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Kfz-Versicherung Warum Sie für Ihr Auto bald mehr zahlen müssen

Versicherungswechsel beim Kraftfahrzeug: Jetzt den günstigeren Tarif finden. Quelle: Getty Images

Autofahrer können ihre Kfz-Versicherung in der Regel bis Ende November wechseln. Das lohnt sich oft, zumal Bestandskunden jetzt Beitragserhöhungen drohen.

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Es ist wieder soweit: Viele Kfz-Versicherer trommeln kräftig für den Wechsel des Anbieters. Denn die Policen laufen ein Jahr lang und sind mit einmonatiger Frist kündbar. Meist entspricht des Versicherungsjahr dem Kalenderjahr, sodass die Kündigung beim alten Anbieter bis Ende November eingegangen sein muss. Die Zeit drängt also. 

Haupttreiber für den Versicherungswechsel ist, wenig überraschend, der Preis. Etwa zwei von drei Personen nennen ihn als wichtigsten Grund, hat eine aktuelle Befragung des Meinungsforschers Yougov für den Digitalversicherer Getsafe unter 2000 Personen ergeben. Der harte Kampf um die Wechsler führt im November Jahr für Jahr zu Preisnachlässen, die Kunden für sich nutzen können. Nach Angaben des Vergleichsportals Check24 müssen für eine Kfz-Haftpflichtversicherung derzeit im Schnitt 273 Euro Beitrag gezahlt werden. Zum Vergleich: Damit liegt der Beitrag 16 Prozent niedriger als noch im Juli.

Allzu große Hoffnung auf hohe Ersparnisse sollten sich Wechselwillige allerdings nicht machen. Der Spielraum der Anbieter scheint zunehmend zu schwinden. Bislang konnten sie relativ geringe Erträge aus dem eigentlichen Versicherungsgeschäft durch Einnahmen aus ihren Kapitalanlagen ausgleichen. Doch auch die Kfz-Versicherer litten „mit Ihrem traditionell eher kurzfristigen Anlagehorizont unter den Folgen der Niedrigzinspolitik“, schreibt Versicherungsanalyst Dennis Wittkamp im Blog der Ratingagentur Assekurata. Seit Jahren steige die Bedeutung des eigentlichen Versicherungsgeschäfts - also dem direkten Vergleich von Beitragseinnahmen und Schadensausgaben. 

Im Jahr 2020, mit pandemiebedingt wenigen Unfällen und Schäden, hat das Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft marktweit erstmals das Kapitalanlageergebnis überstiegen, hat Assekurata ausgewertet. Doch 2021 hat sich der Verkehr wieder normalisiert, Schäden nehmen zu - auch Elementarschäden, etwa bei der Hochwasserkatastrophe im Juli. Wittkamp erwartet, dass Versicherer die Prämien bei Bestandskunden leicht anheben werden, im einstelligen Prozentbereich, um profitabel zu bleiben. Im Neugeschäft könne es nur wettbewerbsbedingt zu günstigeren Preisen kommen.

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    Solche Preiserhöhungen bei laufenden Verträgen berechtigen ebenfalls zur Kündigung. Der Wechsel des Anbieters ist dann nicht nur zum Ablauf des Versicherungsjahres möglich. Auch nach einem Schaden oder eben einer Beitragserhöhung besteht ein Sonderkündigungsrecht mit einmonatiger Frist. Im Dezember kommt es deswegen teils zu einer zweiten Wechselwelle, weil Anbieter ihren Bestandskunden die Beiträge erhöhen und die dann noch die Gelegenheit zum Wechsel nutzen.

    So finden Sie den passenden Tarif

    Die Wahl der passenden Kfz-Versicherung ist für Wechsler besonders wichtig. Dabei kommt es neben dem Beitrag auf Vertragsart und Leistungen an. Pflicht ist nur die Kfz-Haftpflicht, die für Schäden anderer aufkommt. Für die Absicherung des eigenen Autos hingegen ist eine Kaskoversicherung nötig. Beim Neuwagen ist meist die besonders umfangreiche Vollkasko sinnvoll, beim Gebrauchtwagen reicht eher eine Teilkasko.

    Um einen günstigen Anbieter zu finden, lohnt sich der Blick in gängige Vergleichsportale wie Verivox oder Check24. Zudem sollte ein Angebot beim Direktversicherer Huk24 abgefragt werden, der von den Portalen nicht gelistet wird, oft aber günstig ist. Auch das geht online.

    Bei der Kfz-Haftpflicht sollte die Deckungssumme ausreichend hoch sein. Das gesetzliche Minimum beträgt nur 7,5 Millionen Euro für Personenschäden. Besser sind pauschale 100 Millionen Euro Höchstdeckung. Der Anbieter sollte außerdem möglichst auf den Einwand grober Fahrlässigkeit verzichten; sonst könnte ein selbst verschuldeter Unfall womöglich doch zum finanziellen Ruin führen. Bei Kaskoversicherungen lässt sich der Beitrag durch ein paar Hundert Euro Selbstbeteiligung, jährliche Zahlungsweise und eine Werkstattbindung nennenswert drücken. 

    Bei herkömmlichen Policen gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die die Beitragshöhe beeinflussen. Dazu zählen etwa der Fahrzeugtyp, die Regional- und Typklasse. Hinter der Regionalklasse verbirgt sich das Risiko am jeweiligen Hauptwohnsitz. Versicherer greifen hierfür auf Daten zur Unfallwahrscheinlichkeit für alle Zulassungsbezirke zurück. Ausgewertet wird dabei nicht, wo Schäden aufgetreten sind, sondern wo der jeweilige Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat. Die Typklasse bildet eine Einstufung des Automodells ab. Außerdem fließen statistische Merkmale ein: Beruf, Alter und jährliche Fahrleistung etwa. Jüngere und ältere Fahrer verursachen beispielsweise häufiger Unfälle als Fahrer mittleren Alters. Bei höherem Risiko wird dann mehr Beitrag fällig.

    Ältere Fahrer wiederum profitieren meist von ihrer Schadensfreiheitsklasse, einem weiteren Einflussfaktor auf den Versicherungsbeitrag, den es aber nur in der Kfz-Haftpflicht und der Vollkaskoversicherung gibt. Für jedes Versicherungsjahr ohne Schaden steigen die Versicherten eine Stufe höher, meist zwischen 1 und 50. Bestimmte Risikopersonenkreise, etwa Fahranfänger oder junge Leute, müssen noch teils heftige Beitragsaufschläge hinnehmen. Grundsätzlich ist es möglich, dass ihnen Verwandte eine Schadenfreiheitsklasse übertragen - allerdings in begrenztem Umfang, je nach Jahren an Fahrerfahrung. Fahranfängern hilft das also meist nicht, weil sie eben noch keine Fahrerfahrung gesammelt haben. Wechselt ein Versicherter den Anbieter, kann er seine eigene Schadensfreiheitsklasse dabei mitnehmen.

    Teils gegen Beitragsaufschlag können Versicherte sich auch einen Rabattschutz oder Rabattretter sichern. Solche Klauseln stehen für die Zusicherung, dass ein Unfallschaden pro Jahr keinen Einfluss auf die Schadensfreiheitsklasse hat. Dieser Schutz kann beim Anbieterwechsel jedoch nicht mitgenommen werden, er bindet Versicherte also an ihren bisherigen Anbieter. Beim neuen Anbieter würden die Neukunden so eingestuft, als ob es den Rabattretter nicht gäbe - also maximal mit der Anzahl schadensfreier Jahre seit dem letzten Versicherungsfall.

    Traditionell ist die Kfz-Versicherung bemüht, das tatsächliche Risiko möglichst genau im Beitrag abzubilden. Mit neuen Tarifen, deren Beitrag sich am Fahrverhalten orientiert, wird diese Strategie perfektioniert. Für Wolfgang Schütz, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH, stellen diese Tarife in Sachen Vergleichbarkeit eine Herausforderung dar, „denn wie viel Autofahrer am Ende insgesamt für die Versicherung bezahlen müssen, steht erst am Ende des Versicherungsjahres fest. Das macht die Angebote schwerer mit anderen Tarifen, bei denen die Prämie fix ist, vergleichbar.“ Lange sei die Nachfrage nach den Tarifen überschaubar gewesen. Nun habe die Relevanz im Markt aber deutlich zunehmen. Verivox habe bislang keine solchen Tarife vermittelt, denke nun aber darüber nach. 



    Schütz sieht mehrere Vorteile für Kunden: „Um sich möglichst attraktive Preisnachlässe zu erfahren, sind die Autofahrer vorsichtiger unterwegs und bauen weniger Unfälle. Die Versicherer profitieren davon, weil sie weniger Schäden regulieren müssen und die Prämie maßgeschneidert für das individuelle Risiko des einzelnen Kunden berechnen können." 

    Mehr zum Thema: Tesla macht es vor: In der Kfz-Versicherung werden Beiträge zunehmend nach Fahrverhalten erhoben. Derartige Angebote kommen direkt von Autoherstellern, die ihren gewaltigen Datenschatz nutzen.

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