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Krankenkassen machen Minus Ministerium: „Finanzlage stabil“

Jahrelang konnten die gesetzlichen Krankenkassen ein dickes finanzielles Polster aufbauen. Nun müssen sie darauf zurückgreifen. Das hat mehrere Gründe.

Das verdienen die Chefs der Krankenkassen
Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, erhielt 2013 erneut das höchste Gehalt. Er verdiente insgesamt 288.848 Euro und damit 4,5 Prozent mehr als noch 2012. Die gesamte Liste kann hier eingesehen werden. Quelle: Techniker Krankenkasse
Der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub, verdiente 2013 rund 282.813 Euro und steigerte sein Gehalt damit im Vergleich zu 2012 um 13,1 Prozent. Quelle: dpa
Hebert Rebscher, Chef der DAK, verdiente 2013 etwa 246.625 Euro. Seit 2005 ist er Vorstandsvorsitzender der DAK. Quelle: DAK-Gesundheit
Der Chef der AOK Plus, Stefan Knupfer, verdiente 2013 rund 246.390 Euro. Er übernahm das Amt des Vorstandsvorsitzenden von Rolf Steinbronn. Bildquelle: AOK Plus
Helmut Platzer (links), Chef der AOK Bayern, verdiente 2013 etwa 241.132 Euro und damit genauso viel wie im Jahr 2012.
Der Chef der KKH (Kaufmännische Krankenkasse), Ingo Kailuwait, erhielt 2013 rund 232.153 Euro Gehalt und damit mehr als 2012. Da lag sein Gehalt noch bei 231.267 Euro.
Das Gehalt von Frank Michalak, Chef der AOK-Nordost, lag 2013 bei 224.234 Euro. Darin inbegriffen war eine Prämie von 51.156 Euro. Michalak steigerte sein Einkommen damit im Vergleich zu 2012 um vier Prozent. Quelle: AOK Nordost

Die fetten Jahre bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind vorbei. In den ersten drei Quartalen 2014 verbuchten die Kassen nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein Minus von 740 Millionen Euro und mussten erstmals seit längerem von ihren Reserven zehren. Als Grund für die Entwicklung wurden steigende Gesundheitskosten und Änderungen im Finanzausgleich zwischen den Kassen genannt. Im vergangenen Jahr hatten sie in dem Zeitraum noch einen Überschuss von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Seit geraumer Zeit deutete sich allerdings an, dass ihre Finanzlage angespannter ist. Zuvor konnten die Kassen laut Zeitung fünf Jahre lang Gewinne einfahren und Reserven anlegen.

Die zehn größten Krankenkassen 2014

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung erklärte zu dem Bericht: „Der Trend stimmt, denn die Ausgaben für Medikamente, Arzthonorare und Kliniken steigen schneller als Einnahmen.“ Die exakten Zahlen über den Gesundheitsfonds und alle Kassen erwarte man in der kommenden Woche vom Gesundheitsministerium, sagte Sprecher Florian Lanz am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Ministerium erklärte, die 131 Krankenkassen hätten in den ersten drei Quartalen durch Prämienzahlungen und freiwillige Leistungen Reserven in Höhe von rund 750 Millionen Euro an ihre Versicherten zurückgeführt. „Die gesetzlichen Krankenkassen verfügen damit über Finanz-Reserven in Höhe von rund 16 Milliarden Euro“, sagte eine Sprecherin. Damit sei die Finanzsituation der gesetzlichen Kassen weiter stabil.

Innerhalb des Kassenlagers ergibt sich dem „FAZ“-Bericht zufolge ein sehr unterschiedliches Bild. Während die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und die Knappschaft Überschüsse von 350 und 118 Millionen Euro ausweisen, schreiben alle anderen rote Zahlen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Angaben der Krankenkassen. Demnach kommen die Innungskassen nach neun Monaten auf ein Defizit von 118 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen auf ein Minus von 257 Millionen Euro und die Ersatzkassen, der Marktführer, gar von 830 Millionen Euro.

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Ende 2013 hatte die gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein Rekordpolster von 30,3 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Davon entfielen 16,7 Milliarden Euro auf die einzelnen Kassen und 13,6 Milliarden auf den Gesundheitsfonds, die Geldsammel- und Geldverteilstelle der GKV. Wegen dieser guten Finanzlage reduzierte der Bund seine Zuschüsse für die GKV vorübergehend. Für die Versicherten fällt 2015 der bisherige Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent weg - der von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen zu tragende Beitragssatz wird auf 14,6 Prozent festgelegt. Allerdings dürften viele Kassen einkommensabhängige Zusatzbeiträge erheben, um den Einnahmeausfall zu kompensieren. Billiger wird es für viele Versicherte daher wohl nicht.

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