,53 Prozent an der Spitze des Feldes. Der Wert liegt jedoch deutlich unter den 4,95 Prozent des Vorjahres. Bei der Überschussbeteiligung hält Europa noch die Marke von vier Prozent. Das geht hervor aus einer Mitteilung des Versicherers an die Ratingagentur Assekurata. Für 2012 betrug die Überschussbeteiligung noch 4,35 und für das Jahr 2011 waren es noch 4,5 Prozent. Quelle: Screenshot
Cosmos Direkt: Niedrige Kosten - hohe RenditeDie Lebensversicherungsangebote der Cosmos Direkt profitieren vom Vertriebsweg. Es ist für Kunden günstiger, wenn sie im Internet oder am Telefon einkaufen. Die Tochter der Generali gibt diese Vorteile in den Konditionen weiter. Am besten ist dies bei der garantierten Beitragsrendite zu erkennen. Platz 3 im Ranking von Assekurata mit 1,46 Prozent. Auch hier errechnete die Ratingagentur einen leicht besseren Wert als im Vorjahr. 4,17 Prozent für die prognostizierte Beitragsrendite ist ebenfalls ein Spitzenwert in der Branche. Im Vorjahr waren es aber noch 4,57 Prozent.
Hannoversche Leben: Schon unter vier ProzentMit der garantierten Beitragsrendite von 1,35 Prozent liegt der Direktversicherer aus Hannover auf Platz 4 - und damit sehr gut. Mit der prognostizierten Beitragsrendite erreicht er Platz 5. Dieser Wert liegt jedoch unter vier Prozent (3,92 Prozent), nachdem es im Vorjahr noch 4,17 Prozent waren. Nur vier Lebensversicherer liegen bei dieser Hochrechnung noch über vier Prozent. Dies zeigt den Trend in der Branche und auch bei der Hannoverschen Leben, für die die Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke wirbt.
WGV: Guter Garantierendite, schlechtere PrognoseDie Württembergische Gemeinde-Versicherung (WGV) bietet eine sehr gute Beitragsrendite. Mit 1,31 Prozent liegt der Versicherer auf Platz 5 in der Branche, wie Assekurata berechnete. Schlechter ist die prognostizierte Beitragsrendite mit 3,63 Prozent. Mehr als ein Dutzend Konkurrenten liegen hier besser. Wie andere Untersuchungen zeigen, liegt die WGV in der Leistungsfähigkeit für den Kunden häufig in den Top10. Quelle: Presse
Ergo Direkt: Besser als die große MutterErgo Direkt will nicht nur mit dem Thema Verständlichkeit punkten, sondern auch mit seinen Lebensversicherungsrenditen. Bei der garantierten Beitragsrendite liegt der Direktversicherer mit 1,31 zusammen mit der WGV auf Platz fünf. Auffällig ist die starke Verbesserung zum Vorjahr. Da lag dieser Wert nur bei 1,23 Prozent. Mit einer prognostizierten Rendite von 3,57 Prozent liegt Ergo Direkt allerdings nur im oberen Mittelfeld der Branche. In jedem Fall ist der Direktversicherer mit beiden Werten deutlich besser als das Vertreter-Unternehmen Ergo, die große Mutter aus Düsseldorf. Quelle: Screenshot
Asstel: Gothaer-Tochter springt in die Top10Die Asstel aus Köln-Mülheim profitiert ebenfalls davon, dass der Vertrieb eines Direktversicherers günstiger ist als bei Unternehmen, die auf Vertreter setzen. Die garantierte Beitragsrendite liegt mit 1,3 Prozent daher vergleichsweise hoch - Platz 8 bei Assekurata von 61 Versicherern. Die prognostizierte Beitragsrendite ist mit 3,8 Prozent ebenfalls vergleichsweise gut - ein Top10-Wert für die Tochter der Gothaer Versicherungen. Quelle: Presse

Sein Ärger ist doppelt groß, weil bei ihm sogar zwei Versicherungen mit einem Garantiezins von vier Prozent auslaufen. Ihm fehlten nun etwa 12.800 Euro, mit denen er Darlehen zurückzahlen wollte. Geld, das auch seine Sparkasse bei der Finanzierung ursprünglich einkalkuliert hatte. Schließlich wurde vor über einem Jahrzehnt mit wesentlich höheren Zinsen gerechnet. Keiner konnte ja ahnen, dass es eine Finanz- und Schuldenkrise gibt, durch die das Zinsniveau in den Keller fallen würde.

Versicherungskunde Heinze weiß auch das, dennoch findet er die Relationen unverständlich: „Der Schlussüberschuss wird ja nicht im letzten Jahr, sondern über die gesamte Laufzeit akkumuliert.“ Die Probleme des Versicherers resultierten doch eher aus der Anlage für Neuverträge, als bei der Auszahlung einer 15 Jahre laufenden Lebensversicherung.

Heinze meint: „Ich habe den Eindruck, die in diesem Jahr gestrichenen Schlussüberschüsse werden zum größeren Teil für die garantierte Verzinsung der noch laufenden Verträge eingesetzt, nicht für die vierprozentige Verzinsung meines Vertrages.“

Die zehn größten Lebensversicherer im Bilanzcheck

Das dürfte eine Vermutung bleiben, denn die Geldverteilungsmechanismen der Unternehmen sind von außen nicht nachvollziehbar. Nimmt man die Sicht des Kunden ein, liegt das eigentliche Problem zudem woanders: Viele Mitteilungen der Lebensversicherer sind unverbindlich. Die Unternehmen halten sich bis zuletzt Hintertüren offen, um Gewinnbestandteile hin- und herzuschieben.

Dies ist auch im Fall Heinze passiert. Und die Mitteilung des hier zuständigen Versicherers zu seiner Praxis zeigt, dass es sich beileibe um keinen Einzelfall handelt – weder im Unternehmen noch in der Branche. Im Gegenteil.

Eine solche Kürzung habe alle Verträge mit vier Prozent Rechnungszins betroffen, die in diesem Jahr fällig werden,  erklärte ein Sprecher des Sparkassenversicherer Provinzial Nordwest auf Anfrage von Handelsblatt Online.

Unternehmen verdienen weniger am Kapitalmarkt

Diese Versicherer senken Überschussbeteiligungen
R+VDie Kunden der deutschen Lebensversicherer müssen sich auch im kommenden Jahr auf sinkende Renditen gefasst machen. Die R+V Leben senkt ihre Überschussbeteiligung auf 3,4 von 3,6 Prozent, wie der Versicherer der Volks- und Raiffeisenbanken mitteilte. Die R+V, die Nummer vier auf dem Markt, ist der erste große deutsche Lebensversicherer, der seine Verzinsung für 2014 festgelegt hat. In diesem Jahr hatte die R+V Leben im Marktdurchschnitt gelegen. Quelle: Presse
Neben einer Standmitteilung für eine Lebensversicherung liegen mehrere Euromünzen und Euroscheine Quelle: dpa
Hinter der nackten Frauenskulptur "Aurora" von Arno Breker im Ehrenhof in Düsseldorf ist die Zentrale der Ergo-Versicherung zu sehen Quelle: dpa
Der Schriftzug des Versicherungskonzerns Allianz AG Quelle: dapd
Die Alte Leipziger gehörte zu den ersten Unternehmen, die eine Senkung der Beteiligung für 2013 angekündigt haben. Für die Kunden gibt es 2013 nur noch 3,35 Prozent - das entspricht einem Minus 0,5 Prozentpunkten. Quelle: Presse
Auch die zur Ergo gehörende Victoriaversicherung dampfte die Beteiligungen für 2013 ein: Um 0,5 Prozentpunkte gigg es runter auf drei Prozent. Quelle: Presse
Bei der kleinen DEVK bekamen die Kunden nach der Absenkung für 2013 prozentual noch am meisten ausbezahlt: Die Versicherung kürzte die laufende Verzinsung nur um 0,1 Prozentpunkte auf vier Prozent. Quelle: Presse

Die Gründe dafür seien letztlich in der allgemeinen Zinsentwicklung zu suchen. Wie der überwiegende Teil der Lebensversicherer habe auch Provinzial Nordwest die für 2013 fällig werdenden Überschüsse gegenüber 2012 gesenkt. Die Senkung bilde die reduzierten Ertragsaussichten an den Kapitalmärkten ab. Sie trage außerdem dazu bei, „unsere Leistungsversprechen attraktiv, sicher und langfristig anbieten zu können“.

Der Druck, so zu handeln, steigt offenbar in der gesamten Branche. Denn: Gesellschaften, die eine zu hohe Beteiligung ihrer Kunden an Überschüssen gewähren, müssen mit Herabstufungen durch die Ratingagenturen rechnen. Das habe zumindest Standard & Poor`s angedeutet, so die Provinzial.

Schließlich ist auch zu berücksichtigen, dass der Versicherer anders denkt – als möglicherweise ein Vermittler oder der Kunde selbst. Beim Verkauf der Verträge wird oft nur auf das mögliche Ende eines Vertrages geschaut. Also auf das, was am Ende rauskommen könnte. Und weniger auf das, was alles dazwischen kommen könnte.

Das Problem: Zins ist nicht gleich Zins. So besteht die gesamte Verzinsung einer Lebensversicherung immer aus etlichen Elementen. Das geht schon los mit den jährlichen Gutschriften, der Überschussbeteiligung. Sie ist in der Regel zweigeteilt: dem garantierten Teil (die Versicherer sprechen hier auch vom Rechnungszins oder besser Garantiezins); und dem nicht-garantierten Anteil, den Überschüssen, die jährlich gutgeschrieben werden.

Die gesamte Leistung einer Lebensversicherung, also die endgültige Auszahlung, speist sich schließlich aus weiteren Töpfen. So gibt es bei den Überschüssen auch zwei Kategorien: jene Anteile, die jährlich gutgeschrieben werden und dann garantiert sind; und außerdem Anteilen, die am Ende des Vertrages für die gesamte Laufzeit festgelegt werden. Das wären der Schlussüberschuss sowie eine Beteiligung an den Bewertungsreserven in den Kapitalanlagen.  

Ein Teil der Kunden erhält mehr Zinsen als andere

Diese Versicherer senken Überschussbeteiligungen
R+VDie Kunden der deutschen Lebensversicherer müssen sich auch im kommenden Jahr auf sinkende Renditen gefasst machen. Die R+V Leben senkt ihre Überschussbeteiligung auf 3,4 von 3,6 Prozent, wie der Versicherer der Volks- und Raiffeisenbanken mitteilte. Die R+V, die Nummer vier auf dem Markt, ist der erste große deutsche Lebensversicherer, der seine Verzinsung für 2014 festgelegt hat. In diesem Jahr hatte die R+V Leben im Marktdurchschnitt gelegen. Quelle: Presse
Neben einer Standmitteilung für eine Lebensversicherung liegen mehrere Euromünzen und Euroscheine Quelle: dpa
Hinter der nackten Frauenskulptur "Aurora" von Arno Breker im Ehrenhof in Düsseldorf ist die Zentrale der Ergo-Versicherung zu sehen Quelle: dpa
Der Schriftzug des Versicherungskonzerns Allianz AG Quelle: dapd
Die Alte Leipziger gehörte zu den ersten Unternehmen, die eine Senkung der Beteiligung für 2013 angekündigt haben. Für die Kunden gibt es 2013 nur noch 3,35 Prozent - das entspricht einem Minus 0,5 Prozentpunkten. Quelle: Presse
Auch die zur Ergo gehörende Victoriaversicherung dampfte die Beteiligungen für 2013 ein: Um 0,5 Prozentpunkte gigg es runter auf drei Prozent. Quelle: Presse
Bei der kleinen DEVK bekamen die Kunden nach der Absenkung für 2013 prozentual noch am meisten ausbezahlt: Die Versicherung kürzte die laufende Verzinsung nur um 0,1 Prozentpunkte auf vier Prozent. Quelle: Presse

Das Problem der Provinzial Nordwest – wie vieler anderer Anbieter – ist nun: Sie mussten die laufenden Gutschriften, die Überschussbeteiligung, zum Teil deutlich unter die magische Marke von vier Prozent senken. Für 2013 sind es nun 3,5 Prozent. Bisher waren es 3,8 Prozent. Das liegt ungefähr im Schnitt der Branche.

Diese Zahlen bedeuten: Obwohl die laufende Verzinsung für alle Kunden der Provinzial Nordwest nur 3,5 Prozent beträgt, erhalten Verträge mit einem Garantiezins von vier Prozent eben jene Zinsgutschrift. Das ist der Vorteil der Garantie – aus der Sicht des Kunden.

Betrachtet man die Perspektive des Unternehmens, sieht es anders aus: Einem Teil der Kunden wird mehr gezahlt als insgesamt zu erwirtschaften ist. Dies betrifft derzeit vor allem Verträge, die zwischen 1994 bis 1999 mit dem hohen Garantiezins von vier Prozent abgeschlossen worden waren.

„Selbstverständlich erfüllen wir für diese Verträge die Garantie“, betont der Provinzial-Sprecher. Rein formal betrachtet gibt es für diese Verträge keinen Zinsüberschuss, so wie bei Verträgen mit Garantiezinsen von weniger als 3,5 Prozent. Das bedeute, so die Provinzial: „Die laufende Verzinsung entspricht wie bisher dem Rechnungszins und liegt damit für Zuteilungen sowohl in 2012 als auch in 2013 über dem gesamten Restbestand!“

Kein Vorteil ohne einen Nachteil: Zwar erhielten auch Kunden mit Vierprozentern noch Geld aus anderen Töpfen, also laufende Leistungen aus Risikoüberschüssen und eine Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven. Dieser Überschussanteil sei allerdings gegenüber der bisherigen Höhe verringert worden. Der Grund: Gleichbehandlung.

Fehlt noch der Schnaps obendrauf, der in der Werbung so gerne hervorgehoben wird und der sich oft als der Renditeturbo in den Verträgen herausstellt, der Schlussüberschuss. Hier gelte: „Ein Schlussüberschuss kann nicht mehr zugeteilt werden, auch nicht für bereits abgelaufene Jahre.“

Ist dieses Verhalten,  des Lebensversicherers üblich in der Branche? Die Provinzial NordWest Lebensversicherung geht davon aus, und Experten bestätigen dies.

Die Versicherer wollen ihre Kunden gleich behandeln

Was bei der Kündigung von Versicherungen zu beachten ist
Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen Quelle: dpa
Kündigungsfristen einhaltenUnabhängig davon, ob es um eine ordentliche Kündigung ohne Angabe von Gründen geht oder eine sogenannte Sonderkündigung, weil beispielsweise die monatlichen Beiträge erhöht wurden, wichtig ist, die Kündigungsfristen einzuhalten. Wird der Termin verpasst, ist die Kündigung unwirksam und der Vertrag verlängert sich. Die meisten Policen wie die Kfz-Versicherung haben eine dreimonatige Kündigungsfrist, bei Lebensversicherungen ist es dagegen ein Monat - nachschauen ist also unerlässlich. . Quelle: Fotolia
Formalien beachtenAußerdem müssen sowohl ordentliche als auch Sonderkündigungen schriftlich erfolgen. Ein Anruf bei der Assekuranz oder eine E-Mail reichen nicht aus. Es ist außerdem ratsam, die Kündigung per Einschreiben mit Rückschein zu verschicken. So können Sie im Zweifelsfall nachweisen, dass Sie fristgerecht gekündigt haben. Quelle: Fotolia
Kündigungsgrund BeitragserhöhungEin Grund für eine sogenannte Sonderkündigung ist beispielsweise die Erhöhung der Versicherungsbeiträge. Wer einen Brief von seinem Versicherer bekommt, dass es künftig teurer wird, hat das Recht, die Police - auch vorzeitig - zu kündigen. Die Kündigung muss allerdings spätestens einen Monat nach Bekanntgabe der Erhöhung stattfinden. Zwei Jahre lang zahlen und dann bemängeln, dass es zu teuer ist, geht nicht. In einem solchen Fall müssen Sie ordentlich - sprich: ein bis drei Monate vor Vertragsende - kündigen. Quelle: Fotolia
Ein Feuerwehrmann steht am 13.01.2013 neben einem verunglückten Personenwagen auf der Bundesautobahn A 38 bei Friedland (Niedersachsen). Quelle: dpa
Kündigungsgrund: VertragsbruchSollte sich die Versicherung widerrechtlich vor einer Schadensregulierung drücken, hat der Kunde das Recht, den Vertrag sofort zu kündigen. Gleiches gilt natürlich auch für die jeweilige Assekuranz, falls der Versicherungsnehmer sich nicht an den Vertrag hält. Quelle: Fotolia
Gebrauchtwagen verschiedener Marken stehen am Dienstag, 5. Februar 2002, bei einem Audi-Haendler in Koblenz zum Verkauf. Quelle: AP

„Unternehmen mit einer laufenden Überschussbeteiligung von unter vier Prozent werden aus Gleichbehandlungsgründen gegenüber den Bestandskunden ähnlich verfahren“, glaubt die Provinzial. „Zum Teil ist dies in der Branche sicherlich auch bereits vor 2013 geschehen.“

Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender Württembergische Lebensversicherung, bestätigt dies: "Bei der WürttLeben gibt es beim Ablauf von Vierprozentern in der Mehrzahl noch Schlussüberschussanteile. Diese sind aber aufgrund der anhaltenden, weit unter dem Niveau von 4 Prozent liegenden Niedrigzinsphase in den vergangenen Jahren deutlich gesunken". 

Auch er schätzt, dass geringere Schlussüberschüsse angesichts der Kapitalmarktentwicklung branchenüblich sind. Als Verträge mit einem Garantiezins von vier Prozent abgeschlossen worden seien, sei das Zinsniveau ganz anders gewesen als heute.

„Hierauf müssen die Unternehmen verantwortungsbewusst durch Anpassung der nicht garantierten Überschussbeteiligung reagieren“, sagt Heinen. Schlussüberschüsse würden jeweils nur für auslaufende Verträge des aktuellen Jahres deklariert. Daher sei grundsätzlich eine Reduzierung  möglich.

Die Vierprozenter hätten eine Garantieverzinsung oberhalb des aktuellen Neuanlagezinses. Zusätzlich erhielten sie die gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung an den Bewertungsreserven, die derzeit relativ hoch sei. „Damit erhalten sie schon ohne Schlussüberschüsse ein im Vergleich zum Kapitalmarkt  hohes Zinsniveau.“

Ähnlich argumentiert auch der Branchenbeobachter Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata. Eine Trendwende am Kapitalmarkt sei noch nicht sichtbar. Unverändert stellten die niedrigen Zinsen die Kapitalanleger in den Lebensversicherungsunternehmen vor große Herausforderungen, zumindest die Garantieverzinsung in den Beständen zu erfüllen.

Zinssenkung verschärft die Ertragsprobleme der Branche

Wo Lebensversicherungen auf Renditejagd gehen
7 Prozent Rendite holen Lebensversicherer aus dem StromnetzIngenieure in der Schaltzentrale des Netzbetreibers Amprion in Brauweiler sorgen für stabile Netze. 75 Prozent an Amprion halten Versicherer Wie stark weht der Wind an der Nordsee? Wie viel Sonne scheint auf die Solarparks in Bayern? Was verbrauchen die Fabriken an Rhein und Ruhr gerade? Solche Parameter und unzählige mehr jagen die Amprion-Ingenieure durch ihre Rechner. Drohen Engpässe, geht es schnell – militärisch knapp geben sie dann den Kollegen per Telefon Anweisung, damit Leitungen richtig geschaltet werden und der Strom stabil fließt – und mit ihm die Rendite. Quelle: dpa
„Die Investition in Amprion ist für uns attraktiv, weil sie gut planbare und berechenbare Erträge bringt“, sagt Thomas Mann, Geschäftsführer der Talanx Asset Management. Da die Bundesnetzagentur die Entgelte für die Netznutzung so festsetzt, dass die Netzbetreiber eine fixe Eigenkapitalverzinsung erhalten, kann wenig schiefgehen. Quelle: Presse
8 Prozent Rendite will die Allianz Leben mit Windenergie verdienenIn Windparks, hier in Suderbruch (Lüneburger Heide), und in Solaranlagen stecken ungefähr eine Milliarde Euro der Lebensversicherten Der Wind weht an diesem Herbsttag nur sanft über Suderbruch, einem Ferienort in der Lüneburger Heide. Bauernhöfe, allesamt in rotem Backstein, säumen die Dorfstraße. Ein kleiner Pfad führt zu den Windrädern, acht an der Zahl, die sich im Abstand von mehr als 100 Metern auf der weiten Flur verteilen. Im Frühjahr hat die Allianz den Windpark für geschätzt 30 Millionen Euro gekauft. Quelle: Presse
„Ein wenig mehr könnte die Mühle schon noch leisten“, sagt Erik Sönksen. Der 43-Jährige kennt sich aus, seit 20 Jahren hat er mit Wind zu tun. Früher hat er die Mühlen – so nennt er die Windräder liebevoll – gebaut, heute kontrolliert er nach TÜV-Manier, ob alles sitzt, wie es soll. Am Turm wandert sein Blick langsam nach oben – 105 Meter –, bis er schließlich an den drei Rotorblättern hängen bleibt. Sie drehen sich gemächlich, neun Mal pro Minute. Dabei könnte das Getriebe bis zu 15 Umdrehungen pro Minute verarbeiten. Je stärker der Wind die Rotoren anschiebt, desto mehr Strom kann der Generator erzeugen – und desto mehr Geld fließt an die Versicherten der Allianz. Quelle: Presse
300 Millionen Euro investiert die R+V Leben dieses Jahr in ImmobilienEinkaufspassagen, wie hier die Frankfurter Zeil 72–82, sind bei Lebensversicherern besonders beliebt. R+V kalkuliert mit fünf Prozent Rendite Bastian Becker holt tief Luft. Dann streift er seine Anti-Rutsch-Handschuhe über und stemmt die schweren Hanteln. Vier Mal die Woche kommt der 36-Jährige in das Frankfurter Fitness-First-Studio auf der Einkaufsmeile Zeil. Was der Hoteldirektor bislang nicht wusste: Er hält sich nicht nur fit, sondern finanziert nebenbei die Altersvorsorge vieler Lebensversicherten. Das Gebäude Zeil 72–82 gehört der Wiesbadener R+V Lebensversicherung. 50 Euro Beitrag überweist Becker im Monat an den Fitnessclub. „Ich selbst habe keine Lebensversicherung“, sagt Becker, als er wieder zu Atem gekommen ist, „aber über die Miete finanziere ich wohl einem Versicherten den Ruhestand mit.“ Quelle: WirtschaftsWoche
Später, als Becker auf dem Crosstrainer am Fenster seine Ausdauer trainiert, kann er in der Haupteinkaufsmeile die shoppinglustigen Fußgänger beobachten. Wer Kleidung bei Zara oder Mango kauft, trägt ebenso zur R+V-Rendite bei wie die Kunden des Kosmetiksalons oder die Jugendlichen im Laden für Computerspiele. R+V setzt auf viele Mieter aus verschiedenen Branchen. „Fällt einer aus, trifft uns das nicht so hart“, sagt Markus Königstein, der für R+V Kapital in Immobilien anlegt. Quelle: WirtschaftsWoche
200 Euro Gewinn machte die Gesellschaft des Hotels RosenparkAn der Gesellschaft, zu der das Luxushotel in Marburg gehört, hält die AachenMünchener 25 Prozent. Das Hotel läuft offenbar schlecht Im Garten des „Vila Vita Rosenpark“ in Marburg haben sich die Blätter rotgelb gefärbt. Durch das Dickicht der Herbstbäume hören Gäste die Lahn plätschern. Innen zieren handgeschmiedete Rosen das Geländer im Atrium des Fünf-Sterne-Superior-Luxushotels. Die Treppen führen hoch bis unter die Glaskuppel mit der goldenen Sonne. Und auf dem Weg in den Ballsaal Vivaldi mit seinen Lüstern plauschen betuchte Gäste auf Samtsesseln. Quelle: Presse

„Die jüngste Absenkung der Leitzinsen hat die Situation insgesamt noch verschärft“, glaubt Will. „Aufgrund der Berechnungsvorschriften ist es daher sehr wahrscheinlich, dass die Versicherer im nächsten Jahr auch für die Rechnungszinsgeneration der 3,5 Prozentverträge Zinszusatzverserven bilden müssen.“

Mit anderen Worten: Die Versicherer bilden schon Rücklagen, um künftig überhaupt ihre Verpflichtungen für die Verträge mit hohen Garantiezinsen zu erfüllen. Und sie müssen noch mehr Rücklagen bilden, um die nächste Vertragsgeneration – wie bei Vertragsbeginn garantiert – zu bedienen.

Die Folge für die Unternehmen: Der Aufwand für diese bilanzielle Vorsorge bleibt hoch. Und die Konsequenz für Kunden: Die Überschussbeteiligung, also die jährliche Gutschrift, könnte noch weiter sinken – in Richtung drei Prozent, wo die ersten Unternehmen der Branche bereits angelangt sind. „Kunden müssen daher mit weiter sinkenden bzw. geringen Deklarationen rechnen“, schätzt Will.

Ein Gutes habe dies allerdings für Besitzer von alten Lebensversicherungen mit relativ hohen Garantiezinsen: Das Renditeniveau in der klassischen Lebensversicherung liege derzeit vielfach noch über dem von Anleihen am Kapitalmarkt.

Betrachte man nun die Sondersituation eines Vierprozenters, von denen Provinzial-Kunde Dieter Heinze mehrere hatte, so stellt sich die Frage: Welche Kunden leiden unter den niedrigen Zinsen? Will argumentiert so: Da vor allem für Altverträge mit höheren Rechnungszinsen zusätzliche Reserven gebildet werden müssten, sollte die Gegenfinanzierung verursachungsgerecht erfolgen.

Sprich: Weil die Altkunden mit Vierprozentern nun allen Kunden mehr Kosten verursachen, hält er es für angemessen, ihnen im Gegenzug zum Teil ihre Schlussüberschüsse zu kürzen. So viel Einigkeit von Experten ist keine gute Nachricht für Dieter Heinze – und auch nicht für alle anderen Kunden von Lebensversicherungen.

Der Ertragsdruck könnte sich noch verschärfen

Die 10 größten Versicherer Europas
AllianzDie Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager. Quelle: Handelsblatt Quelle: dapd
AxaDer größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten. Quelle: Reuters
GeneraliDer Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn. Quelle: dpa/dpaweb
AvivaDie britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern. Quelle: Reuters
Zurich FinancialLängst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich. Quelle: Reuters
Munich REDer weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro. Quelle: dpa
CNP AssurancesDer Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus. Quelle: Screenshot

Denn der Fall zeigt: Selbst wer sich als Kunde einer Lebensversicherung bisher relativ sicher fühlte und gelassen auf die immer weiter fallenden Zinsen schaute, sollte nun seine Erwartungen erneut senken. Kein Lebensversicherer kann sich der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt entziehen – schließlich legen die Unternehmen rund 90 Prozent der Kundengelder in Zinspapieren an.

Je länger die Zinsen so extrem niedrig bleiben, muss jeder Kunde mit weiteren und womöglich größeren Einbußen als gedacht rechnen – und das auch, wenn die Verträge in den nächsten Jahren auslaufen und der Versicherer eigentlich vergleichsweise hohe Zinsen garantiert hatte.

Die jeweiligen individuellen Einbußen hängen dabei auch davon ab, bei welchem Versicherer der Vertrag abgeschlossen wurde. Unternehmen, die jedes Jahr noch vergleichsweise hohe Gutschriften zuteilen, müssen Schlussüberschüsse auch entsprechend weniger zusammenstreichen. Eben weil sie im Branchenvergleich noch ziemlich hohe Zinsen für ihre Kunden erwirtschaften.

Versicherer mit aktuell schon relativ niedriger Überschussbeteiligung werden dagegen wohl stärker an den Schlussüberschuss herangehen. Das spürte der Kunde Heinze ja schon.

Das Problem wird sich im nächsten Jahr wohl sogar noch verschärfen, wie sich aus Prognosen der Ratingagentur Assekurata ergibt. Denn dann dürfte die zweite Generation der Garantiezinsen, die 3,5-Prozenter, noch sehr viel häufiger betroffen sein. Hier geht es vor allem um Verträge, die zwischen 1987 und 1994 verkauft worden waren.

Ein paar Zahlen aus der Assekurata-Studie zum Lebensversicherungsmarkt zeigen dies. So liegt die durchschnittliche Belastung der Unternehmen durch den Garantiezins derzeit bei 3,15 Prozent, wie Assekurata hochrechnete.

Das Problem der Branche ist gewaltig

Was Versicherer von ihren Kunden denken
Frühnebel, Dunkelheit und Frost - nicht nur für Autofahrer werden die kommenden Monate gefährlich. Für die Versicherer heißt es sogar auf Jahre hinaus: "Augen auf" und "Licht an"! Damit sie die Kunden und ihre Bedürfnisse besser erkennen! Sonst sieht es bald ganz düster aus. Quelle: dpa
Versicherer verlieren Kunden aus den AugenKein gutes Umfeld für Versicherungsgeschäfte sehen die Berater: Die Beitragseinnahmen der Versicherungsgesellschaften stagnierten oder gingen sogar zurück. Der Wettbewerbsdruck in allen Sparten steige. Und die Regulierungsdichte wachse: Deutschlands Versicherer bewegten sich aktuell in einem schwierigen Marktumfeld und müssten - auch mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung der Branche - einen weitreichenden Umbau ihrer Geschäftsmodelle bewältigen. "Angesichts dieser Herausforderungen laufen viele Anbieter Gefahr, ihr wichtigstes Kapital aus den Augen zu verlieren: ihre Kunden", stellen die Berater fest. In der Folge steige die Unzufriedenheit und Wechselbereitschaft bei den Kunden, wie die aktuelle Bain-Befragung von mehr als 2.500 Kunden aller großen deutschen Versicherer belege. Quelle: Handelsblatt Online
Wie die Berater zufriedene Kunden erkennenBain & Company misst die Kundenzufriedenheit seit mehr als zehn Jahren mit dem Net Promoter® Score (NPS). Diese Kennzahl ergibt sich aus den Antworten auf eine einzige Frage: „Auf einer Skala von null bis zehn, wie wahrscheinlich ist es, dass Sie diese Versicherung einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen?“ Die Antworten werden drei Kategorien zugeordnet. Dabei habe sich gezeigt, dass nur Werte von neun oder zehn für wirklich begeisterte Kunden stehen („Promotoren“), sieben und acht eher „passiv Zufriedene“ sind und Bewertungen von sechs oder weniger als „Kritiker“ eingestuft werden müssen. Minuswerte bedeuten, dass es weit mehr Kritiker als Anhänger gibt. Ein hoher NPS-Wert, insbesondere im Vergleich zum Wettbewerb, besitzt eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Quelle: Handelsblatt Online
Versicherte auf dem SprungDeutschlands Versicherern droht eine Abstimmung mit den Füßen, glauben die Bain-Berater aufgrund ihrer Befragungsmethode. 70 Prozent der Kritiker seien wechselwillig, und auch bei den neutral Eingestellten könne sich jeder Dritte einen Wechsel seiner bisherigen Versicherung vorstellen. Zwar befänden sich damit Millionen Versicherte der Bain-Umfrage zufolge auf dem Sprung. Doch noch hätten die Versicherer Zeit zu reagieren. Denn bislang suche nur eine Minderheit der Wechselwilligen aktiv nach alternativen Angeboten; die Mehrzahl würde erst handeln, wenn ein solches vorläge. Quelle: Handelsblatt Online
Aktiengesellschaften sind schlecht angesehenDie Unzufriedenheit der Kunden betrifft Vertreter aller Unternehmensgruppen. Allerdings differenzieren die Bundesbürger zwischen den einzelnen Anbietern und treffen keine Pauschalurteile. Bei einer Betrachtung der durchschnittlichen NPS-Werte für die großen Aktiengesellschaften, Versicherungsvereine, öffentliche Versicherer und Direktversicherer komme es daher zu erheblichen Unterschieden, so die Berater. "Das Nachsehen haben die großen Aktiengesellschaften." Dazu zählen die Branchengrößen Allianz, Munich Re mit der Ergo sowie Talanx. Quelle: Handelsblatt Online
Loyalität fördert EmpfehlungsbereitschaftBesonders loyale Kunden bleiben ihrem Anbieter länger treu als Kritiker oder neutral Eingestellte: Im Durchschnitt liegt die Vertragslaufzeit mit 9,4 Jahren rund eineinhalb Jahre bzw. 22 Prozent höher als bei anderen Kunden. Solche Kunden agieren zudem freiwillig als Markenbotschafter. Sie empfehlen ihre Versicherung im Durchschnitt 1,7-mal pro Jahr einem Freund oder Kollegen. Alle anderen können sich nicht durchringen, jemandem auch nur einmal pro Jahr zu einem Wechsel zu ihrem Anbieter zu raten. Besonders ausgeprägt ist die Empfehlungsbereitschaft bei den oftmals stark in einer Region verwurzelten öffentlichen Versicherern: Hier raten besonders loyale Kunden durchschnittlich sogar mehr als 2,1-mal pro Jahr einem Wechselwilligen zu. Generell steigt die Bereitschaft zur Weiterempfehlung, wenn Kunden mehrere Produkte eines Anbieters nutzen. Quelle: Handelsblatt Online
Begeisterung steigert den AbsatzBegeisterte Kunden bringen fast doppelt so hohe Prämieneinnahmen, stellen die Berater fest. Der Wert einer Empfehlung lasse sich nur schwer beziffern. Anders sehe dies beim Erwerb einer größeren Zahl von Produkten und längeren Vertragslaufzeiten aus. Diese beiden Faktoren führten dazu, dass die kumulierten Prämieneinnahmen eines loyalen Kunden mehr als doppelt so hoch liegen wie die eines Kritikers. Schon wenn es gelinge, einen Kritiker zu einem neutral eingestellten Kunden zu machen, steige die kumulierte Prämie um 42 Prozent. Quelle: Handelsblatt Online

Gut ein Drittel der Verpflichtungen in der Branche liegt bereits über diesem Wert. Das sind Verträge mit Garantiezinsen von 3,5 Prozent oder vier Prozent. Insgesamt schätzt Assekurata, dass „knapp zwei Drittel der Vertragsguthaben mit Garantien von mindestens drei Prozent bedient werden müssen“.

Dies zeigt die gewaltige, allerdings bisher theoretische Dimension des Branchenproblems. Zum Vergleich: Neuverträge mit einem Garantiezins von 1,75 Prozent machen derzeit weniger als zwei Prozent des Bestandes aus. Insgesamt besitzen die Deutschen rund 90 Millionen Lebensversicherungen.

Berücksichtigen sollte man bei solchen Durchschnittswerten zudem, dass die Spannbreite erheblich ist. Es gibt Unternehmen in der Branche, deren durchschnittlicher Garantiezins bereits bei 2,4 Prozent liegt. Hier liegen eben wenige Verträge mit hohen Zinsversprechen. Die Spitzenreiter mit besonders vielen Vierprozentern kommen dagegen auf einen durchschnittlichen Garantiezins von fast 3,5 Prozent.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Als Kunde kann man von außen nicht erkennen, wo die eigene Gesellschaft steht. Und auch der Umgang mit dem Problem ist oft nur indirekt ablesbar, zum Beispiel aus den Formulierungen in den jährlichen Standmitteilungen.

Kunden, die wissen wollen, woran sie sind, sollten diese Mitteilungen nicht nur sorgfältig lesen, sondern auch mit den Informationen aus den Vorjahren vergleichen. Und im Zweifel, so wie Kunde Heinze, auch einmal nachfragen.

All dies ändert nichts am Trend: Es wird immer enger. Wegen des Zinsrückgangs musste die Branche allein 2012 weitere fünf Milliarden Euro in ihre Zusatzreserve stecken. Im Jahr davor waren es nur 1,5 Milliarden Euro. Auch dies zeigt: Die Last für die Unternehmen steigt – und kein Kunde sollte erwarten, dass dies nicht bei ihm ankommt. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

 

 

Newsletter Recht & Steuern
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%