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Kostenexplosion Riester-Sparer müssen oft mehrfach zahlen

Riester-Zulage bringt oft nichts. Quelle: Getty Images

Wer einen Riester-Vertrag abschließt, will möglichst viel Geld fürs Alter zurücklegen. Bei vielen Anbietern schmälern jedoch hohe Kosten die Rendite – und das oft sogar mehrfach.

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Auf den ersten Blick sieht Riester-Sparen für viele Menschen attraktiv aus. Immerhin gibt es wahlweise Zulagen oder Steuerfreibeträge vom Staat – also quasi Geld geschenkt. Dass Riestern sich dennoch für die meisten Menschen nicht lohnt, liegt vor allem an den Kosten.

Wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen voriges Jahr in einer Untersuchung festgestellt hat, liegen die Kosten fast immer deutlich über dem, was die Bundesregierung als Referenzwert angibt. Beim teuersten Angebot waren sie sogar um das Fünffache höher. 

Jetzt legen die Verbraucherzentralen nach. Verantwortlich sind dieses Mal die sogenannten Marktwächter Finanzen, die Verbraucherbeschwerden nachgehen und empirisch überprüfen

Grundlage der jetzigen Untersuchung war die Beschwerde eines Verbrauchers aus dem Sommer 2018. Der hatte 2006 eine klassische Riester-Rentenversicherung abgeschlossen. Als er dann jedoch Vater und damit kinderzulagenberechtigt wurde, wollte er künftig etwas weniger Eigenbeitrag einzahlen. Die Versicherung kam seinem Wunsch nach, erhob aber dafür erneut Abschluss- und Vertriebskosten.

Wie die Marktwächter Finanzen vorrechnen, musste er so am Ende einen Kostenanteil von knapp neun Prozent bezahlen.

Zum Vergleich: Die Abschluss- und Vertriebskosten von Lebensversicherungen insgesamt sind etwa halb so hoch – und selbst das schmälert die Rendite derart, dass viele Vorsorgeexperten von den teuren Produkten abraten.

Die Umfrage der Verbraucherzentralen zeigt nun, dass es sich bei dem mehrfach belasteten Vater mitnichten um einen Einzelfall handelt. Sie fragten 85 Versicherungen an, ob Kosten bei ihnen mehrfach berechnet würden. Nur 34 antworteten, davon 15 positiv. Bei fast jeder zweiten Versicherung, die Auskunft gibt, drohen Kunden also Mehrfachkosten.

Zusätzlich perfide ist, dass die neuerlichen Kosten ausgerechnet bei Eltern fällig werden, die ihren Beitrag anpassen, weil sich die Zulagen ändern – also etwa, wenn sie Kinder bekommen oder diese zu alt werden, um noch zulagenberechtigt zu sein.

Das widerspreche der Intention des Gesetzgebers, kritisiert Sandra Klug, Teamleiterin des Marktwächters. „Riester-Verträge sollen vor allem für Sparer mit Kindern lukrativ sein.“ Das sei einer der Hauptgründe, warum das Modell überhaupt geschaffen wurde. Gerade bei Familien sei Flexibilität unabdingbar. „Höheren Kosten untergraben die Flexibilität, die Riester-Verträge ihrem Grundgedanken nach innehaben sollten.“.

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