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Krankenversicherung Zahlenstreit um Versicherungswechsel

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Private locken mit Billigtarifen

Die Barmer GEK ist Branchenführer unter den gesetzlichen Krankenkassen Quelle: dpa

Bei den Branchenführern Barmer GEK und Techniker Krankenkasse (TK) gab es mehr Neuzugänge von den Privatkassen. Der Barmer GEK kehrten vergangenes Jahr 18.000 Mitglieder in Richtung PKV den Rücken. 27.600 kamen hinzu. Bei der TK kommt man unterm Strich auf 41.000 Neuversicherte bei 68.000 Zugängen von der PKV. Graalmann sagt: „Bei uns häufen sich die Anfragen von Privatversicherten, die zur AOK kommen wollen.“ Der Satz ähnelt sehr der Aussage von PKV-Verbandschef Laue.

Steigende PKV-Tarife

Die Gründe für einen Wechsel in eine gesetzlichen Krankenkasse sind individuell sehr unterschiedlich. Teils massive Beitragssprünge von 40 bis 60 Prozent brachten den Privatkassen zum Jahresende Negativschlagzeilen. Unabhängige Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die PKV-Tarife Jahr für Jahr um durchschnittlich mindestens sieben Prozent steigen. Das Analysehaus Morgen & Morgen sieht die Beitragserhöhungen der Branche für das Jahr 2012 im Schnitt bei 4,4 Prozent. Der Anteil der Tarife ohne Steigerung wuchs den Analysten zufolge aber von 35 auf 45 Prozent.

Laut gesetzlichen Kassen fangen private Konkurrenten Menschen oft mit Billigtarifen ein - mitunter seien die so günstig, dass sie die gesamte Kalkulation einer Versicherung durcheinanderbrächten. „Wer sich mit Anfang 30 privat versichert, muss bis zum Rentenalter mindestens eine Verdreifachung der Beiträge einkalkulieren“, sagt Ulrike Steckkönig, Gesundheitsexpertin der Zeitschrift „Finanztest“. Von Anfang an müsse man sich über seine Finanzlage einigermaßen sicher sein. „Sonst sollte man tendenziell in der gesetzlichen Versicherung bleiben, denn für viele ist es sonst ein Weg ohne Rückkehrmöglichkeit.“

Künftige Entwicklungen sind unsicher

Verlässliche Aussagen zur künftigen Beitragsentwicklung der Krankenversicherungen kann es nicht geben. Die privaten Anbieter sehen sich selbst aufgrund der Altersrückstellungen von insgesamt 158 Milliarden Euro offiziell als Zukunftsmodell. 8,95 Millionen Menschen haben eine private Vollkrankenversicherung. Beitragserhöhungen einzelner Versicherer wie zuletzt von bis zu 50 Prozent sind damit aber auch nicht ausgeschlossen. Die private Krankenversicherung könnte somit im Alter relativ teuer werden.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen ist es hingegen politisch gewollt, dass sich die Zahl der gesetzlichen Versicherungen weiter verringert – sei es durch Zusammenschlüsse oder Insolvenzen. Die Zahl der Versicherten hängt wie schon immer im wesentlichen von politischen Entscheidungen ab. Schließlich entscheiden Bundesregierung und Bundestag über die Höhe des Beitragssatzes, die Deckelung von Zusatzbeiträgen und die Versicherungspflichtgrenze. Und nicht zuletzt auch über die Versicherungspflicht von Selbständigen und Freiberuflern. In diesem System gibt ebenso wenig Sicherheit über die künftige Entwicklung.

Wer sich nach einer Krankenversicherung umsieht, sollte also zunächst bei den individuellen Voraussetzungen bleiben und sich keine Gedanken über die Zukunft der konkurrierenden Systeme machen. Einkommen, Lebensplanung, Sicherheit der Einkünfte, Vorerkrankungen, Familienverhältnisse und der persönliche Bedarf an medizinischer Versorgung über das gesetzliche Mindestmaß hinaus sollten bei der Entscheidung für oder gegen eine private Krankenversicherung daher im Vordergrund stehen.

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