Krankenversicherungen leiden unter Niedrigzinsen Zahlen Privatpatienten bald drauf?

Private Krankenversicherer rechnen wegen der niedrigen Zinsen mit steigenden Beiträgen und fürchten um ihr Geschäftsmodell. Offenbar fordern die Assekuranzen deshalb mehr Flexibilität bei der Preissetzung.

Die niedrigen Zinsen könnten bei der PKV zu Preiserhöhungen führen. Quelle: dpa

Die privaten Krankenversicherer (PKV) wollen ihre Tarife flexibler gestalten. Dafür rütteln sie offenbar am gesetzlich vorgeschriebenen Anpassungsmechanismus, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Grund für die Änderungswünsche sind die Sorgen der Versicherer, mögliche Preiserhöhungen Ende des Jahres könnten die Idee einer einheitlichen privaten Krankenversicherung in Deutschland fester als bisher in den Köpfen der Politiker verankern. Das gilt vor allem für Preiserhöhungen, die Ende 2016 drohen, also kurz vor dem Wahlkampfstart für die Bundestagswahl im Herbst 2017.

Wer in die private Krankenversicherung wechseln kann

Tiefer in die Tasche greifen müssen Versicherte möglicherweise aufgrund der niedrigen Zinsen. Branchenexperten rechnen laut SZ mit zweistelligen Erhöhungen bei vielen Kunden. Im Gegensatz dazu sollen die Preiserhöhungen der letzten Jahre eher moderat gewesen sein. Die Konsequenz der Mini-Zinsen ist für Versicherte sehr bitter: normalerweise bilden die Versicherungen gerade am Anfang der Laufzeit Rücklagen, wenn die Versicherten jung und nicht so oft krank sind. Diese sollen dann gewinnbringend angelegt werden, um den Kostenanstieg im Alter ausgleichen zu können. Bei den niedrigen Zinsen an den Märkten ist es allerdings schwer, das Geld lukrativ und risikogerecht anzulegen.

Gerade im höheren Alter drohen Versicherten daher schon jetzt hohe Preissteigerungen. Immer öfter können sie die Police nicht mehr bezahlen. Das Problem: die privaten Krankenkassen erlauben einen Wechsel in die GKV nur in bestimmten Einzelfällen. Die Versicherten sind also gebunden. Auch der Wechsel in eine andere PKV ist schwierig, denn in der Regel gehen dann die Rückstellungen, die der Versicherte im Laufe der Jahre fürs Alter aufgebaut hat, verloren.

Den Versicherten bleibt daher normalerweise nur der Wechsel innerhalb der eigenen Kasse in einen anderen Tarif. Und auch der ist nicht einfach. Denn die Versicherungsbedingungen der Assekuranzen sind für Kunden meistens schwer zu verstehen. Es besteht also die Gefahr, dass Versicherte zwar am Ende weniger bezahlen, ihnen aber auch einige Leistungen fehlen.

Versicherer wollen mehr Flexibilität

Um besonders sprunghafte Preisanstiege zu verhindern, wollen die privaten Versicherer nun den Anpassungsmechanismus der Tarife ändern. Denn bisher dürfen sie ihre Preise nur ändern, wenn entweder die Kosten für Gesundheitsleistungen um mindestens fünf Prozent steigen oder die Lebenserwartung der Bevölkerung um fünf Prozent wächst. Erst dann dürfen die Tarife komplett neu kalkuliert werden, einschließlich der Auswirkungen der Niedrigzinsen.

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Branchenvertreter äußerten gegenüber der SZ, die starren Regeln müssten gelockert werden, damit es zu kontinuierlichen Beitragsanpassungen auf einem für alle Seiten akzeptablen Niveau kommen könne. Versichertenvertreter wie Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV) warnen dagegen, insgesamt könnten die Assekuranzen auf diese Weise zu mehr Geld kommen.

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