Krankenversicherung Private Versicherungen lassen Kunden zu viel zahlen

Die Stiftung Warentest hat private Krankenversicherer unter die Lupe genommen. Das Resultat ist niederschmetternd. Nur fünf von mehr als 100 Tarifen sind sehr gut. Der Rest kostet zu viel bei geringer Leistung.

Diese Leistungen müssen private Krankenversicherer übernehmen
Zunächst einmal sollten Privatpatienten und solche, die es werden wollen, wissen, dass die Versicherung sich weigern kann, Rechnungen eines bestimmten Arztes zu bezahlen. Dieser Ausschluss kommt in der Regel dann vor, wenn der Mediziner mehrmals durch falsche Abrechnung aufgefallen ist oder deutlich höhere Rechnungen stellt, als die Konkurrenz. Die Versicherung muss ihre Kunden allerdings darüber informieren, wenn sie bestimmte Ärzte ausschließt und kann sich nicht erst nach der Behandlung weigern, die Kosten zu übernehmen. Quelle: Fotolia
Wann eine Arztrechnung eingereicht wird, spielt übrigens keine Rolle. Die Versicherung muss zahlen, auch wenn der Patient die Rechnung erst Jahre nach der Behandlung einreicht. Quelle: Fotolia
Wer für eine Operation nicht in eine Uniklinik oder ein städtisches Krankenhaus, sondern in eine Privatklinik gehen möchte, kann das tun. Die Versicherung übernimmt die Kosten - auch wenn die oft deutlich über denen der anderen Spitäler liegen. Quelle: dpa/dpaweb
Neben den Kosten für Arztbesuche und Klinikaufenthalte übernehmen die Versicherer in der Regel auch hohe Laborkosten. Selbst wenn diese über dem von den gesetzlichen Kosten akzeptierten Satz liegen. Privatversicherte sollten allerdings ihren Vertrag genau prüfen: Manche Unternehmen schließen hohe Laborkosten aus beziehungsweise zahlen nur den regulären Satz. Die Kunden müssen dann die Differenz selber tragen. Quelle: dpa
Außerdem übernimmt die Versicherer Leistungen von fachfremden Ärzten. Wenn beispielsweise der Hautarzt seinen Patienten gegen Tetanus impft, zahlt die Private die Behandlung anstandslos. Quelle: dpa
Wo sich Kassenpatienten mit den günstigen Modellen abfinden oder selbst tief in die Tasche greifen müssen, übernehmen die privaten Krankenversicherer auch teuren Zahnersatz. Die Patienten dürfen günstige Modelle ablehnen, wenn diese beispielsweise einen schlechten Tragekomfort haben. Quelle: AP
Auch Massagen und Krankengymnastik muss die private Krankenversicherung bezahlen. Jedoch übernehmen die Versicherer nur die am Markt üblichen Preise. Wer eine Behandlung in Anspruch nimmt, die teurer ist als in Deutschland üblich, muss die Differenz aus eigener Tasche zahlen. Quelle: Fotolia

Die Stiftung Warentest hat die Angebote privater Krankenversicherer überprüft. Dabei untersuchten die Tester 24 Angebote für Beamte, 38 für Angestellte und 45 für Selbstständige und bewerteten das Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit dem Testergebnis haben sich die Versicherer nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Fünf Mal vergaben die Tester die Note "sehr gut", 29 mal "gut". Die restlichen 73 Tarife konnten leider nicht überzeugen, acht mal gab es sogar die Note "mangelhaft".

Die besten PKV-Tarife und die Leistungsfähigkeit der Anbieter

Bei gleichem Leistungsniveau fanden die Tester außerdem gewaltige Beitragsunterschiede: Alle Versicherer boten ein deutlich besseres Leistungsangebot an, als die gesetzlichen Kassen. Der 35-jährige, selbstständige Modellkunde zahlt allerdings bei einem Anbieter mit "sehr gutem" Preis-Leistungs-Verhältnis 395 Euro Beitrag im Monat, bei 900 Euro Selbstbeteiligung. Bei einem anderen sind es 728 Euro Monatsbeitrag mit einer jährlichen Selbstbeteiligung von 960 Euro – ein "mangelhaftes" Preis-Leistungs-Verhältnis. Der gleichaltrige Angestellte kann für ein "sehr gutes" Angebot 441 Euro oder für ein "mangelhaftes" 804 Euro zahlen, bei 600 beziehungsweise 320 Euro Selbstbeteiligung im Jahr.

Wann sich der Wechsel zur PKV lohnt und worauf zu achten ist

Immerhin hat der Test auch positive Ergebnisse hervorgebracht: So haben viele Versicherer ihre Angebote deutlich verbessert. Nun gibt es zum Beispiel umfassende Leistungen für Psychotherapie oder für Hilfsmittel wie Hörgeräte. In vielen privaten Verträgen sind nun auch Leistungen für häusliche Krankenpflege, ambulante Kuren, stationäre Reha-Maßnahmen oder Sterbebegleitung für unheilbar Kranke vorgesehen. Dennoch sollte der Wechsel in eine private Krankenversicherung gut überlegt sein. Denn er ist eine Entscheidung fürs Leben, eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse ist extrem schwierig oder sogar ausgeschlossen.

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Rundum empfehlenswert ist eine private Krankenversicherung nur für Beamte. Selbstständige und Angestellte sollten sich nur dann privat versichern, wenn sie vermögend sind oder über die Jahre für die höheren Beiträge im Alter ansparen können. Laut Finanztest muss man davon ausgehen, dass der private Beitrag für die Krankenversicherung im Rentenalter dreimal so hoch ist wie bei Vertragsabschluss mit Mitte 30. Hinzu kommt: In der privaten Krankenversicherung zahlt jedes Familienmitglied eigene Beiträge. Für eine Familie mit mehreren Kindern können dadurch mehrere hundert Euro im Monat zusätzlich anfallen.

Die kompletten Ergebnisse mit allen Tarifen erscheinen in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest oder online.

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