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Krankenversicherung Warum sich die PKV kaum noch lohnt

In der privaten Krankenversicherung drohen Tariferhöhungen im zweistelligen Prozentbereich. Lohnt sich die PKV dann überhaupt noch? Vieles spricht dagegen.

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Quelle: Getty Images

Für die Mehrheit der 8,8 Millionen privat Krankenversicherten wird es ein frustrierender Jahreswechsel: Zwei Drittel von ihnen dürften nach vorläufigen Schätzungen von einer kräftigen Beitragserhöhung im nächsten Versicherungsjahr betroffen sein. Etwa sechs Millionen Versicherte müssen mit einer Erhöhung der monatlichen Versicherungsprämie um durchschnittlich elf bis zwölf Prozent rechnen.

Die Ausgaben für den privaten Gesundheitsschutz steigen damit ungewöhnlich stark. Die Ursache dafür sieht die Branche einmal mehr in der Niedrig- und Nullzinspolitik der Notenbanken. Die Rücklagen der Versicherungsgesellschaften für die künftigen Gesundheitsausgaben ihrer Kunden werfen am Kapitalmarkt immer weniger ab. Langlaufende Rentenpapiere, die vor Jahren noch Zinserträge von sieben oder acht Prozent einbrachten, laufen aus und müssen gegen deutlich schlechter verzinste Papiere getauscht werden. Ohne Beitragserhöhungen würde der Kapitalstock der privaten Krankenversicherer mit der Zeit austrocknen.

Schock für Wechselwillige

Für die Kunden ist es eine einzige Enttäuschung. Schließlich haben viele von ihnen eine private Krankenversicherung abgeschlossen, weil sie sich davon niedrigere Beiträge und eine bessere Versorgung versprachen. Ob sich zusätzliche Leistungsmerkmale wie Chefarztbehandlung und Einbettzimmer bezahlt machen, ist sicher vom Einzelfall abhängig. Angesichts der deutlichen Erhöhung im zweistelligen Bereich, stellt sich für die freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse Versicherten die Frage, ob sich ein Wechsel in die PKV finanziell noch lohnt.

Zweifel sind angebracht.

Es ist so: Ein Angestellter, der mehr als in der Versicherungspflichtgrenze festgelegt verdient, darf zu einer Privaten Krankenversicherung wechseln. Beamte sind ohnehin nahezu ausnahmslos aufgrund gesetzlicher Vorgaben in der Privaten Krankenversicherung, Selbstständige haben grundsätzlich die Wahl. Das Problem: Wer sich einmal dafür entschieden hat, kann nicht so einfach in den Schutz der gesetzlichen Krankenkassen zurückkehren. Wer älter als 55 Jahre und privatversichert ist, bleibt das bis zum Tod.

Während sich die Beiträge in der GKV als Anteil vom Bruttolohn berechnen und mit den Einkommensänderungen mitschwanken, ist die PKV als kapitalgedeckter Versicherungsschutz in ihren Beiträgen einkommensunabhängig. Hier spielen bei Vertragsabschluss nur die Gesundheitsrisiken und die Tarifmerkmale die entscheidende Rolle.

Allerdings darf – und muss – auch die PKV die Beiträge anpassen. Das macht sie abhängig von ihren Ausgaben und Einnahmen. Auf der Ausgabeseite sorgen medizinischer Fortschritt und steigende Gesundheitskosten für Beitragserhöhungen, auf der Einnahmenseite die Entwicklung der Beitragseinnahmen der Versicherten sowie die Zinseinnahmen des Kapitaldeckungsstocks. Beides sorgte bereits in der Vergangenheit dafür, dass die Beiträge immer wieder kräftig stiegen.

Schubweise höhere PKV-Beiträge

Die Beitragserhöhungen sind sogar gesetzlich vorgeschrieben: Was die Versicherer nicht am Kapitalmarkt erwirtschaften können, müssen sie zusätzlich zurücklegen. Um solch untypische Beitragserhöhungen zu vermeiden, müssen sie eine Kapitalmarktrendite von mindestens 3,5 Prozent erzielen. Im Branchendurchschnitt schafften sie dies zuletzt nur mit Ach und Krach. Die Ertragsaussichten sinken. Weil außerdem die Ausgaben für medizinische Leistungen in ähnlichem Umfang steigen wie bei den gesetzlichen Versicherern, ist eine vorsorgliche Erhöhung der Beiträge unumgänglich. Das System fördert so nur gelegentliche, aber dafür dann kräftige Beitragserhöhungen.

Allerdings betreffen die Erhöhungen nicht alle Kunden im gleichen Umfang. Im Grunde gleicht eine Versicherung die kalkulierten mit den tatsächlich erforderlichen Leistungen ab. Wo sich Abweichungen von mindestens fünf oder zehn Prozent ergeben, kommt der Tarif auf den Prüfstand. So kann es passieren, dass ein und dieselbe Versicherung den einen Tarif teurer macht, die Beiträge in anderen Tarifen jedoch stabil lässt oder sogar senkt.

Der PKV-Verband hält die bevorstehenden Beitragserhöhungen für untypisch hoch. „Ohne die Auswirkungen der Niedrigzinsen wäre die PKV-Beitragsentwicklung auch in diesem Jahr unauffällig“, sagt etwa Volker Leienbach, Vorstandsmitglied des Verbandes. Doch ohne deutliche Beitragserhöhungen ging es schon in der Vergangenheit ebenso wenig wie in der GKV.

Welche Versicherung ist langfristig günstiger?

Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass die Beitragssteigerungen in der PKV regelmäßig höher ausfallen als in der gesetzlichen Krankenversicherung – und dass dies in Zukunft schlimmer werden dürfte, bleiben die Zinsen am Kapitalmarkt so niedrig. Wagen wir den Blick zurück.

Betrachten wir zunächst einen freiwillig gesetzlich Versicherten. Freiwillig heißt, der Versicherte verdient oberhalb der Versicherungspflichtgrenze und hat somit die überhaupt erst die Wahl, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Diese Grenze – auch Jahresarbeitsentgeltgrenze genannt – ist über die Jahre ebenfalls immer weiter gestiegen und liegt derzeit bei einem Jahreseinkommen von 56.250 Euro jährlich, umgerechnet also 4.687,50 Euro monatlich. Für alle Arbeitnehmer die weniger verdienen, stellt sich die Frage erst gar nicht, ob die PKV eine lohnende Alternative ist.

Nehmen wir ferner an, der gesetzlich Versicherte hat ein Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze. Damit zahlt er immer den maximalen Monatsbeitrag an die Krankenkasse. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt für 2016 bei einem Jahreseinkommen von 50.850 Euro, 2017 soll sie auf 52.200 Euro steigen. Auch wer aktuell deutlich mehr als 4237,50 Euro im Monat verdient, überweist somit höchstens 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag von diesen 4237,50 Euro. Bei einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von etwas mehr als einem Prozent zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber also gemeinsam maximal 664 Euro.

Vor zehn Jahren lag die Beitragsbemessungsgrenze noch bei 3562,50 Euro monatlich. Der Beitragssatz betrug damals 14,2 Prozent plus Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent. Somit gingen monatlich 505 Euro an die Krankenkasse. Unter dem Strich musste der gut verdienende gesetzlich Versicherte in den vergangenen zehn Jahren somit eine Beitragssteigerung von 31 Prozent hinnehmen.

Beitragserhöhung bis zu 63 Prozent in zehn Jahren

Kommen wir nun zur PKV. Der Bund der Versicherten schätzt, dass sich die Beitragserhöhungen in der PKV mittel- bis langfristig auf 3,5 und 5,0 Prozent pro Jahr belaufen. 3,5 Prozent sind selbst laut PKV-Verband ein realistische Größe, die auch die Versicherungsmathematiker der deutschen Aktuarvereinigung bestätigt haben. Vergleichstests von 2006 ergaben für einen neuen PKV-Versicherten einen monatlichen Beitrag von rund 300 Euro, sofern er den Vertrag mit etwa 35 Jahren bei guter Gesundheit abschloss. Anders als die GKV kalkulieren die privaten Krankenversicherer die Beitragshöhe unabhängig vom Einkommen, dafür abhängig von den individuellen Gesundheitsrisiken.

Die finanzstärksten privaten Krankenversicherungen
Krankenversicherer: Axa Rating Krankenversicherer *: +++ Punkte für ausgewählte wichtige Rating-KennzahlenNettoverzinsung Kapitalanlagen (max. 500) *2: 418 Ergebnisquote aus dem Versicherungsgeschäft (max. 500) *3: 0 Verhältnis Rückstellungen zu Beitragseinnahmen (max. 400) *4: 0 Wachstum Vollversicherte und Beiträge (max. 400) *5: 400 * Softfair hat anhand von zehn Kennzahlen aus den Geschäftsberichten (2014) analysiert, inwieweit die Versicherer aufgrund ihrer finanziellen Lage die Beiträge auch künftig stabil halten können, pro Kennzahl gab es maximal 100, 300, 400 oder 500 Punkte *2 misst, wie gut der Versicherer Kundengelder anlegt *3 ist die Quote zu niedrig, arbeitet der Versicherer unprofitabel, ist sie zu hoch, geht dies zulasten der Kunden *4 je höher die RfB-Quote, desto geringer kann der Versicherer Beitragserhöhungen *5 je mehr Neukunden und zusätzliche Beiträge, desto finanzkräftiger der Versicherer Quelle: Softfair Analyse Quelle: REUTERS
Krankenversicherer: Universa Rating Krankenversicherer: ++++ Punkte für ausgewählte wichtige Rating-KennzahlenNettoverzinsung Kapitalanlagen (max. 500): 311 Ergebnisquote aus dem Versicherungsgeschäft (max. 500): 460 Verhältnis Rückstellungen zu Beitragseinnahmen (max. 400): 192 Wachstum Vollversicherte und Beiträge (max. 400): 385 Quelle: Presse
Krankenversicherer: Signal Rating Krankenversicherer: ++++ Punkte für ausgewählte wichtige Rating-KennzahlenNettoverzinsung Kapitalanlagen (max. 500): 500 Ergebnisquote aus dem Versicherungsgeschäft (max. 500): 264 Verhältnis Rückstellungen zu Beitragseinnahmen (max. 400): 400 Wachstum Vollversicherte und Beiträge (max. 400): 239 Quelle: DPA
Krankenversicherer: R+V Rating Krankenversicherer: ++++ Punkte für ausgewählte wichtige Rating-KennzahlenNettoverzinsung Kapitalanlagen (max. 500): 484 Ergebnisquote aus dem Versicherungsgeschäft (max. 500): 295 Verhältnis Rückstellungen zu Beitragseinnahmen (max. 400): 169 Wachstum Vollversicherte und Beiträge (max. 400): 263 Quelle: Presse
Krankenversicherer: Inter Rating Krankenversicherer: ++++ Punkte für ausgewählte wichtige Rating-KennzahlenNettoverzinsung Kapitalanlagen (max. 500): 465 Ergebnisquote aus dem Versicherungsgeschäft (max. 500): 327 Verhältnis Rückstellungen zu Beitragseinnahmen (max. 400): 400 Wachstum Vollversicherte und Beiträge (max. 400): 129 Quelle: Presse
Krankenversicherer: HanseMerkur Rating Krankenversicherer: ++++ Punkte für ausgewählte wichtige Rating-KennzahlenNettoverzinsung Kapitalanlagen (max. 500): 500 Ergebnisquote aus dem Versicherungsgeschäft (max. 500): 328 Verhältnis Rückstellungen zu Beitragseinnahmen (max. 400): 240 Wachstum Vollversicherte und Beiträge (max. 400): 400 Quelle: Presse
Krankenversicherer: Debeka Rating Krankenversicherer: ++++ Punkte für ausgewählte wichtige Rating-KennzahlenNettoverzinsung Kapitalanlagen (max. 500): 500 Ergebnisquote aus dem Versicherungsgeschäft (max. 500): 0 Verhältnis Rückstellungen zu Beitragseinnahmen (max. 400): 291 Wachstum Vollversicherte und Beiträge (max. 400): 400 Quelle: DPA

Ausgehend von einem Anfangsbeitrag von 300 Euro und einer durchschnittlichen jährlichen Beitragserhöhung um 3,5 Prozent würde der Versicherte – wieder gemeinsam mit dem Arbeitgeber heute monatlich 423 Euro zahlen müssen. Das entspräche einer Beitragserhöhung von 41 Prozent in zehn Jahren. Hat der Versicherte Pech und seine Versicherung war gezwungen, den Beitrag um durchschnittlich fünf Prozent anzuheben, läge sein Beitrag sogar bei 489 Euro und somit 63 Prozent höher als bei Vertragsabschluss.

Vergleich der Beitragsentwicklung in GKV und PKV
Jahr20062007200820092010201120122013201420152016
GKV-Beitrag (€)505,88505,88536,40569,63558,75575,44592,88610,31627,75602,25618,68
PKV-Beitrag* +3,5% p.a. (€)300310,50321,37332,61344,26356,31368,78381,69395,05408,87423,18
PKV-Beitrag* +5,0% p.a. (€)300315330,75347,29364,65382,88402,02422,13443,24465,39488,66
Quelle: GKV-Spitzenverband, PKV-Verband, Bund der Versicherten, eigene Berechnungen; Die GKV-Beiträge gelten für Arbeitnehmer, deren Einkommen regelmäßig oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze im jeweiligen Jahr liegt. *Schätzung basiert auf typischem PKV-Beitrag für einen 30-jährigen Neukunden von 2006, der bei guter Gesundheit war. Die unterstellte durchschnittliche Beitragssteigerung basiert auf den Erfahrungswerten und Schätzungen der genannten Verbände und des Bund der Versicherten. Alle angegebenen Beiträge beinhalten den Arbeitgeber- sowie den Arbeitnehmeranteil.

Vorausgesetzt, der Versicherte ist Angestellter und sein Arbeitgeber übernimmt die Hälfte der Krankenversicherungsbeiträge, ist sein hälftiger Beitrag ebenfalls zwischen 41 und 63 Prozent gestiegen. Trotz des höheren Arbeitnehmeranteils beträgt die Beitragssteigerung für den gesetzlich Versicherten seit 2006 nur 32 Prozent.

Warum das Risiko in der PKV höher ist

Die Privaten Krankenversicherungen argumentieren nun, beide Systeme seien von Beitragssteigerungen betroffen und in ihrer Entwicklung vergleichbar, weil die Beitragsbemessungsgrenze regelmäßig angehoben und jede Gehaltserhöhung zu höheren Beiträgen führen würde.

Aber der Vergleich hinkt. Zum einen ist die Beitragsbemessungsgrenze in den vergangenen zehn Jahren nur um 19 Prozent gestiegen. Zum anderen sind die Beiträge bei Überschreiten dieser Grenze gedeckelt, die Einkommenshöhe spielt dann keine Rolle mehr. Es ist also recht wahrscheinlich, dass im Alter die PKV-Beiträge für den Versicherten deutlich höher sind als bei einer gesetzlichen Krankenkasse.

Laut PKV-Verband spricht auch die Bildung von Altersrückstellungen für eine private Krankenversicherung, da sie das Risiko von Beitragserhöhungen im Alter reduziert.

Was die Krankenkasse alles zahlt
Leistungskatalog Quelle: dpa
Kuren Quelle: dpa
Mutter-Vater-Kind-Kuren Quelle: dpa
Hörhilfen, Prothesen & Co. Quelle: REUTERS
Wartungen für Rollstuhl & Co. Quelle: dpa
Krankengeld Quelle: dpa
Übernahme von Fahrtkosten Quelle: dpa

Auch dieses Argument ist schief – vor allem im Rentenalter. Zum einen entfällt dann der hälftige Arbeiteranteil. Vom dann fälligen vollen Beitrag entfallen lediglich zehn Prozent, die dem Aufbau von Altersrückstellungen gedient haben, sowie etwa fünf Prozent, die für eine – optional als Tarifmerkmal wählbare – Krankengeldversicherung fällig waren. Nur auf Antrag gewährt die gesetzliche Rentenversicherung einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung in Höhe von weiteren 7,3 Prozent der gesetzlichen Rente – maximal bis zur Hälfte der Beiträge. Angenommen der Gutverdiener bekommt 2500 Euro von der gesetzlichen Rentenkasse, müsste er dann noch immer 534 Euro monatlich an die PKV zahlen.

Der gesetzlich Versicherte zahlt auf seine Rente hingegen den üblichen Beitragssatz. Die Hälfte davon plus Zusatzbeitrag zahlt der Rentner, den Rest die Rentenversicherung. Nehmen wir an, der Beitragssatz steigt bis dahin auf 20 Prozent und der Zusatzbeitrag auf zwei Prozent. Bei gleicher Rente von 2500 Euro sind für den gesetzlich Versicherten somit nur schätzungsweise 300 Euro monatlich fällig.

Hohe Beiträge im Rentenalter

Nicht selten sind die PKV-Beiträge im Alter bereits immens hoch. Wer mit 35 Jahren mit einem Beitrag von 300 Euro gestartet ist, zahlt bei 3,5 Prozent durchschnittlicher jährlicher Erhöhung im Alter von 65 Jahren schon 842 Euro. Bei einer Beitragssteigerung von fünf Prozent wären es schon 1297 Euro. Und die Beiträge dürften auch dann noch weiter steigen. Mit 75 Jahren liegen die Beiträge bei 3,5-prozentiger Steigerungsrate bereits bei 1188 Euro, bei fünf Prozent Erhöhung pro Jahr sogar bei 2112 Euro. Selbst für Bezieher einer hohen Rente dürfte das zu viel sein.

Das Risiko, im Alter in die Beitragsfalle zu laufen, ist in der PKV deutlich größer – selbst wenn die Politik in Zukunft nicht umhinkommen wird, die Kosten für Gesundheitswesen und Sozialversicherung aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmend den sozialversicherungspflichtig Beschäftigen aufzubürden. Erst jüngst sind die Zuschüsse des Bundes für die gesetzliche Krankenversicherung dauerhaft auf 14,5 Milliarden Euro gedeckelt worden. Aber wie immer gilt: Jede Regierung ist zunächst auf Wählerstimmen angewiesen und jede neue Regierung kann die Karten neu mischen.

Die Frage, ob sich die bisherigen Beitragssteigerungen für die Zukunft so fortschreiben lassen, ist natürlich nur mit Schätzungen zu beantworten. Aber die bevorstehenden Beitragserhöhungen in der PKV zeigen, dass die Abhängigkeit von den Bedingungen am Kapitalmarkt nicht in jedem Umfeld zu einer besseren Finanzierbarkeit der Kosten geeignet ist.

Die PKV-Vorteile liegen nicht in niedrigen Beiträgen

Neben dem medizinischen Fortschritt und ist für die steigenden Versicherungsbeiträge auch die erhöhte Lebensdauer verantwortlich. Da die kapitalgedeckte PKV durch Altersrückstellungen die medizinische Versorgung bis zum Lebensende finanzieren will, wird sie auch in Zukunft mehr Kapital benötigen. Die umlagefinanzierte GKV profitiert hingegen ähnlich der gesetzlichen Rentenversicherung von hohen Beitragseinnahmen in Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit. Beides kann sich auch wieder umkehren, so dass die PKV dann wieder ihre Vorteile ausspielen kann. Wer sich aber lebenslang an die PKV bindet, sollte sich nicht darauf verlassen.

Weitere Aspekte, die für die Wahl des Versicherungssystems entscheidend sind, sind die Möglichkeiten der beitragsfreien Familienmitversicherung, etwa für Kinder und Ehepartner. Dafür müssen in der GKV unter Umständen auch auf andere Einkommensarten, etwa Mieteinnahmen, Kapitalerträge oder Betriebsrenten Kassenbeiträge gezahlt werden, die bei einer privaten Krankenversicherung nicht anfallen.

Die Vorteile der PKV liegen daher eher in den zumeist besseren und in der Tarifgestaltung frei wählbaren Leistungen – sei es für Kuren oder Reha-Maßnahmen, Brillen, Zahnersatz, Schutz im Ausland oder die erwähnte Chefarztbehandlung im Einbettzimmer. Ist der Tarif aber im Alter zu teuer, und der Versicherte wechselt in einen leistungsschwächeren Tarif mit höherem Selbstbehalt, ist das doppelt bitter: Vor allem im Alter sind diese Leistungen gefragt.

Vorteilhaft bleibt die PKV für Beamte. Sie sind beihilfeberechtigt, das heißt, der öffentliche Arbeitgeber beteiligt sich an den Behandlungskosten. Über die Beihilfe hinausgehende Kosten werden durch eine obligatorische Restkostenrisikoversicherung abgedeckt. Selbstständige tragen ihre Versicherungsbeiträge hingegen ganz allein. Gehen die Einnahmen im Alter zurück oder muss das Unternehmen aufgegeben werden, sind sie die Verlierer des Systems.

Bei Angestellten empfiehlt sich eine private Krankenversicherung nur, wenn schon in jungen Jahren ein lebenslang hohes Einkommen absehbar ist. Wer den Krankenversicherungsschutz einer privaten Kasse bevorzugt, tut gut daran, den Vertrag früh abzuschließen, wenn die Gesundheit noch gut ist. Und das eingesparte Geld und mögliche Beitragsrückerstattungen – die es bei der PKV erfreulicherweise noch gibt – sollte er für das Alter zurückzulegen.

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