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Krötenwanderung

Ist Ihre Riester-Rente in Gefahr?

Anke Henrich
Anke Henrich Freie Autorin, Mittelstands-Expertin

Rund 1,5 Millionen Riester-Sparer haben zu Unrecht staatliche Förderung bekommen. Jetzt holt sich das Finanzministerium dieses Geld zurück. Checken Sie Ihren Vertrag!

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Anke Henrich: Krötenwanderung

Davon hat Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester nichts erzählt: Jahre nach der Einführung dieser staatlich geförderten Altersvorsorge stehen für rund 1,5 Millionen Kunden die Zulagen auf dem Spiel. Es geht nicht um Kleingeld: Jeder Riester-Sparer erhält vom Bund eine Grundzulage von jährlich 154 Euro, für jedes Kind, das bis 2007 geboren ist, gibt es 185 Euro extra, für Kinder ab Jahrgang 2008 sogar 300 Euro. Das geht gut mit.

Nun hat das Finanzministerium durchaus sinnvoll gecheckt, ob wirklich nur Berechtigte die Zulagen kassieren. Und kam zu dem Ergebnis: Bei 1,5 Millionen Verträgen seien rund 500 Millionen Euro vermutlich zu Unrecht überwiesen worden, so die aktuelle Hochrechnung. Das Geld holt sich der Staat automatisch über das persönliche Riester-Konto des Versicherten zurück, um Erlaubnis muss er ihn nicht fragen.

Verwirrende Riester-Regeln

Das Problem: Am Werk waren aber in den wenigsten Fällen Riester-Gauner, sondern oft bringt Unwissenheit die Versicherten jetzt um ihre Zulage. Denn zum einen ist die Riester-Rente ein Bürokratiemonster, zum anderen haben sich die eilfertigen Versicherungsverkäufer meist nicht lange damit aufgehalten, ihren potenziellen Kunden die Fallstricke dieser Altersvorsorge aufzudröseln.

Die Stiftung Wartentest rät folgende Punkte im eigenen Vertrag schleunigst zu kontrollieren:

Die Zulage wird gekürzt, wenn der Versicherte weniger als vier Prozent seines Bruttovorjahreseinkommens in die Rente einzahlt.Wer seinen Job verloren hat oder weniger als früher verdient, muss mindestens fünf Euro im Monat in den Vertrag einzahlen, um die Zulagen zu bekommen.

Gehaltsveränderungen, Geburt eines Kindes und ein Umzug in eine andere Stadt müssen postwendend gemeldet werden.Sind die Kinder groß und das staatliche Kindergeld entfällt, muss auch das gemeldet werden, weil dann auch bei der Riesterrente das Kind ersatzlos gestrichen wird.Die Riester-Rente samt Zulagen bekommt nur, wer sie sich zu seinem Rentenbeginn auszahlen lässt. Wer das Geld eher braucht, muss alle Zulagen zurückerstatten. Das gilt auch für Rentner, die ins Ausland ziehen.

Wem jetzt mulmig wird, sei ein so genannter Festsetzungsantrag empfohlen. Den Antrag stellt der Kunde bei seiner Versicherung und kann dann Unterlagen nachreichen. Das Versicherungsunternehmen ist verpflichtet, ihn zu unterstützen.

Mit Nachteilen

MERKE: Bei Riester reicht es nicht, einmal einen Antrag zu stellen und sich dann um nichts mehr zu kümmern. Der Staat spendiert Geld, aber dafür will er über den Anbieter der Rente – das Versicherungsunternehmen - stets aktuell wissen, wie es um die finanziellen Verhältnisse der Gesponserten bestellt ist. Riester macht Mühe.

Was zwar nichts mit den Zulagen zu tun hat, aber dennoch kaum einem Riester-Sparer bewusst ist: Die Rente daraus kann im Alter auf die staatliche Grundsicherung angerechnet werden.

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